Bei der «Basler Zeitung» spitzt sich die Situation zu

Zur Stunde werden weitere Redaktoren entlassen. Und der Schriftsteller Guy Krneta will eine von einzelnen BaZ-Redaktoren angeregte Klage beim Presserat einreichen.

Gegen ihn soll eine Beschwerde eingereicht werden: Moritz Suter, «BaZ»-Besitzer.

Gegen ihn soll eine Beschwerde eingereicht werden: Moritz Suter, «BaZ»-Besitzer. Bild: Keystone

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Bei der «Basler Zeitung» (BaZ) steht eine neue Entlassungsrunde bevor. Am Freitag wurde den verbliebenen Ressortleitern mitgeteilt, wer gehen muss. Anfang dieser Woche werden die Betroffenen zu den Entlassungsgesprächen antraben müssen.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, sollen rund zehn Redaktoren ihre Stelle verlieren. Es ist nicht der erste Abbau. Bereits Anfang 2009 hatte die BaZ über zwanzig Vollzeitstellen gestrichen und rund einen Fünftel der Redaktion entlassen. Seither sind mehrere Abgänge nicht ersetzt worden, sodass der Personalbestand nach der jüngsten Entlassungsrunde auf unter 70 Vollzeitstellen fallen dürfte.

Nicht betroffen sein soll der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess, dem Chefredaktor Markus Somm indes vor kurzem verbot, das Inlandressort interimistisch zu leiten. Dies, nachdem Inlandchefin Seraina Gross als Korrespondentin in die Westschweiz versetzt worden war und ein bereits anvisierter Nachfolger nicht wie geplant eingesetzt werden konnte.

Suter soll Geldgeber nennen

Vor der Benachrichtigung der Ressortleiter über die jüngste Entlassungsrunde plante die BaZ-Redaktion, beim Schweizerischen Presserat eine Beschwerde gegen Moritz Suter einzureichen. Die Redaktion wirft ihrem Verleger vor, die Erklärung der Rechte und Pflichten der Journalisten zu verletzen. Dort heisst es unter anderem: «Die Journalisten haben Anspruch auf Transparenz über die Besitzverhältnisse ihres Arbeitgebers.» Moritz Suter weigert sich allerdings nach wie vor, seine Kreditgeber zu outen.

Angesichts der nun bevorstehenden Kündigungen wollen sich weder einzelne Redaktoren noch die Redaktionskonferenz exponieren. So überliess es eine Gruppe von Redaktoren dem Schriftsteller Guy Krneta von der Aktion «Rettet Basel», die Beschwerde beim Presserat einzureichen. Dies hat Krneta gegenüber dem TA bestätigt.

Über 500 Protestbriefe

«Ein Entwurf der Beschwerdeschrift steht. Diese Woche klären wir das formelle Vorgehen ab und sammeln Unterstützung, um der Forderung nach Transparenz vor dem Presserat Nachdruck zu verleihen», sagt Krneta. Eine breite Unterstützung ist «Rettet Basel» gewiss, wie sich schon mehrfach gezeigt hat. Nach der Entlassung und Freistellung des linken Bundeshausredaktors Ruedi Studer überschwemmte die Gefolgschaft von «Rettet Basel» Verleger Suter mit über 500 Protestbriefen.

Auch auf politischer Ebene wollen Krneta und der Basler SP-Nationalrat Beat Jans den Druck auf Suter hochhalten. Vergangenen Dezember hat Jans eine Motion eingereicht, wonach der Bundesrat ein entsprechendes Gesetz zur Sicherstellung der Besitzertransparenz bei Medienbetrieben ausarbeiten soll. Der Bundesrat zeigte am vergangenen Mittwoch «Verständnis für das Anliegen des Motionärs». Gleichwohl empfiehlt er die Motion zur Ablehnung, weil die verfassungsrechtliche Grundlage für eine solche Massnahme fehle. Jans will im Nationalrat dennoch dafür kämpfen.

Demnächst startet Petition

Parallel dazu startet Krneta eine Petition, die dasselbe Ziel wie Jans’ Motion verfolgt. Die Internetadresse Medientransparenz.ch, über welche die Unterschriftenbögen vertrieben werden, hat Krneta bereits registrieren lassen. Ab Mitte dieser Woche wird die entsprechende Onlinepräsenz aufgeschaltet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2011, 07:32 Uhr

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