Unmut über UBS-Vorschläge

Die Bank präsentiert pikante Vorschläge für ältere Mitarbeiter. Das kommt bei einigen schlecht an.

Angestellte, die über 50 Jahre alt sind, werden seltener entlassen. Bei der Stellensuche haben sie es aber schwerer. Foto: Gallery Stock

Angestellte, die über 50 Jahre alt sind, werden seltener entlassen. Bei der Stellensuche haben sie es aber schwerer. Foto: Gallery Stock

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Ältere Beschäftigte haben bei Banken und Versicherern einen schweren Stand. Diese Arbeitgeber zeigen im Branchenvergleich eine geringe Bereitschaft zur Beschäftigung über 50-Jähriger, wie das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich letzten Herbst in einer Studie ermittelt hat. Um so bemerkenswerter, dass Ökonomen der UBS die Problematik aufgegriffen und gestern Ideen zu deren Entschärfung präsentiert haben.

Verwiesen wird dabei zum einen auf das Konzept der «Regenbogen-Karriere»: Dass Beschäftigte ab der Mitte ihres Erwerbslebens Lohneinbussen tolerieren – parallel zu einer schrittweisen ­Reduktion bei Führungsverantwortung und Anforderungsprofil. Zum andern schlagen die UBS-Experten vertragliche Vereinbarungen über den Bruttolohn statt über den Nettolohn vor. Dadurch würden die bei älteren Beschäftigten ­höheren Lohnnebenkosten in stärkerem Umfang als bisher von diesen getragen.

Bei Arbeitnehmervertretern stiessen die Ideen auf wenig Anklang. Der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Daniel Lampart, hielt dem Regenbogenkonzept entgegen, dass Arbeitspensen für über 50-Jährige vielerorts schon gekürzt ­würden. Falsch sei aber die implizit zugrunde liegende Annahme, die Löhne von Älteren würden weiter steigen. ­«Tatsache ist, dass ab 50 bis 55 Jahren die Löhne kaum mehr zunehmen», sagte Lampart.

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Karin Oberlin, Leiterin Beruf und Beratung beim Kaufmännischen Verband Schweiz, warnte vor einer Pauschali­sierung des Bogenkonzepts ab einem gewissen Alter: Nicht dieses sei ausschlaggebend, sondern die Frage, ob die Person am richtigen Ort sei. Angestellte mit langer Betriebszugehörigkeit ohne Weiterentwicklung seien besonders ge­fährdet, die Anforderungen an die Stelle nicht mehr zu erfüllen.

Anders die Sicht von Fredy Greuter, Sprecher des Schweizerischen Arbeitgeberverbands: Die Regenbogen-Karriere sei als Teil der Bemühungen zu sehen, «mehrere valable Karrieremodelle und -optionen» zu entwickeln und wegzukommen von der «bisherigen Laufbahnplanung, die den Gipfel mit 65 anpeilt».

Für Denise Chervet, Geschäftsführerin des Schweizerischen Bankpersonalverbands, lässt sich die Lage der Ü-50-Beschäftigten letztlich nur auf Branchenebene, nicht aber durch einzelne Institute verbessern. «Doch gegen eine Stärkung des Gesamtarbeitsvertrags sträuben sich die Arbeitgeber beharrlich.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2017, 22:28 Uhr

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