Sunrise lehnt UPC-Kauf bei strengen Auflagen ab

Wegen des heftigen Widerstands von Sunrise-Aktionären steht die Übernahme auf der Kippe.

Sucht einen Ausweg: Sunrise-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Foto: Paolo Dutto (13 Photo)

Sucht einen Ausweg: Sunrise-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Foto: Paolo Dutto (13 Photo)

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Die Übernahmeschlacht um den grössten Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC durch Sunrise tritt in eine heisse Phase. Heute, morgen oder am Montag wird die Eidgenössische Wettbewerbskommission ihren lang erwarteten Entscheid zum Milliardendeal bekannt geben. Das verlautet aus Kreisen, die dem Verwaltungsrat nahestehen.

Die Bundesbehörde prüft den Kauf und die angestrebte Fusion beider Unternehmen seit dem Sommer vertieft. Die Wettbewerbshüter haben bis Ende September Zeit, das Geschäft zu ­genehmigen oder abzulehnen. Stimmt die Wettbewerbskommission zu, so hätten Sunrise und UPC die zweitletzte Hürde der geplanten Fusion genommen.

Die letzte wäre eine ausserordentliche Generalversammlung von Sunrise, welche der Übernahme zustimmen muss. Doch es melden mehr und mehr Aktionäre ihre Bedenken an. Es ist deshalb nicht mehr ausgeschlossen, dass Sunrise kurz vor der Ziellinie eine Niederlage kassiert.

Für Konzernchef Olaf Swantee, der sich seit Ende Februar mit Haut und Haar dem Kauf von UPC verschrieben hat, käme dies einer Schmach gleich. Branchenkenner rechnen in diesem Fall sogar mit einem Rücktritt des erfahrenen Telekommunikationsmanagers, der Sunrise auf Kurs gebracht hat.

UPC startet Charmeoffensive

Einen eleganten Ausweg aus dieser verzwickten Lage könnte nun die Wettbewerbskommission liefern. Sollte die Behörde den Zusammenschluss unter strengen Auflagen durchwinken, so könnte Sunrise dies zum Vorwand nehmen, um das ganze Vorhaben platzen zu lassen. Dieses Gedankenspiel ist aus dem Umfeld des Sunrise-Verwaltungsrats um Präsident Peter Kurer zu erfahren. Eine strenge Auflage wäre beispielsweise, wenn Sunrise das Kabelnetz von UPC der Konkurrenz öffnen muss.

Eine Sunrise-Sprecherin bestätigt: Die Übernahme werde nicht stattfinden, «wenn die Wettbewerbskommission einen regulierten Zugang zum UPC-Netz verlangen würde». Sie bezeichnet eine solche Situation mit Blick auf Marktführer Swisscom als «komplett unzumutbar für Sunrise». Der Grund: Das Parlament hat beschlossen, dass der Staatsbetrieb den Mitbewerbern keinen Zugang zu seinen schnellen Glasfasernetzen gewähren muss. Sunrise verlangt deshalb gleich lange Spiesse, falls es zur Fusion mit UPC kommt.

«Wenn 40 Prozent der Aktionäre
den Deal ablehnen, reicht das.»
Florian Schuhbauer, AOC-Mitgründer

Hinter den Kulissen laufen die Bemühungen, um zumindest die unentschlossenen Aktionäre via Öffentlichkeit für den Kauf von UPC zu gewinnen. UPC-Chefin Severina Pascu trat gestern in Bern auf, um vor Parlamentariern ein neues Internetprodukt mit einer Geschwindigkeit von 1 Gigabit pro Sekunde zu erläutern. Der Zeitpunkt ist kein Zufall – und auch nicht, dass die hohe Übertragungsrate neuerdings schweizweit gilt, also in der Stadt und auf dem Land.

Damit will das Unternehmen signalisieren: UPC hat aufgerüstet und verfügt über eine wettbewerbsfähige Infrastruktur. Der Kaufpreis von 6,3 Milliarden Franken ist gerechtfertigt, so die Botschaft. Zur Fusion äusserte sich Pascu bei ihrem Auftritt allerdings nicht.

Zu den lautesten Kritikern der Übernahme gehören die Sunrise-Aktionäre Freenet und Active Ownership Capital (AOC). Beide sind sich einig, dass der Kaufpreis zu hoch sei. Und beide haben öffentlich angekündigt, bei einer ausserordentlichen Generalversammlung gegen die Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zu stimmen. Eine solche ist nötig, um den Kauf von UPC finanzieren zu können.

Ein schlagkräftiger neuer Telecomanbieter

Alleine Freenet und AOC halten zusammen knapp 28 Prozent an Sunrise. Damit ist der Deal gefährdet. Weil nie alle Aktionäre anwesend oder vertreten sind, fällt der Stimmenanteil der Gegner ins Gewicht. Lediglich 65 bis 75 Prozent der Aktien dürften an der ausserordentlichen Generalversammlung vertreten sein, wie die Erfahrungen von ordentlichen Generalversammlungen zeigen. «Wenn 40 Prozent der Aktionäre den Deal ablehnen, reicht das», rechnet der AOC-Mitgründer Florian Schuhbauer vor. Aufgrund seiner Kontakte zu anderen kritischen Aktionären geht er von einem Nein-Anteil von 40 bis 45 Prozent aus.

Mit einer Fusion von Sunrise und UPC entstünde ein schlagkräftiger neuer Telecomanbieter, der Swisscom erstmals seit der Liberalisierung des Telecommarktes ernsthaft herausfordern könnte. Dies ist deshalb der Fall, weil sich das Mobilfunknetz von Sunrise und das Festnetz von UPC sinnvoll ergänzen würden.

Bei einem positiven Entscheid der Wettbewerbshüter hat Sunrise eine Frist von 30 Tagen, um die ausserordentliche Generalversammlung durchzuführen.

Erstellt: 25.09.2019, 21:13 Uhr

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