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Taxi-Streik macht Newcomer reich

Sie wollten der Konkurrenz aus dem Internet schaden – und erreichten das Gegenteil: Der Streik von Taxifahrern in aller Welt hat der Uber-App Rekordzahlen beschert.

Der Fahrdienst Uber macht seit kurzem auch den Zürcher Taxis Konkurrenz. (18. Juni 2014, Taxi-Standplatz beim Zürcher HB)
Der Fahrdienst Uber macht seit kurzem auch den Zürcher Taxis Konkurrenz. (18. Juni 2014, Taxi-Standplatz beim Zürcher HB)
Christian Beutler, Keystone
Die Zürcher Taxis verweisen auf die offiziellen Tarifregeln der Stadt – dabei handelt es sich allerdings um Höchstpreise. Die Zürcher Taxis könnten also theoretisch auch die Preise senken. (18. Juni 2014)
Die Zürcher Taxis verweisen auf die offiziellen Tarifregeln der Stadt – dabei handelt es sich allerdings um Höchstpreise. Die Zürcher Taxis könnten also theoretisch auch die Preise senken. (18. Juni 2014)
Christian Beutler, Keystone
Stein des Anstosses: Ein privater Anbieter von Taxifahrten posiert mit der Uber-App in Washington, DC. (14. Februar 2014)
Stein des Anstosses: Ein privater Anbieter von Taxifahrten posiert mit der Uber-App in Washington, DC. (14. Februar 2014)
AFP
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Sechs- bis achtmal mehr neue Kunden als an gewöhnlichen Tagen: Die Nutzerzahlen der Taxi-App Uber sind gestern explodiert. «Wir arbeiten rund um die Uhr», sagte Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty am Abend gegenüber dem Wirtschaftssender Bloomberg TV. Schuld an der Erfolgswelle ist eine Aktion, die Uber eigentlich hätte schaden sollen: der Streik von mehr als 30 000 Taxifahrern in zahlreichen Metropolen von Berlin über Barcelona bis London.

Die Taxifahrer wollten gegen die neue Marktmacht aus dem Internet protestieren: Limousinendienste wie Uber umgingen die strikten Regeln und zum Teil hohen Lizenzkosten im Taxigewerbe und verschafften sich so einen unfairen Wettbewerbsvorteil, moniert die Branche. Denn Uber betreibt keine eigenen Wagen, sondern tritt nur als Vermittlerin zwischen Fahrern und Fahrgästen auf. Mit der App können Kunden sich von Taxifahrern abholen und chauffieren lassen, die keine Ausbildung, Prüfung oder Lizenz haben. Vor allem Letzteres geht ins Geld: Eine Taxilizenz kann bis zu 200 000 Euro kosten.

Das wertvollste Tech-Start-up der Welt

Für die Kunden hatte der Streik unangenehme Folgen. Fluggäste in Paris beispielsweise hatten wegen des Aktionstags kaum Chancen, eine Taxifahrt in die Stadt zu erwischen. Uber reagierte und rief gestrandete Taxikunden dazu auf, seine Fahrangebote zu nutzen – offenbar mit Erfolg: In ganz Europa verzeichnete der Dienst laut Gore-Coty sechs- bis achtmal mehr neue Kunden als an normalen Tagen. In Barcelona seien es sogar elfmal mehr gewesen.

Bei Investoren ist Uber schon lange hoch im Kurs: Erst am Freitag sammelte das Unternehmen 1,2 Milliarden Dollar ein. Es soll nun 18,2 Milliarden Dollar wert sein und wäre damit das am höchsten bewertete Tech-Start-up der Welt. In der Schweiz ist Uber bisher in Zürich vertreten.

Etablierte Industrien unter Druck

Das Unternehmen schafft laut eigenen Angaben 20 000 neue Jobs pro Monat, indem es Taxifahrern ermöglicht, ihre Dienste auf eigene Faust über die unternehmenseigene App anzubieten. Ausserdem trage es dazu bei, die an vielen Orten unverhältnismässig hohen Preise zu senken.

Uber reiht sich damit ein in eine Riege neuer Internetfirmen, die etablierten Industrien ihr Geschäft streitig machen. In dieselbe Kategorie fällt der Dienst Airbnb, mit dem jede Privatperson zum Hotelier werden und Zimmer vermieten kann. Die Tourismusbranche geht gegen die Plattform auf die Barrikaden, weil die Vermieter keine Gebühren bezahlen müssen. In Bern trat vor wenigen Tagen ein Gesetz in Kraft, das die Airbnb-Anbieter neu dazu verpflichtet, Kurtaxen zu entrichten.

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