Swatch schockiert mit einer Halbierung des Gewinns

Umsatzrückgänge in Frankreich und der Schweiz schlagen heftig auf die Erträge durch. Die Informationspolitik des Konzerns steht einmal mehr in der Kritik.

Tiefschlag: Swatch-Group-Chef Nick Hayek rechnet mit einem 50- bis 60-prozentigen Einbruch des Betriebs- und Reingewinns.

Tiefschlag: Swatch-Group-Chef Nick Hayek rechnet mit einem 50- bis 60-prozentigen Einbruch des Betriebs- und Reingewinns. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Die Swatch Group hat die Berichtssaison der Schweizer Unternehmen für das zweite Quartal gleich mit einem Tiefschlag eröffnet. Wie der Uhrenkonzern mitteilte, rechnet er für das erste Halbjahr mit einem 50- bis 60-prozentigen Einbruch des Betriebs- und Reingewinns. Ursache hierfür sei einerseits der auf rund 12 Prozent geschätzte Umsatzrückgang im Berichtszeitraum.

Anderseits verweist die Mitteilung auf die bei Swatch geübte Praxis, die Kosten nicht umgehend der verschlechterten Erlösentwicklung anzupassen und insbesondere nicht mit Stellenabbau und Entlassungen zu reagieren. Den vollständigen Halbjahresausweis will der Konzern am 21. Juli vorlegen.

Die Hiobsbotschaft aus Biel riss die Swatch-Aktie zu Handelsbeginn um 14 Prozent in die Tiefe. Kritisiert wird von Analysten, nicht zum ersten Mal, die Informationspolitik von Konzernchef Nick Hayek. «Einmal mehr überrascht die Swatch Group mit ihrer Publikation in Bezug auf das Datum, aber noch mehr bezüglich des Inhalts», schrieb René Weber von der Bank Vontobel in einer ersten Einschätzung. Eigentlich hatte man heute mit der Veröffentlichung der Semesterzahlen gerechnet. Ferner monierte Weber, dass in der Swatch-Mitteilung keinerlei Hinweise enthalten sind, wie der Konzern auf die drastischen Umsatzeinbussen zu reagieren gedenkt.

Schmerzlich vermisste Touristen aus China

Davon abgesehen, ist der rund 12-prozentige Erlösrückgang in etwa doppelt so hoch ausgefallen, als die Analysten erwartet hatten. Besonders starke, aber nicht näher bezifferte Einbrüche vermeldete der Uhrenhersteller in Hongkong sowie in Frankreich und der Schweiz. In Europa bekommt Swatch die rückläufigen Touristenströme aus China zu spüren. Dies nicht nur wegen der Angst vor Terrorattacken – die mit dem jüngsten Anschlag in Nizza nun zusätzlich genährt wird –, sondern auch aufgrund verschärfter Anforderungen für Visaerteilungen.

Viele Touristen würden in Paris ihre Europa-Tour beginnen, sagte Hayek der Nachrichtenagentur Reuters. In China selber hat sich das Geschäft laut Hayek dagegen positiv entwickelt – der einzige Lichtblick für Swatch, wie es scheint.

Die Gewinnhalbierung – die Analysten hatten ein Minus von 20 bis 25 Prozent erwartet – erklärt sich laut Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), mit dem bei Swatch «besonders ausgeprägten operativen Gewinnhebel». Da der Uhrenkonzern nicht kostenseitig reagiert, wenn die Umsätze sinken, fallen die Ertragsrückgänge weit überproportional aus.

Hinzu kommt, so Schwendimann, dass mit Hongkong ein Markt Schwächen zeigte, auf dem Swatch vergleichsweise höhere Margen erzielt. Auch die Verschiebungen im Produkte-Mix dürften sich ungünstig für den Uhrenhersteller ausgewirkt haben, wie Schwendimann vermutet: Insbesondere Zeitmesser mit grösseren Gewinnmargen seien vom Verkaufsrückgang betroffen gewesen.

Hayeks unverbrüchliche Zuversicht

Grundsätzlich steht der ZKB-Analyst der Philosophie von Swatch positiv gegenüber, langfristig zu denken: «Ein Hersteller von Luxusgütern muss nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten denken.» Es wäre aus Sicht von Schwendimann problemlos möglich gewesen, das Marketingbudget zu kürzen, um so kurzfristig Kosten zu sparen. Langfristig wäre dies jedoch gefährlich. Ähnlich verhält es sich mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Doch hatte Swatch bereits 2009 von solchen Massnahmen abgesehen, weil es erfahrungsgemäss sehr schwierig ist, Arbeitskräfte mit dem benötigten, spezifischen Know-how zu finden, wenn sich die Aussichten wieder aufhellen und es gilt, die Produktion zu steigern.

Hayek macht denn auch auf Zuversicht: «Ich sehe nicht ein, warum das zweite Halbjahr nicht besser sein soll. Das hat nichts mit Hoffnung zu tun, das ist ein Fakt», sagte der Konzernchef zu Reuters. Nachfrageimpulse verspricht er sich von China und den Olympischen Spielen in Brasilien.

Was aber, wenn es anders kommt? Schwendimann verweist darauf, dass sich die Uhrenhersteller im vergangenen Jahr umsatzmässig immer noch recht gut gehalten hätten, wenngleich sie der Rückgang im zweiten Halbjahr auf dem falschen Fuss erwischt habe. Zudem verfüge Swatch über eine «grundsolide» Bilanz. Von daher, so der Analyst, könnte der Konzern auch noch ein enttäuschendes zweites Halbjahr gut verkraften. Sollte eine Umsatzentwicklung über längere Zeit negativ bleiben, dann könne sich aber auch ein Luxusgüterunternehmen dem nicht vollständig verschliessen, sondern müsse kostenmässig fit bleiben.

Erstellt: 15.07.2016, 14:53 Uhr

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