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Traditionsmarke Mammut könnte ins Ausland verkauft werden

Die Outdoor-Sparte des Zürcher Mischkonzerns Conzetta wird veräussert.

Die 1862 gegründete Schweizer Outdoor-Marke Mammut Sports Group AG wird verkauft. Symbolbild: Keystone.
Die 1862 gegründete Schweizer Outdoor-Marke Mammut Sports Group AG wird verkauft. Symbolbild: Keystone.

Conzzeta beugt sich dem Zeitgeist und verkauft bis auf eine alle Sparten. Mit dem künftigen Fokus auf die Blechbearbeitungssparte Bystronic verschwindet einer der letzten an der hiesigen Börse kotierten Mischkonzerne. Die Outdoor-Sparte Mammut könnte damit ins Ausland gehen.

Die Ankündigung von Conzzeta vom Montag gleicht einem Paukenschlag. Die Sparten Outdoor mit der Marke Mammut und Chemische Spezialitäten sollen verkauft und der Fokus künftig gänzlich auf das Geschäft mit Maschinen für die Blechbearbeitung gelegt werden, teilte das traditionsreiche Zürcher Unternehmen mit.

Die starke Marktposition in der globalen Blechbearbeitung solle mit einer fokussierten Wachstumsstrategie beschleunigt ausgebaut werden, hiess es zur Begründung. «Nach einer eingehenden Analyse der Situation sind wird zum Schluss gekommen, dass Bystronic als profitables Hightech-Unternehmen gut aufgestellt ist und über grosses Potential verfügt», sagte VR-Präsident Ernst Bärtschi zur Nachrichtenagentur AWP. «Die Bereiche Mammut und Chemische Spezialitäten hingegen verfügen lediglich in Europa über eine starke Marktposition, für Wachstum in Amerika oder in Asien fehlt hingegen die kritische Masse», so Bärtschi.

Fokus auf grösste und rentabelste Sparte

Bystronic erzielte 2018 mit einem Anteil von 57 Prozent am Nettoumsatz 90 Prozent des Betriebsgewinns des Konzerns. Konkret erwirtschaftete der Bereich einen Umsatz von knapp über 1 Milliarde Franken und einen operativen Gewinn von 132 Millionen. Die Sparte konzentriert sich auf die Automation und Integration des Material- und Datenflusses in der Prozesskette Schneiden und Biegen bei der Blechbearbeitung. Zum Portfolio gehören etwa Laserschneidsyteme, Abkantpressen oder Automations- und Softwarelösungen.

Der Schritt kommt zwar unerwartet, aber dennoch nicht gänzlich überraschend. Mit der Veräusserung des Automationsgeschäfts, der Abspaltung des Immobilienportfolios sowie dem Verkauf des Segments Glasbearbeitung wurde das Portfolio schon in den Jahren zuvor deutlich entschlackt. Conzzeta sieht die Fokussierung als «nächsten logischen Schritt» hin zu einem technologieorientierten Industrieunternehmen.

Die breite Aufstellung von Conzzeta war für verschiedene Investoren bisher ein Grund, die Aktien zu meiden, da sie ein fokussiertes Geschäftsmodell bevorzugen. Die über einen Aktionärsbindungsvertrag verbundenen Haupteigentümer der Familien Auer, Schmidheiny, Spoerry, Byland und weitere begründeten die Strategie ursprünglich mit der Absicht nach einem Ausgleich der verschiedenen konjunkturellen Zyklen. «Das gilt nun nicht mehr», erklärte Bärtschi. «Allerdings gibt es innerhalb der Sparte Bystronic durch den Ausbau des Servicegeschäfts genügend Ausgleichselemente.»

Käufer sucht Conzzeta also für das Schaumstoffgeschäft (FoamPartner) und das Geschäft mit grafischen Beschichtungen (Schmid Rhyner) sowie für die Outdoor-Sparte mit der Marke Mammut. Für letztere hat Conzzeta 2016 ein über fünf Jahr angelegtes Restrukturierungsprogramm aufgegleist, mit welchem das Geschäft zurück in die Gewinnzone gebracht wurde. Der geografische Fokus wurde dabei auf die kaufkräftigen asiatischen sowie die nordamerikanischen Märkte gelegt.

Mammut könnte ins Ausland gehen

Offenbar ist die Einsicht gereift, dass Mammut nicht über genügend Marketingpower verfügt, um sich in diesen Märken zu etablieren. Mammut erzielte 2018 mit knapp 900 Mitarbeitenden einen Umsatz von gut 250 Millionen Franken. Conzzeta sucht nun einen Besitzer mit den Voraussetzungen, «das Potential von Mammut in absehbarer Zeit zu realisieren». Dies könnte auch ein ausländisches Unternehmen sein, bestätigte Bärtschi im Gespräch mit AWP.

Die verschiedenen Devestitionen sollen «je nach Marktlage» bis Ende 2020 über die Bühne gehen. Über die Erwartungen hinsichtlich der Höhe der Einnahmen aus den verschiedenen Verkäufen mochte Bärtschi nicht spekulieren. Die Helvetische Bank, welche die strategische Neuausrichtung als «radikal und auch mutig» bezeichnete, schätzt die Einnahmen aufgrund der Unternehmenswerte auf rund 600 Millionen Franken, «oder auch etwas mehr». Da kein Goodwill in den Büchern von Conzzeta stehe, sei von einem wesentlichen Buchgewinn auszugehen.

Verwenden will das Unternehmen die Mittel einerseits für den Ausbau von Bystronic, inklusive Akquisitionen, andererseits sollen die Aktionäre daran teilhaben. Von der Börse kommt mit einem Plus der Aktie von rund 7 Prozent Applaus. In der Startphase haben die Aktien gar zweitweise mehr als 15 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag gelegen.

SDA/sep

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