Uber setzt auf E-Bikes statt Autos

Der Fahrdienstvermittler peilt eine strategische Neuausrichtung an. Mit dem stationslosen Veloverleih Jump will man auch nach Europa expandieren.

Damit will Uber in den kommenden Jahr durchstarten: E-Bike der Tochterfirma Jump, die auch nach Europa expandieren soll (die Aufnahme stammt aus San Francisco).

Damit will Uber in den kommenden Jahr durchstarten: E-Bike der Tochterfirma Jump, die auch nach Europa expandieren soll (die Aufnahme stammt aus San Francisco). Bild: David Paul Morris (Bloomberg/Getty Images)

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Nicht das Auto soll im Zentrum von Ubers längerfristiger Expansionsstrategie stehen, sondern vielmehr Elektrofahrräder und -roller. Individuelle Transportmittel auf zwei Rädern seien für den innerstädtischen Verkehr besser geeignet, sagte der Chef des US-Fahrdienstvermittlers, Dara Khosrowshahi, in einem Interview mit der britischen «Financial Times». Und er fügte hinzu: «In den Hauptverkehrszeiten ist es höchst ineffizient, eine Person mit einem 1-tönnigen Metallkoloss um zehn Blocks zu befördern.»

Die Ankündigung des seit gut einem Jahr amtierenden Uber-Chefs kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Erst kürzlich hat die Stadt New York ihre Absicht bekundet, zumindest vorübergehend die Zahl der Lizenzen für Fahrer, die über Apps von Uber und anderen Unternehmen Mitfahrgelegenheiten anbieten, zu deckeln. Dies vor allem deshalb, weil sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht hat. Andere Grossstädte wie Paris oder London überlegen sich ähnliche Massnahmen oder haben sie bereits umgesetzt.

Den Chinesen Paroli bieten

Die strategische Neuausrichtung von Uber von den vierrädrigen hin zu den zweirädrigen Vehikeln kommt nicht völlig überraschend. Im April hat das in San Francisco ansässige Unternehmen den New Yorker Fahrradverleiher Jump für geschätzte rund 200 Millionen Dollar übernommen. Dies im Bestreben, dessen Geschäft eines App-basierten stationslosen Veloverleihs über Nordamerika hinaus nach Europa zu expandieren. Als erste europäische Stadt ist Berlin vorgesehen, bisher beschränkte sich Jump auf acht US-Grossstädte einschliesslich New York und Washington. Mit diesem Vorstoss will Uber vor allem chinesischen Expansionsgelüsten Paroli bieten. Aufgeschreckt wurden Khosrowshahi & Co. im vergangenen Herbst, als der grosse chinesische Veloverleiher Mobike ein entsprechendes Geschäft in den USA aufzuziehen begann.

Im Hause Uber hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass elektrobetriebene Fahrräder eine weitaus existenzgefährdendere Konkurrenz darstellen als jeder weitere Mitbewerber im Geschäft mit Automitfahrgelegenheiten. Gemäss firmeneigenen Erhebungen entspricht der mit einem Fahrrad von Jump zurückgelegte Weg von durchschnittlich 2,6 Meilen in San Francisco in etwa der Durchschnittsstrecke einer Uber-Autofahrt in dieser Stadt. Für solche Distanzen sind Zweiräder in den chronisch verstopften Innenstädten nicht nur das kostengünstigere, sondern meist auch das schnellere Verkehrsmittel.

Weniger Einnahmen, aber häufigere App-Nutzung

Wie Khosrowshahi durchblicken lässt, ist die stärkere Fokussierung von Uber auf Velos kurzfristig mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Abgesehen von den erforderlichen Investitionen zur grenzüberschreitenden Ausbreitung von Jump, fallen für Uber beim Fahrradverleih via App geringere Einnahmen ab als bei einer gleichermassen gebuchten Autofahrt für dieselbe Wegstrecke. Dies betrifft ein Unternehmen, das im letzten Jahr einen Verlust von 4,5 Milliarden Dollar auswies und in absehbarer Zeit den Gang an die Börse plant. «In finanzieller Hinsicht mag dies kurzfristig kein Gewinn für uns sein, aber langfristig entspricht dies genau dem, wo wir strategisch hinsteuern wollen», sagte der Uber-Chef in dem erwähnten Zeitungsinterview. Profitieren, so ergänzte er, würden auf alle Fälle die Innenstädte.

Sollten die Nutzer der Uber-App verstärkt von Autos auf Velos umsatteln, würde dies natürlich auch den Uber-Fahrern Einnahmenverluste bescheren. Ihnen stellte Khosrowshahi in Aussicht, dass sie dafür vermehrt in den Genuss lukrativerer längerer Fahrten kämen und weniger in Staus stecken blieben. Für Uber selber machte der Chef eine andere Rechnung auf: Er hofft, die erwarteten Einnahmenrückgänge dadurch wettzumachen, dass die Kunden für häufigere kürzere Fahrten mit den E-Bikes entsprechend öfter die App nutzen. In San Francisco will das Unternehmen ein solches Kundenverhalten bereits beobachtet haben.


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Um das Ja zum Bundebeschluss Velo zu unterstützen, ist Bundesrätin Doris Leuthard am Montagmorgen in Olten Velo gefahren. Der Veloartikel kommt am 23. September an die Urne. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2018, 19:01 Uhr

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