Supermanager Elon Musk am Anschlag

Er schläft auf dem Dach seiner Fabrik und postet wirres Zeugs: Was läuft schief beim Tesla-Boss? Auto-Papst Ferdinand Dudenhöfer hat da so eine Ahnung.

Da war die Welt des Elon Musk noch in Ordnung: Ende Juli lieferte Tesla die ersten Exemplare des Model 3 aus.
Video: Tamedia-Webvideo/Agentur

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Elon Musk schläft derzeit nicht ruhig. Letzte Woche musste er einen Rekordverlust von 619 Millionen Dollar im dritten Quartal verkünden. Von 1500 versprochenen Autos des Model 3 lieferte er nur 260 Stück aus. Hinzu kommen Meldungen, dass Händler unfertige Autos geliefert bekommen und selbst Sitze und Bildschirme einbauen müssen.

Wie desolat die Lage im Hause Tesla ist, zeigen auch Musks Einträge auf sozialen Medien. Auf Instagram posierte er zuletzt auf dem Dach seiner Gigafactory in Nevada. Er habe dort übernachtet, weil das näher gewesen sei als ein Hotel. Dazu erneut: «Produktionshölle.»

Sunset on the roof of the Gigafactory

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In einem Telefonat mit Analysten sagte Musk nach Verkündung der Quartalszahlen erneut, die letzte Zeit sei ähnlich zu «Dantes Inferno» gewesen. Für ihn sei die Situation emotional belastend: «Vor drei oder vier Wochen war ich sehr deprimiert (...). Ich war in einem ziemlichen Loch.» Was könnte das für Konsequenzen haben: Könnte Musk mit dem Abtritt liebäugeln? Oder sogar an der Spitze ausgewechselt werden?

«Niemand ist für immer CEO»

Ein Indikator dafür ist, dass Musk bereits in der Vergangenheit mehrfach Hinweise gegeben hatte, dass er den Job nicht ewig machen will. Er hatte sein Abtreten dabei allerdings stets an den Erfolg des Model 3 gekoppelt. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Musk im Jahr 2013, dass er nur so lange Chef bleiben wollte, bis das Model 3 erfolgreich lanciert sei.

Er wiederholte die Aussage an einem Investorentreffen im Jahr 2014. Damals sagte er, er wolle nur noch vier bis fünf Jahre bleiben. «Niemand ist für immer CEO einer Firma.» Und: «Ich muss dann schauen, wie die Dinge stehen, und ob es möglich ist, […] weiterzumachen, ohne ausgebrannt zu werden. Wenn das geht, werde ich es tun, wenn nicht, muss ich jemand anderen finden», so Musk damals.

Psychische Probleme und Stress

Auf sozialen Medien erwähnt Musk nun wiederholt psychische Probleme und Stress. Bereits im Juli hatte er auf Twitter wirre Andeutungen gemacht, dass er möglicherweise bipolar sein könnte. «Vielleicht nicht medizinisch», schrieb er damals, aber: «Negative Gefühle hängen mit negativen Ereignissen zusammen.» Und: «Wenn du ein Ticket in die Hölle kaufst, ist es nicht fair, die Hölle dafür verantwortlich zu machen.» Was genau damit gemeint war, bleibt unklar.

Dass Musk von sich aus zurücktritt, sieht Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer zwar als unrealistisch: «Tesla ist sein Lebenswerk. Wenn er das aufgibt, gleicht dies einem Selbstmord.» Dennoch müsse Musk jetzt das Ruder herumreissen: «Er hält schon seit langem zu viele Bälle in der Hand. Jetzt wird es kritisch», so Dudenhöffer. Musk widmet sich neben Tesla nämlich noch einer ganzen Reihe anderer Projekte: Er baut Raketen, tüftelt an seinem Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop, entwickelt Solartechnologien. «Er geistert ständig mit neuen Ideen durch die Gegend. Das kann stark verunsichern», so Dudenhöffer.

«Muss Tesla stabilisieren»

Bevor er andere Projekte angehe, müsse Musk dem Experten zufolge Tesla stabilisieren – auch, um die Geldgeber zu überzeugen. Sonst könnte ihm ein Schicksal wie seinem Amtskollegen drohen: «Musk kam mir immer vor wie Steve Jobs. Mittlerweile gleicht er mehr Travis Kalanick – Ex-CEO von Uber – in dem Aspekt, dass dieser zu viel gleichzeitig wollte», so Dudenhöffer. Damit ihm nicht wie Kalanick die Absetzung als CEO droht und er wieder mehr wie Steve Jobs wird, müsste Musk sich konzentrieren. «Musk muss die Anzahl Projekte herunterfahren und bei Tesla eine Stabilisierungsphase einleiten. 1000 Ideen gleichzeitig anzugehen, wird ihm grosse Probleme bereiten.»

Denn Musk brauche weiter Geld, um seine Firma am Laufen zu halten. Diese Geldgeber würden allerdings nur bei Laune gehalten, wenn ein klarer Plan auf dem Tisch liege, so Dudenhöffer: «Campen ist dabei nicht die Lösung und kein Ausdruck von Seriosität.»

Erstellt: 07.11.2017, 17:25 Uhr

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