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UBS-Ermotti witzelt über Nachfolge-Debatte und sendet ersten Tweet

Mässige Resultate lassen heute die Aktie der Grossbank absacken. Der Chef nimmt Stellung und schreibt erstmals auf Twitter.

Änderungen an der Spitze der Bank seien «Jahre entfernt»: UBS-Chef Sergio Ermotti (Bild: 2018).
Änderungen an der Spitze der Bank seien «Jahre entfernt»: UBS-Chef Sergio Ermotti (Bild: 2018).
Ennio Leanza, Keystone

Die UBS hat heute ihre Ergebnisse präsentiert. Im Rahmen einer Medienkonferenz hat UBS-Chef Sergio Ermotti sich auch zu Gerüchten um seine Nachfolge geäussert. Er fände die Storys dazu unterhaltsam. Es sei eine Mischung daraus, seinen eigenen Nachruf zu lesen – und in einigen Fällen sei es wie bei einer Mücke mitten im Sommer. «Es ist etwas, was man gerne loswerden möchte», so der UBS-Chef.

Zuletzt hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der UBS-Verwaltungsrat die Aktivitäten erhöht habe, einen Nachfolger für Ermotti zu finden. Der Name Christian Meissner fiel. Meissner ist Österreicher und hatte vor Weihnachten seinen Job als Chef der Investmentbank der Bank of America aufgegeben. Auch Martin Blessing, Co-Chef des Wealth Management bei der UBS, gilt als heisser Kandidat auf den Chefstuhl.

«Ich bin nicht unsterblich»

Man habe einen Prozess installiert, um intern und extern nach Talenten Umschau zu halten, erklärte Ermotti an der heutigen Pressekonferenz. «Ich habe diesen Prozess bereits im November 2011 angefangen, als ich zum Chef ernannt wurde», so Ermotti. «Das ist Teil meines Jobs und desjenigen von Verwaltungsratspräsident Axel Weber, diese Dinge konstant anzuschauen.»

Und er fügte hinzu: «Ich bin nicht unsterblich, also wird eines Tages jemand über meine Nachfolge bestimmen müssen.» Jegliche Art von Veränderung sei aber «Jahre entfernt».

Heute hat Ermotti zudem zum ersten Mal über einen neuen Kanal kommuniziert: Er hat seinen eigenen Twitter-Account in Betrieb genommen. Darauf schreibt er – inklusive Emoji und Hashtag #meinersterTweet –, er werde auf diesem Kanal künftig seine Ansichten teilen. «Allerdings nicht alle, keine Sorge», so der Bankenchef.

Schwieriges viertes Quartal

Die UBS hatte heute Zahlen bekannt gegeben. Die Grossbank hat im vierten Quartal weniger verdient als von Börsenexperten erwartet. Unter dem Strich erzielte die Bank, die ihre Geschäftszahlen neuerdings in US-Dollar rapportiert, einen Gewinn von 696 Millionen US-Dollar. Im Gesamtjahr 2018 waren es 4,90 Milliarden. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr.

2017 hatte die Grossbank einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken gemacht. Die Jahresbilanz getrübt hatten vor allem die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Diese hatte die Bank dazu veranlasst, einen Abschreiber in Höhe von 2,9 Milliarden Franken durchzuführen.

Nach der Ankündigung des Quartalsberichts sackte die UBS-Aktie an der Börse ab. (Bild: Screenshot Finanz und Wirtschaft)
Nach der Ankündigung des Quartalsberichts sackte die UBS-Aktie an der Börse ab. (Bild: Screenshot Finanz und Wirtschaft)

Die Aktie startete klar im Minus. Gegen 10.30 Uhr lag diese bei –4 Prozent.

Gegenüber den Medien sagte Ermotti, das vierte Quartal sei anspruchsvoll gewesen, aber es zähle das Endergebnis: «Wir hatten eine robuste Performance», so der CEO.

Erhöhte Dividende

Die Aktionäre sollen am verbesserten Ergebnis in Form einer von 65 Rappen auf 70 Rappen erhöhten Dividende teilhaben, teilte die grösste Schweizer Bank mit. Zusätzlich plant die Grossbank im Rahmen ihres laufenden Rückkaufprogramms im laufenden Jahr Titel im Volumen von 1 Milliarde US-Dollar zu erwerben. 2018 wurden Rückkäufe in Höhe von 750 Millionen Franken getätigt.

Auf rapportierter Basis verdiente die UBS vor Steuern 862 Millionen US-Dollar und schliesst damit nur knapp besser ab als in der Vorjahresperiode (845 Millionen). Die Erwartungen des Marktes wurden damit nicht erfüllt: Der AWP-Konsens für den Reingewinn lag bei 751 Millionen, derjenige für den Vorsteuergewinn bei 960 Millionen Dollar.

Abfluss von Kundengeldern im Schlussquartal

Von besonderer Bedeutung sind für den grössten Vermögensverwalter der Welt die Neugelder von Kunden. Nach einem Zufluss von 13,8 Milliarden Dollar im dritten Quartal musste die Bank im Schlussquartal eine Abfluss im Umfang von 7,9 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Im Gesamtjahr wurden der Bank von ihren Kunden netto insgesamt 24,7 Milliarden neu anvertraut.

Unter anderem haben Kunden – vor allem im asiatischen Raum – Schulden abgebaut. Ein weiterer Grund war laut UBS, dass einige grössere Kunden – sogenannte Family Offices – die UBS verliessen. Die Bank zeigte sich aber nicht beunruhigt deswegen. Das sei normal in diesem Geschäft, hiess es an einer Veranstaltung für Journalisten. Die verwalteten Vermögen beliefen sich per Ende Jahr noch auf 3101 Milliarden US-Dollar und waren damit rund 230 Milliarden tiefer als Ende September.

Investment Bank verdient nur noch wenig

Auch die UBS Investment Bank litt stark unter den Börsenverwerfungen. Zwar wirkt sich die erhöhte Volatilität auf gewisse Bereiche, etwa Devisen, positiv aus, die meisten (Aktien, strukturierte Produkte etc.) leiden allerdings stark unter sinkenden Kundenaktivitäten. Der Vorsteuergewinn fiel denn auch um 84 Prozent auf noch bescheidene 26 Millionen US-Dollar, auf rapportierter Basis resultierte gar ein Verlust von 47 Millionen.

Das Schweizer Kerngeschäft (P&C Banking) hatte ebenfalls zu kämpfen. Geringere (transaktionsbasierte) Erträge und höhere Wertberichtigungen für Kreditrisiken drückten laut UBS auf den Ertrag, währen die Ausgaben weitgehend unverändert blieben. Der (bereinigte) Vorsteuergewinn im vierten Quartal fiel entsprechend zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 373 Millionen Franken.

Handelskonflikte belasten weiter

Für die nächsten Quartale gibt sich die grösste Schweizer Bank angesichts der Unsicherheiten vorsichtig. Die gedrückte Stimmung dürfte die Kundenaktivität weiter belasten. Mangelnde Fortschritte bei der Beilegung von geopolitischen Spannungen, erhöhter Protektionismus sowie Handelskonflikte, die neben erhöhter Volatilität die Stimmung und das Vertrauen der Anleger in der zweiten Jahreshälfte und insbesondere im vierten Quartal 2018 beeinflusst haben, dürften sich auch im ersten Quartal 2019 auf die Kundenaktivität auswirken, schreibt die UBS.

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