Tabubruch bringt Google in Millionen Autos

Die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi will Wagen mit vorinstallierten Android-Apps herstellen. Damit müssen sich die Fahrer mit Datenschutz auseinandersetzen.

Die Google-Software Android kommt ins elektronische Armaturenbrett der Automarken Nissan, Renault und Mitsubishi.

Die Google-Software Android kommt ins elektronische Armaturenbrett der Automarken Nissan, Renault und Mitsubishi. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Autobau bricht eine neue Ära an: Die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi plant eine Zusammenarbeit mit Google, um Android-basierte Infotainmentsysteme in Millionen von Autos einzubauen. Beide Unternehmen kündigten ihr Vorhaben gegenüber dem «Wall Street Journal» an.

Demnach werden die Wagen der Allianz ab dem Jahr 2021 auf das Google-Betriebssystem Android zurückgreifen, um das Infotainmentsystem und die Cockpit-Bildschirme zum Laufen zu bringen.

Fahrer können so übers elektronische Armaturenbrett ihres Fahrzeugs auf Karten, den App Store und den Sprachassistenten von Google zugreifen. Die neue Partnerschaft gilt als wichtiger Schritt nach vorne für Googles Absicht, in die Innenräume von Autos zu expandieren.


Machen Sie mit bei «Die Schweiz spricht»: Die Aktion bringt Menschen ins Gespräch, die nahe beieinander wohnen, aber politisch unterschiedlich denken.


Der französisch-japanische Verbund Renault-Nissan-Mitsubishi verkaufte im ersten Halbjahr dieses Jahres 5,5 Millionen Fahrzeuge. Er lag damit vor Volkswagen und Toyota.

Tomtom-Aktienkurs bricht ein

Die Ankündigung des Deals lässt den Aktienkurs von Tomtom regelrecht einstürzen. Der Titel des niederländischen Navigationsgeräteanbieters büsste an der Börse in Amsterdam knapp 30 Prozent an Wert ein. Die Notierung steuerte im Handelsverlauf auf den grössten Tagesverlust seit mehr als 13 Jahren zu. Die Anleger befürchten, dass nun die Nachfrage nach Tomtom-Produkten einbricht.

Führungskräfte der Allianz erklären, dass viele Kunden daran gewöhnt seien, Google Maps und andere Apps zu verwenden. Automobilisten würden Google-Apps vorziehen, anstatt beim Fahren Software zu nutzen, die von Automobilherstellern entwickelt worden sei. Deshalb habe man sich für eine Zusammenarbeit mit Google entschieden.

Damit wird das Tabu der Autoindustrie gebrochen, nur lose mit branchenfremden Digitalkonzernen zu kooperieren. Google «wildert» bereits in der Autobranche, indem die Firma selbstfahrende Wagen entwickelt.

Manche Automanager haben über die Jahre offenbar ihre Bedenken gegenüber dem Technologiekonzern abgelegt. Der Suchmaschinenbetreiber hat Android seit dem Jahr 2007 zu Software mit öffentlich zugänglichem Quelltext gemacht.

Kal Mos, Chef bei der Allianz für den Geschäftsbereich vernetzte Fahrzeuge, sagt gegenüber dem «Wall Street Journal», dass «in den vergangenen Jahren Vertrauen aufgebaut wurde».

Und der Datenschutz?

Durch die Partnerschaft mit Google erhöht Renault-Nissan-Mitsubishi den Druck auf die Konkurrenz, ebenfalls mit Technologieunternehmen zusammenzuarbeiten, anstatt eigene Softwareökosysteme zu entwickeln. Der Einsatz von Android kann zwar Kunden von einem Autokauf überzeugen, bedeutet aber auch: Die Autohersteller geben die Kontrolle über wertvolle Benutzerdaten an Dritte ab.

Automanager Mos erklärt dazu, dass Google Zugang zu den Daten habe, die seine Apps im Auto sammelten. Der Suchmaschinenbetreiber müsse aber zuerst das Einverständnis des Benutzers einholen.

Andere Autohersteller, die bereits Google-Apps in ihre Fahrzeuge gelassen haben, sind Volkswagen und Volvo. VW bindet Google Earth ins Navigationssystem von Audi ein. Volvo wird sein nächstes Infotainmentsystem im Auto auf Android betreiben.

Erstellt: 19.09.2018, 20:18 Uhr

Artikel zum Thema

Mitarbeiter verlassen Google wegen zensurierter Such-App

Googles Projekt «Dragonfly» setzt die strikte Zensur des chinesischen Regimes durch. Nun haben erste Mitarbeiter aus Protest gekündigt. Mehr...

Warum Google das Netz neu beschildert

Der Chrome-Browser zeigt Web-Adressen anders an. Das soll Nutzern die Orientierung erleichtern. Obschon sich Widerstand regt, will Google das Netz weiter umbauen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...