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Stösst eine Hillbilly-Bank die UBS vom Thron?

Die UBS ist die grösste Vermögensverwalterin der Welt – noch. Jetzt macht ihr ein aggressiver Rivale die Position streitig: die Bank of America.

Da mochte noch so viel eingeprügelt werden auf die UBS in den letzten Wochen – auf einen Ehrentitel durfte sie sich immer berufen: Keiner anderen Bank der Welt vertrauen die Reichen so gern ihr Geld an, keine betreut so grosse Vermögen. Gerade gestern erinnerte Konzernchef Marcel Rohner die Zuschauer von «10 vor 10» wieder daran: «Wir sind die grösste Vermögensverwalterin der Welt».

Wirklich? Die Position als Nummer eins ist akut bedroht, mehr noch: Einzelne amerikanische Finanzblätter haben ausgerechnet, dass die UBS bereits überholt sei im so genannten Wealth Management. Der neue Rivale heisst Bank of America. Denn das Institut, das am Montag Merrill Lynch übernahm, wird durch diesen Kauf zum Riesen in der Vermögensverwaltung. Rund 2000 Milliarden Dollar an Kundengeldern bringt Merrill Lynch in die Partnerschaft ein. Zusammen mit den eigenen Geldern wird die Bank of America gegen 2500 Milliarden Dollar erreichen, also rund 2785 Milliarden Franken.

Zum Vergleich: Die UBS verwaltete Ende Juni im Private Banking und im Asset Management 2763 Milliarden Franken.

Zürich gegen Charlotte, North Carolina

Ihre Position an der Weltspitze steht also zur Disposition, auch wenn beim amerikanischen Rivalen noch Abstriche folgen, zum Beispiel durch Zusammenlegungen oder die Abwanderung von Konti nach der Fusion. Das Fachblatt «Wealth Bulletin» schätzt, dass die Vermögensverwaltungssumme am Ende gegen 2'000 Milliarden Dollar sinken wird. So oder so: Die Bank of America wird zu einem gewaltigen Faktor im weltweiten Private Banking und zu einem Hauptrivalen der UBS. Dies war auch ein Hauptantrieb für die Übernahme von Merrill Lynch.

Denn die BofA – so ihre gängige Abkürzung – war bislang stark im amerikanischen Kleinkundengeschäft, im amerikanischen Kommerzgeschäft, im amerikanischen Online-Banking (hier hat sie 25 Millionen Kunden) sowie im Kommerzgeschäft mit amerikanischen Firmen. Damit wurde sie zur grössten Bank der Welt, ohne dass sie in der breiten Schweizer Öffentlichkeit gross wahrgenommen wurde.

Der Bankenjumbo hat seinen Sitz auch nicht an der Wall Street, sondern in Charlotte, North Carolina. Wer die Website der Bank of America besucht, findet dort nicht den noblen Look der Hochfinanz, eher schon kriegt er den Eindruck, bei einem Online-Elektronikhändler gelandet zu sein. Die Nähe zum Kleinkunden steht im Zentrum der Bemühungen. Doch das Institut, das in der amerikanischen Provinz so verwurzelt ist und dort gross wurde, fährt seit einigen Jahren eine aggressive Expansionsstrategie. Seit 2005 übernahm es unter anderem Finanzkonzerne wie den Kreditkartenriesen MBNA, den US-Ableger von ABN Amro sowie zuletzt, im Januar 2008, die angeschlagene Hypothekenbank Countrywide Financial. Mit der Übernahme von Merrill Lynch wuchtet sich die Bank of America vollends hoch zu einem Haus, das in allen Geschäften tätig ist, weltweit, vom Investmentbanking bis zur Kreditkarte – und weiter zur der Vermögensverwaltung.

Addiert kommen Bank of America und Merrill Lynch auf gut 260'000 Angestellte. Zum Vergleich: Die UBS hat rund 80'000 Mitarbeiter.

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