UBS-Aktionäre ergreifen die Flucht

Die Dividendenpapiere der Grossbank knickten gestern um 4 Prozent ein. Auch heute starten sie schwach. Grund dürfte das anstehende Urteil des Bundesgerichts sein.

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Das mit Spannung erwartete Urteil des Bundesgerichts betreffend Auslieferung von UBS-Kundendaten an Frankreich liegt den Börsianern offenbar schwer auf dem Magen. Die Bundesrichter werden ihren Entscheid morgen Freitag bekannt geben, die Aktionäre der Grossbank haben aber schon gestern vorsorglich die Flucht ergriffen. Die UBS-Aktie verlor am gestrigen Handelstag happige 4 Prozent an Wert. Sie bildet im Swiss-Market-Index, dem Börsenbarometer der wichtigsten Schweizer Aktien, das Schlusslicht und weist als einziges Papier einen negativen Kursverlauf seit Jahresbeginn auf (–4,9 Prozent).

In den letzten Tagen ging es abwärts: Kursverlauf der UBS-Aktie.

Der Urteilsspruch des Bundesgerichts könnte in der Tat gravierende Auswirkungen auf die grösste Schweizer Bank haben. Zur letztinstanzlichen Beurteilung steht die Frage, ob die Schweiz dem französischen Begehren nach Auslieferung von rund 45'000 UBS-Kundendaten entsprechen muss oder nicht. Sollten die Bundesrichter dem Amtshilfegesuch aus Paris stattgeben – und damit das vorgängige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts umstossen –, müsste die UBS in ihrem laufenden Verfahren in Frankreich wegen Beihilfe zur Steuerumgehung einen empfindlichen Rückschlag befürchten.

In einem erstinanzlichen Urteil wurde die Schweizer Bank zu einer Busse von umgerechnet 5 Milliarden Franken verdonnert. Sie hat sich entschlossen, das Urteil weiterzuziehen und für einen Freispruch zu kämpfen. Da kämen für die Staatsanwälte in Paris die von der Schweiz gelieferten Daten französischer UBS-Kunden, die mutmasslich Gelder vor dem französischen Fiskus versteckt haben, wie gerufen. Wären sie doch willkommene «Munition» in ihrer Beweisführung, dass die UBS ihrer Klientel systematisch bei der Steuerumgehung behilflich gewesen sei.

Rechtlich wäre ein solches Vorgehen zwar nicht zulässig, weil es in Widerspruch zum sogenannten Spezialitätenprinzip steht. Dieses besagt, dass die ausgelieferten UBS-Daten einzig und allein zur Verfolgung von Steuersündern in Frankreich genutzt werden dürfen. Die UBS erwartet indes unmittelbare Nachteile für ihren Revisionsprozess. Sie verweist dabei auf frühere Erfahrungen, wonach Frankreich aus anderen Amtshilfegesuchen erhaltene Daten bereits unzulässigerweise gegen die Grossbank verwendet habe.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich die anhaltende Nervosität der Anleger. Einzelne Analystenstimmen empfehlen deshalb eine Umschichtung von UBS-Aktien in solche der Credit Suisse. Auch zum heutigen Start in den Handel tendierten die Papiere der UBS schwächer.

Erstellt: 25.07.2019, 10:49 Uhr

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