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Tierquälerei-Skandal auf dem Wiesenhof – Schweizer Supermärkte reagieren

Schweizer Grossverteiler verzichten ab sofort auf Pouletfleisch des deutschen Grosslieferanten Wiesenhof. Auslöser für den Boykott waren schockierende Videoaufnahmen von Tierschützern.

Tiere werden beim Verlad misshandelt: Tierschützer-Aufnahmen auf dem Wiesenhof. (Quelle: ARD)

Wiesenhof klingt nach idyllischem Landhof mit grossen Wiesen, auf denen sich Tiere frei bewegen können. Artgerechte Haltung. Bio. In Wahrheit handelt es sich beim Wiesenhof um den grössten Geflügelproduzenten Deutschlands. Eine Geflügelfarm, auf der die Tiere zu Tausenden dicht an dicht stehen und das Tageslicht nie zu sehen bekommen.

So weit, so normal. Jedes Kind weiss, dass auf Tierfarmen andere Gesetze herrschen als auf dem Hof des benachbarten Biobauern. Doch geheim gedrehte Filmaufnahmen (siehe Video) von deutschen Tierschützern bringen den «Geflügelproduzenten Nr. 1» – wie sich das niedersächsische Unternehmen selbst nennt – in Bedrängnis. Die Aufnahmen zeigen, wie die Küken in ihrem eigenen Kot stehen. Aus dem Dreck zieht ein Tierschützer ein totes Tier, das schon seit Wochen dort zu liegen scheint. Andere Bilder zeigen beauftragte Mitarbeiter vom Wiesenhof, die Puten treten, durch die Luft schleudern und in Käfige auf einem Lastwagen werfen.

Auch im Schweizer Markt vertreten

Die ARD zeigte am 31. August die Bilder in der Reportage «Das System Wiesenhof». Am vergangenen Dienstag zog das Schweizer Fernsehen (SF) nach und brachte die Aufnahmen in einem Beitrag des Kassensturzes. Mit gutem Grund. Der deutsche Konzern liefert sein Fleisch auch in die Schweiz. Sämtliche Grossverteiler von Aldi über Coop, Migros oder Denner führen die Produkte in ihrem Sortiment. Insgesamt importiert die Schweiz 47'000 Tonnen ausländisches Fleisch. Wie viel davon aus dem Wiesenhof stammt, kann nicht genau beziffert werden. Ein Blick in die Regale der Schweizer Grossverteiler zeigt, dass es nicht wenig ist. Die Marke Wiesenhof ist omnipräsent.

Die Grossverteiler reagieren nun auf die Schreckensbilder. Angesichts der Vorwürfe der Tierquälerei verzichten die grössten Schweizer Ketten bis auf weiteres auf den Kauf von Wiesenhof-Produkten, wie SF berichtet. «Aufgrund dieser Bilder haben wir entschieden, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen», sagt Christian Guggisberg, Leiter der Beschaffung Food Coop.

Stellt sich die Frage, ob ein solcher Fall auch in der Schweiz möglich ist? Tierschützer Hans Oester vom Zentrum für tiergerechte Haltung BVET möchte dies nicht ausschliessen, gibt jedoch zu bedenken, dass hierzulande die meisten Geflügelhändler Landwirte und somit selbst die Tierhalter sind. «Das ist ein entscheidender Vorteil», sagt Oester. Im Fall Wiesenhof waren es externe Mitarbeiter, die Tiere traten und sie durch die Luft warfen und somit gegen die Tierschutzrichtlinien verstiessen.

Nicht der erste Fall

Auf der Webseite rechtfertigt sich das Unternehmen wie folgt: «(...) wir haben von der verantwortlichen Ausstallungsfirma verlangt, die Mitarbeiter zur Rechenschaft zu ziehen. Bei Landwirten von Wiesenhof darf keiner der identifizierten Mitarbeiter der Fremdfirma künftig eingesetzt werden (...)». Den Schweizer Grossverteilern reicht diese Rechtfertigung nicht. Migros-Sprecher Urs Peter Naef sagt gegenüber der Taz: «Offensichtlich können sie unsere Anforderungen wie tiergerechten Umgang nicht garantieren.» Naef spielt darauf an, dass bereits 2010 ähnliche Bilder aus einem Wiesenhof-Betrieb veröffentlicht wurden. Wiesenhof habe damals glaubhaft versichert, «dass sie Massnahmen ergreifen werden», erklärte Naef.

Zu glauben, dass nach dem Wiesenhof-Boykott lediglich Fleisch aus artgerechter Haltung über Schweizer Ladentheken geht, wäre naiv. Der Import von ausländischem Fleisch hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 30 auf fast 50 Tonnen erhöht. Die Migros etwa bezieht 20 Prozent ihres Fleisches aus dem Ausland. Dass in anderen Ländern meist tiefere Tierschutzstandards herrschen als in der Schweiz, wird offensichtlich in Kauf genommen: «Da können wir leider nichts machen», sagt Naef gegenüber dem SF.

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