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Swatch Group auf Erfolgskurs

Der Uhrenkonzern hat die Krise genutzt, um sein weltweites Netz auszubauen. Jetzt verkauft die Swatch Group so viele Uhren wie noch nie.

Swatch-Chef Hayek: «Am Personal sparen wir nicht.»
Swatch-Chef Hayek: «Am Personal sparen wir nicht.»
Keystone

So mancher reibt sich beim Ergebnis der Swatch Group im ersten Halbjahr 2010 die Augen. Wie schafft es der weltgrösste Uhrenkonzern, so kurz nach der Krise, mehr zu verkaufen als im Boomjahr 2008 und den Betriebsgewinn über 80 Prozent zu steigern? Nick Hayek, der Chef der Swatch Group, versucht es mit einem Bonmot von zwei Schuhverkäufern, die in die Wüste gehen. Der eine kehre sofort wieder um, weil dort niemand Schuhe trage. Der andere sehe das barfüssige Wüstenvolk als riesigen Markt und fange mit dem Verkauf sofort an.

Als das US-Geschäft im Herbst 2008 einbrach, bliesen andere Firmen zum Rückzug. Hayek und sein Team dagegen nutzten die Krise für den Ausbau. «Wenn wir sehen, dass ein Land wie die USA in Schwierigkeiten ist, nutzen wir das als Chance, anstatt Leute abzubauen», sagt Hayek. «Die Mieten sind tief, gute Standorte sind plötzlich erhältlich, Bereinigungen im Händlernetz kann man durchziehen.» Darum könne jetzt Omega, die umsatzstärkste Marke des Konzerns, in Amerika 15 neue Läden bis Ende Jahr eröffnen und entsprechend mehr verkaufen. Wie viel das eigene Ladennetz wert sei, das den Händlern die Marke vorlebt, zeige der Fakt, dass die Uhrenlinie Swatch in den USA, wo sie eine Zeitlang Mühe hatte, dank 60 Läden selbst im Krisenjahr 2009 profitabel war.

Swatch Group habe ihre langfristige Strategie konsequent durchgezogen, so Hayek, und zusätzlich investiert. Selbst mitten in der Krise eröffnete der Konzern etwa in China, in Europa, aber auch den USA einen Flagship-Store um den anderen. Allein Swatch erhielt 50 bis 60 neue Verkaufspunkte, für Omega gab es gut ein Dutzend weitere, in Russland wurde die Zahl der eigenen Läden auf 40 ausgebaut. Einzelne Banker orakelten damals, Hayek werde mit dem offensiven Kurs den Uhrenkonzern an die Wand fahren.

Offensive zahlt sich aus

Die Banker lagen falsch. Es lohnte sich, den Kurs zu halten. Jetzt fährt der Uhrenkonzern die Ernte ein. «Unsere Marken haben sich 2009 gut gehalten und seither in allen Preissegmenten sehr rasch zugelegt», sagt Hayek, «mehrere Marken setzen mehr um als 2008, darunter Breguet, Omega, Longines, Mido und Tissot.» Der Konzernumsatz im ersten Halbjahr lag 22 Prozent über dem Vorjahr – und er ist sogar 2 Prozent grösser als im Spitzenjahr 2008.

Neben dem Ausbau des weltweiten Vertriebsnetzes profitiert das Unternehmen davon, dass es auch mit dem Personal pfleglicher umging als andere. «Wir haben nicht Leute abgebaut, um kurzfristig Geld zu sparen», sagt Hayek, «das hilft uns jetzt, Produkte rasch an den Markt zu bringen, weil die Leute motiviert sind.» Hätte Swatch Group sich wie andere börsenkotierte Unternehmen verhalten und nur auf kurzfristige Effekte geschaut, hätte der Uhrenkonzern allein in der Schweiz locker 1000 Stellen streichen können. Stattdessen wurden sogar weitere Leute eingestellt. Einzig im Bereich elektronische Systeme wurden vereinzelt Mitarbeiter abgebaut.

In der Schweiz wird ausgebaut

Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs sei auch, dass Swatch Group durch dick und dünn an ihrer Strategie festhält, und im Uhrenmarkt – von Swatch bis Breguet – alle Preissegmente besetzt. In Russland ist der Konzern, vorab dank dem gehobenen Segment, der grösste Uhrenverkäufer des Landes. Nun will Hayek mit dem Ladenkonzept Happy Hour mehr «mittelpreisige Marken» wie Tissot, Longines und Rado verkaufen.

«Wenn Sie eine gute Marke haben, verdienen Sie aber auch im mittleren und unteren Preissegment viel Geld», sagt Hayek. Tissot habe 2009 mehr Gewinn gemacht als ein französischer Luxuskonzern mit dem ganzen Segment Uhren und Schmuck. «Das zeigt, wie falsch der Glaube ist, nur mit Luxus sei Geld zu verdienen.»

Der Gewinn steigt noch stärker als der Umsatz, weil man die Kosten im Griff habe, den Ausschuss reduziere, den Einkauf und die Prozesse stetig optimiere. Ein Beispiel ist die Krone aus einem Stück, die bisher aus vier Teilen montiert wurde. Das spart Kosten und verbessert die Marge. «Am Personal sparen wir zuletzt», sagt Hayek, «unser Ziel ist, mehr Kunden mehr zu verkaufen.»

Der Umsatz lag im ersten Halbjahr erstmals über 3 Milliarden Franken. Der Jahresumsatz werde 2010 die Marke von 6 Milliarden Franken hoffentlich «sehr deutlich» übertreffen. «Unser Ziel ist es, das beste Ergebnis der Geschichte zu erreichen», sagt Hayek. Swatch Group kämpft bereits mit Lieferengpässen.

«Wir suchen allein in der Schweiz über 100 Leute», sagt Hayek. Die Kapazitäten müssen dringend aufgestockt werden. «In der Schweiz planen wir neue Fabriken», sagt Hayek, «wir erweitern die Produktion in Grenchen, in Sion, im Tessin, in La Chaux-de-Fonds, im Vallée de Joux, in Biel selber.»

Swatch-Chef Hayek: «Am Personal sparen wir nicht.» Foto: Gian Marco Castelberg (13 Photo)

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