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The Good, the Bad and the Ugly

Mark Branson, Raoul Weil und Martin Liechti: Der Steuerstreit hat die Geschichte dieser Männer miteinander verwoben. Weils gestriger Freispruch besiegelt das Schicksal der drei ehemaligen UBS-Banker.

Simon Schmid
Der «Albtraum» des ehemaligen UBS-Topshots dauerte sechs Jahre: Raoul Weil wurde gestern von einem US-Gericht freigesprochen.
Der «Albtraum» des ehemaligen UBS-Topshots dauerte sechs Jahre: Raoul Weil wurde gestern von einem US-Gericht freigesprochen.
Keystone
Seine Glaubwürdigkeit wird durch das Urteil in Fort Lauderdale beeinträchtigt: Martin Liechti, ehemals Untergebener von Weil, hat heute das Image des Geächteten.
Seine Glaubwürdigkeit wird durch das Urteil in Fort Lauderdale beeinträchtigt: Martin Liechti, ehemals Untergebener von Weil, hat heute das Image des Geächteten.
Reuters
Liechti hatte sich 2008 zur Kooperation mit den US-Behörden entschieden, nachdem er in Miami festgenommen war. Vor dem Senat schwieg er.
Liechti hatte sich 2008 zur Kooperation mit den US-Behörden entschieden, nachdem er in Miami festgenommen war. Vor dem Senat schwieg er.
Keystone
Eine offzielle Entschuldigung im Namen der UBS gab Mark Branson ab, der damalige Finanzchef der Vermögensverwaltung.
Eine offzielle Entschuldigung im Namen der UBS gab Mark Branson ab, der damalige Finanzchef der Vermögensverwaltung.
Keystone
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Sommer 2008. Der Angriff der US-Justiz gegen die UBS katapultiert drei hochrangige Banker ins Rampenlicht. Als erster für Schlagzeilen sorgt Martin Liechti, langjähriger Amerika-Chef der Vermögensverwaltung bei der Grossbank. Er packt gegenüber den Behörden aus, nachdem ihn die Polizei in Miami einige Monate zuvor gefasst hatte. Liechti versorgt die Amerikaner gegen Straffreiheit mit Informationen, um die UBS zu knacken. Doch er schweigt, als ihn der Senat öffentlich zur Rede stellen will.

Stattdessen tritt Mark Branson auf den Plan, ein zweiter UBS-Mann. Aus dem Mund des frisch berufenen Finanzchefs im Wealth Management kommen aufsehenerregende Worte. Der ehemalige Kommunikationschef der UBS sagt «sorry» und gelobt im Namen der Bank Besserung: Man werde mit den USA kooperieren und verzichte auf das Cross-Border-Geschäft. Trotzdem nimmt Amerika mit Raoul Weil kurz danach einen weiteren UBS-Banker ins Visier. Liechtis einstiger Vorgesetzter wird angeklagt. Er verlässt seinen Posten bei der Bank, stellt sich den US-Sheriffs aber nicht.

Ehre und Freiheit wiedererlangt

Gestern ist der Prozess gegen Raoul Weil zu Ende gegangen. Die Verhandlung hat die drei Männer und deren spektakulären Werdegang erneut ins Zentrum gerückt. Eine überraschende Wendung hat das Schicksal von Raoul Weil genommen: Dass der Banker, der zwischen 2002 und 2008 die oberste Verantwortung für die UBS-Vermögensverwaltung trug, der Höhle des Löwen entrinnen würde, schien noch vor kurzem undenkbar. Doch das Gericht hat Weil als «nicht schuldig» taxiert. Der 54-Jährige kann jetzt nach Hause gehen, seine Reputation ist offiziell wiederhergestellt.

Eine andere Art von Freiheit geniesst Martin Liechti, ein langjähriger Vertrauter von Raoul Weil. Er belastete seinen ehemaligen Chef in Fort Lauderdale als Zeuge schwer. Der 53-Jährige beklagte, 2008 bei der UBS kaltgestellt worden zu sein, nachdem er lange für eine Lösung des US-Problems gekämpft habe. Doch Liechti drang mit seinen Anschwärzungen bei der Jury nicht durch. Weils Freispruch entkräftet Liechtis Version der Tatsachen – im Schlussplädoyer musste er sich sogar zum «pathologischen Lügner» abstempeln lassen. Liechtis Ruf in der Finanzbranche ist wohl dahin.

Widersprüchliche Regeln und Ziele

Das Verdikt im Fall Weil ist streitbar. Ob es die historischen Rollen der Beteiligten wirklich korrekt abbildet, bleibt fraglich. Einige Zusammenhänge vermittelt der Bericht der Finma zur UBS. «Einerseits [...] gab die UBS AG präzise darüber Aufschluss, was im Cross-Border-Geschäft erlaubt war und was nicht», heisst es dort. «Andererseits wurde das Leistungsbemessungs- und -beurteilungssystem innerhalb der Business Unit ‹Americas› in einer besonderen Art und Weise aufgesetzt. Dies führte im Ergebnis zu einer eigentlichen Pervertierung der von der Bank [...] verfolgten Ziele.» Divisionsziele, Compliance und Boni sind bei einer Bank eigentlich Chefsache.

Was also hat Liechti gewusst, was Weil? Was geschah willentlich, wo wurde weggeschaut? Wer hat mit wem kooperiert, wer hat wen abserviert? Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse bleibt schwierig, zumal es bei der UBS gegen Ende der Schwarzgeld-Ära etwa so zu und her ging wie in Sergio Leones Western-Klassiker «Zwei glorreiche Halunken». Darin machen sich ein Revolverheld, ein Auftragskiller und ein Geächteter auf der Suche nach einen Goldschatz gegenseitig das Leben schwer. «The Good, the Bad and the Ugly» lautet der englische Titel des Films, in dem die Protagonisten mit Finten und Tricks immer wieder ihren Kopf aus der Schlinge ziehen.

Liechti und Weil sind heute halb frei und halb erledigt; sie können sich die Rollen des «Bad» und «Ugly» unter sich aufteilen. Auf der Siegerseite von «Good» steht Mark Branson. Er wechselte anderthalb Jahre nach seinem Senatsauftritt zur Finma – geprägt von den Erfahrungen mit einer Bank, die ihn innert wenigen Jahren erst nach Japan ins Libor-Manipulationsnest und dann in die Abteilung mit unversteuerten Geldern schickte. Dort will der heute 46-jährige offenbar durchgreifen und künftig nicht nur Institute, sondern auch Individuen härter anpacken. Die Politik lässt sich auch als Spätfolge jener Ereignisse verstehen, die im Sommer 2008 zu jenem verhängnisvollen Aufeinandertreffen der drei Banker führten.

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