Portrait

Ein Rechtsliberaler zwischen FDP und Avalon

Der St. Galler Privatbankier Konrad Hummler, der künftige Präsident der NZZ-Gruppe, hat keine Berührungsangst zur SVP.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wahl von Konrad Hummler zum Präsidenten der NZZ-Gruppe im nächsten Frühling ist nur noch eine Formalität. Man kann also mit Fug jetzt schon sagen, dass der Chef und Mitinhaber der St. Galler Privatbank Wegelin & Co. bald nochmals deutlich an Einfluss gewinnt.

Doch wer ist der Ostschweizer Privatbankier, der in seinen Anlagekommentaren mit spitzer Feder wiederholt seinen früheren Arbeitgeber UBS und andere Grossbanken heftig kritisierte, sie hätten mit ihren Spekulationsgeschäften die Finanzkrise mitverursacht. Hummler will keinerlei Stellung nehmen.

Hummler propagiert Abgeltungssteuer

Breiter bekannt ist Hummler, seit die Schweiz seine Idee einer Abgeltungssteuer aufnimmt und mit Deutschland und Grossbritannien eine Amnestie aushandeln will. Eine Entwicklung, die Hummler als Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers heftig befördert hat. Hummler propagiert die Idee seit Jahren und wurde erst gehört, als die Bankiervereinigung einsehen musste, dass nur noch Abgeltungssteuer und Verhandlungen aus dem Schwarzgeld-Schlamassel führen.

Im NZZ-Verwaltungsrat sitzt Hummler seit 2002 und kritisiert dort seit längerem, die zugekauften Regionalzeitungen seien zu wenig integriert und der Gruppe fehle eine zukunftsfähige Strategie. Dass der Zürcher Buchhaltungsprofessor Conrad Meyer den Präsidentensessel zwei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit verlässt, erstaunt niemanden.

Der Vorgänger geht vorzeitig

Meyer, seit 1997 Verwaltungsrat, löste 2001 den Zürcher Ex-Regierungsrat Eric Honegger ab, als dieser wegen der Swissair-Pleite untragbar wurde. Dass die NZZ beim Zürcher Landzeitungs-Deal und beim Verkauf der «Basler Zeitung» leer ausging, dürfte Meyers Abgang gefördert haben. Mitglieder der Aktionärsgruppe «Freunde der NZZ», die rund 10 bis 15 Prozent an der Gruppe besitzen, haben bereits auf Hummlers Nomination angestossen.

Diese sei ein weiterer Schritt in Richtung «einer Mehrheit von unternehmerisch denkenden und handelnden Persönlichkeiten» im Gremium. Den ersten Durchbruch hatte die Gruppe, als der NZZ-Verwaltungsrat die Unternehmerin Caroline Müller-Möhl, Ex-Swisscom-Chef Jens Alder und den deutschen Internetspezialisten Joachim Schoss als Verwaltungsräte zur Zuwahl vorschlug.

Mitglied in Tettamantis Club

Verwaltungsrat und Präsident kann nur werden, wer FDP-Mitglied ist, wenigstens aber eine liberale Gesinnung nachweisen kann. Hummler sei immer noch Mitglied, räumt die FDP St. Gallen Zweifel aus. Anders als der Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler ist er nicht zur SVP abgewandert, stehe ihrem Gedankengut aber nahe, sagen viele. Hummlers Kurs oszilliere zwischen Rechtsfreisinn und SVP. Er sei kein sturer Ideologe, sondern ein Rechtsliberaler, der geschmeidig wechselnde Allianzen im rechtsbürgerlichen Lager eingehe.

Er habe keine Angst, dass die NZZ unter Hummler zum SVP-Sprachrohr mutiere, sagt Franz Steinegger, Ex-Präsident der FDP und seit 1998 NZZ-Verwaltungsrat. Berührungsängste mit der SVP und ihrem Netz hat Hummler nicht (siehe rechts). Hummler ist Mitglied in Tettamantis Verein Zivilgesellschaft – wie auch Blocher-Biograf Markus Somm und NZZ-VR Müller-Möhl. Im SVP-Kampfblatt «Weltwoche», das Roger Köppel von Tito Tettamanti erhielt, inseriert Hummlers Bank rege, die drei tauschen sich oft aus.

Thomas Matter und Peter Spuhler, beide Mitglieder im rechten Zürcher Unternehmer-Club zum Rennweg, halfen Hummler 2005 – gegen die Isolationisten in der SVP –, ein Ja zur Personenfreizügigkeit zu erreichen. Eigenartig ist die Rolle der «Schweizer Monatshefte», die Hummler bis vor kurzem verlegte. Sie gaben wiederholt dem Unternehmer Daniel Model eine Plattform, der am Bodensee den «elitären Staat» Avalon errichten will. Model sitzt auch im Stiftungsrat des Liberalen Instituts, das den Staat, speziell den Sozialstaat, stark beschneiden möchte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2010, 23:17 Uhr

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Mühevoll geschmückt: Trachtler reiten mit ihren Pferden während des traditionellen Georgiritts zum «Ettendorfer Kircherl» in Bayern. (22. April 2019)
(Bild: Matthias Balk) Mehr...