Tieferer Gewinn der Credit Suisse wegen US-Steuer?

Das Schweizer Geldhaus geht davon aus, unter ein neues US-Gesetz zu fallen. 100 Millionen dürften so in die USA abfliessen.

Vor der Präsentation der Jahreszahlen verkündet die Credit Suisse schlechte Nachrichten. Foto: Reuters

Vor der Präsentation der Jahreszahlen verkündet die Credit Suisse schlechte Nachrichten. Foto: Reuters

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Kommende Woche soll es endlich so weit sein. Nach drei verlustreichen Jahren will Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse, für 2018 ein deutliches Plus präsentieren. Gestern schickte die Bank allerdings eine schlechte Nachricht vorweg. So geht sie nun davon aus, dass sie unter die neue US-amerikanische Steuer mit dem Namen «Base Erosion and Anti Abuse Tax» fallen könnte. Und das wird teuer.

Die von US-Präsident Donald Trump angedachte Abgabe soll greifen, wenn multinationale Konzerne ihre Steuerlast senken, indem sie Kapital aus den USA abziehen. Die Credit Suisse hat einen neuen Entwurf des Gesetzes studiert und glaubt nun, dass sie von der Steuer betroffen ist. Noch am Investorentag im Dezember vertrat die Bankleitung die gegenteilige Meinung.

Steuerquote der UBS tiefer

Noch sind das alles Annahmen, denn der Gesetzestext ist noch nicht verabschiedet. Die neue Einschätzung hat jedoch schon jetzt Auswirkungen auf das Ergebnis der Bank. «Wegen der US-Steuer dürfte der Jahresgewinn der Credit Suisse 100 Millionen Franken tiefer ausfallen», sagt Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel. Er nimmt daher die Gewinnschätzung für das Gesamtjahr von 2 auf 1,9 Milliarden Franken zurück. Die Bank habe wohl vermeiden wollen, dass die höhere Steuerrate bei der Ergebnispräsentation nächste Woche zum Thema wird. Daher habe sie die Information schon einige Tage zuvor veröffentlicht, so Venditti. Auch für das Jahr 2019 dürfte der Gewinn wegen der Steuernorm um 100 Millionen Franken sinken. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar. Ähnlich sehen es die Analysten der Zürcher Kantonalbank.

Die Abgabe würde nicht nur die Credit Suisse betreffen. Die ganze Finanzbranche ist potenziell der neuen Steuer ausgesetzt. Denn zwischen den Ländergesellschaften fliesst viel ­Kapital. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Tochter­gesellschaft der Mutterfirma Zinsen für das lokal zugeord­-nete Eigenkapital bezahlt. Die Banken versuchen nun, die bankinternen Geldflüsse so zu steuern, dass in den USA keine Abgaben fällig werden.

Die UBS hat im Gegensatz zur Credit Suisse bislang keine Änderung ihrer Annahmen zur neuen US-Steuer vorgenommen. Die grösste Schweizer Bank geht offenbar davon aus, nicht von den Regeln betroffen zu sein. Denn die UBS profitiert in den USA noch auf Jahre hinaus von Verlusten aus der Finanzkrise, die sie steuerlich geltend machen kann. Zudem dürfte die Konzernstruktur der UBS so aufgestellt sein, dass ihre internen Kapitalflüsse weniger stark unter die US-Steuer fallen, sagen Branchenkenner. Das führt dazu, dass die Steuerquote der UBS deutlich tiefer ist als diejenige der Credit Suisse. Bei der UBS beträgt sie 25 Prozent. Die Credit Suisse geht nun von einer Quote von 40 Prozent aus. Im kommenden Jahr soll sie dann auf 30 Prozent sinken.

CS in der Schweiz auf Kurs

Insgesamt bleiben die Ziele der Credit Suisse für 2018 aber ­unverändert. Kürzlich sagte Schweiz-Chef Thomas Gottstein an einer Tagung der «Finanz und Wirtschaft», die wie diese Zeitung zum Tamedia-Verlag gehört, dass die Bank im Heimmarkt auf Kurs sei. Die Schweizer Gesellschaft dürfte laut Gottstein das Gewinnziel von mindestens 2,2 Milliarden Franken erreichen. In der Branche nahm man diesen Vorgriff auf das Jahresergebnis eher verwundert zur Kenntnis. 

Bei der Konkurrenz litt zum Jahresende die Handelssparte. So brach bei der französischen BNP Paribas der Ertrag im Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen um mehr als 20 Prozent ein. Dies, weil die Marktbedingungen im vierten Quartal extrem gewesen sein sollen. Die Handelssparte ist auch bei der Credit Suisse ein wichtiges Standbein, obwohl sie in der Ära Thiam an Bedeutung verloren hat.

Erstellt: 06.02.2019, 21:25 Uhr

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