Über 50 – aber fit für die Zukunft

Ältere Angestellte sollten ihre Interessen proaktiv verteidigen.

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Arbeit ist mein Lebenselixier, und ich danke Adam und Eva, dass sie uns einst aus dem Paradies des Müssiggangs verbannt haben. Gerne bin ich persönlich bereit, länger als vorgesehen Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen.

So geht es vielen. Das ist nicht das Problem unserer Altersversorgung. Die Lebenserwartung steigt, es müssen mehr Renten finanziert werden, und dies von immer weniger Beitragszahlern. Nun hat es zum ersten Mal seit zwanzig Jahren eine Vorlage zur Reformierung der Altersvorsorge vors Volk geschafft – im September wird abgestimmt.Dabei liegt ein Hauptproblem der Altersversorgung nicht im Renten- und AHV-System, sondern bei der zunehmenden Tendenz, Mitarbeitenden über 50 entweder zu kündigen oder sie gar nicht mehr anzustellen. Digitalisierung, der Umgang mit neuen Technologien, schnelle Kommunikation, Business English und die rasche Anpassung an neue Anforderungen und Teamkonstellationen erfordern Eigenschaften, welche eher den jüngeren Generationen zugeschrieben werden. Da ziehen ältere Arbeitnehmer trotz ihrer Erfahrung und Loyalität meistens den Kürzeren.

Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels haben insbesondere KMU eigentlich aber auch ein zwingendes Interesse daran, Mitarbeitende so lange wie möglich zu halten. Für über 50-jährige Bewerber besteht dennoch kaum Aussicht auf eine neue Stelle.

Wer eine Chance haben will, braucht Energie und Durchschlagskraft und muss neben der Erfahrung und der Spezialisierung in einem bestimmten Gebiet auch die Fähigkeit besitzen, sich rasch an neue Gegebenheiten anzupassen. Dazu gehört auch, sich in eine neuartige Unternehmenskultur einzufügen.

Körperlich und geistig dynamisch

Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung einer mit dem Charakter des Vorgesetzten «kompatiblen» Persönlichkeit. Klassisches Beispiel ist die Anpassung an einen fusionsbedingten neuen CEO chinesischen oder asiatischen Ursprungs. Die gelingt lange nicht allen. Die von einem patriarchalischen Führungsstil mit Belohnungssystem geprägte asiatische Unternehmenskultur verlangt von den Mitarbeitenden Disziplin, Flexibilität und Fingerspitzengefühl.Derlei Schwierigkeiten haben viele Schweizer, und sie haben sie auch – dies sei nicht unterschlagen – mit französischen und deutschen Vorgesetzten. Die Schweizer Mentalität der kooperativen Führung widerspricht der zentralistischen Führung, wie sie in Paris, Frankfurt oder Berlin häufig anzutreffen ist. Aber auch mancher Schweizer CEO verlangt seinen Mitarbeitenden einiges an Nerven und Geschick ab.

Nicht zuletzt ist gerade in diesem Alter eine gute physische und intellektuelle Verfassung von grosser Wichtigkeit. Nur körperlich und geistig dynamisch Gebliebene können mit der gewaltigen Geschwindigkeit der heutigen Wirtschaftswelt mithalten.

Mitarbeitende im Alter zwischen 50 und 65 Jahren wirken einer potenziellen Kündigung teilweise präventiv mit einer freiwilligen Lohnanpassung nach unten entgegen. Dabei realisieren sie nicht, dass sie dadurch ihren Wert selber herabsetzen. Klüger wäre es, eine von langer Hand – lange vor der Kündigung! – und professionell geplante Angriffsstrategie in die Wege zu leiten. Empfehlenswert ist auch, sich einen professionellen und gut vernetzten Partner zur Seite zu nehmen, um gemeinsam die geeignete Push-Strategie zu entwickeln.

Wer hocherhobenen Hauptes an einem schönen Frühlingstag aus eigener Initiative das Unternehmen verlassen will, muss sich ins Zeug legen.

Beispiele aus der Praxis, Seite 8

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2017, 23:47 Uhr

Thomas O. Bayer

Der unabhängige Unternehmensberater leitet die Bayerplus Consulting in Küsnacht.

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