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Uber statt U-Bahn

In New York zeigt sich: Carsharing macht den Verkehr nicht effizienter, sondern verstopft die Strassen noch mehr.

New York schränkt das Carsharing ein. Ein Jahr lang erteilt die Stadt keine neuen Lizenzen. Foto: Justin Lane (Keystone)
New York schränkt das Carsharing ein. Ein Jahr lang erteilt die Stadt keine neuen Lizenzen. Foto: Justin Lane (Keystone)

Das Versprechen klingt verlockend: Künftig werden wir 90 Prozent weniger Autos brauchen und trotzdem ständig unterwegs sein. Sparsamkeit ohne Verzicht. Ermöglichen wollen dies Car-Sharing-Anbieter wie Uber oder Lyft. Bald, so versichern sie, werden sich die Menschen in Roboterautos herumchauffieren lassen. Diese teilen sie mit anderen. Ein eigenes Fahrzeug brauche niemand mehr.

Klingt irgendwie logisch. Aber das Effizienzversprechen erweist sich immer mehr als leere Propaganda.

Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Uber und Co. auf amerikanische Grossstädte untersucht. Den Firmen läufts grossartig. In New York haben sie über 60'000 Autos im Einsatz. Zwischen 2013 und 2017 sorgten diese für eineinhalb Milliarden zusätzlich zurückgelegte Autokilometer. Umgekehrt sind nicht mindestens gleich viele Privatautos von der Strasse verschwunden, wie es das Effizienzversprechen erfordern würde. Das Gegenteil geschehe, schreibt der Verkehrsforscher Bruce Schaller.

Man kann auch nicht behaupten, dass der Autoboom wegen des Bevölkerungswachstums sowieso stattgefunden hätte. Gemäss Umfragen sind die Hälfte aller New Yorker Carsharing-Kunden vorher mit dem öffentlichen Verkehr gefahren. Uber statt U-Bahn. So war das kaum gemeint. Dieser Effekt könnte sich verstärken, falls die Automatisierung das Car-sharing günstiger macht. Dann würden wohl noch mehr Leute vom Bus ins Robotermobil umsteigen.

Autobesitz nimmt zu

Das Effizienzversprechen scheitert an weiteren Punkten. Die Vorhersage, dass die Menschen Carsharing-Taxis gerne mit anderen teilen, hat sich bisher nicht bestätigt. Ebenso nicht, dass solche Fahrzeuge immer belegt sind. Momentan kurven sie in New York zu 40 Prozent der Fahrzeit ohne Gäste herum. Zudem verzichten viele Menschen nicht auf ein eigenes Auto, nur weil sie «ubern». So hat in den USA der Autobesitz überproportional zugenommen – trotz Uber-Boom. Offenbar spielt hier das gleiche Gesetz wie bei neuen Strassen: Verbessert sich das Angebot, wird mehr gefahren.

Auf den Strassen New Yorks stauen sich heute mehr Autos denn je. Die Carsharing-Firmen tragen viel dazu bei. Das will New York ändern. Als erste Stadt hat sie letzte Woche die Anzahl der Carsharing-Angebote eingeschränkt. Vorerst ein Jahr lang erteilen die Behörden keine neuen Lizenzen. Ausserdem müssen Uber und Konkurrenten ihren Chauffeuren künftig den Mindestlohn bezahlen.

Kritiker sagen, dass sich dadurch die Versorgung mit Taxis verschlechtere, vor allem in Randquartieren. Könnte sein. Doch der Entscheid ist richtig. Es gibt einen besseren Weg, um in Städten eine rasche Fortbewegung für alle zu schaffen. Man kennt diesen Trick schon lange. Er klingt ein wenig altmodisch. Milliarden-Dollar-Start-ups darf man in diesem Bereich keine erwarten. Aber laut Experten wirkt er weiterhin am besten.

Der Trick heisst öffentlicher Verkehr. Man muss ihn nur bezahlen wollen.

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