Überraschender Wechsel bei der UBS

UBS-Investmentbankchef Andrea Orcel wird Boss der spanischen Grossbank Santander. Sein frei werdender Posten wird aufgeteilt.

Andrea Orcel, der bisherige Chef der UBS-Investmentbank, wird neuer Chef der spanischen Grossbank Santander. (AFP/Justin Tallis)

Andrea Orcel, der bisherige Chef der UBS-Investmentbank, wird neuer Chef der spanischen Grossbank Santander. (AFP/Justin Tallis)

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Bei der UBS kommt es zu einem Wechsel an der Spitze der Investmentbank: Andrea Orcel ist zum neuen Chef der spanischen Grossbank Santander berufen worden.

Der Italiener werde den bisherigen Konzernleiter Jose Antonio Alvarez ablösen, teilte Santander am Dienstag mit. Die UBS hatte Orcel 2012 von der Bank of America Merrill Lynch abgeworben, um die Investmentbank nach dem Milliardendebakel des Händlers Kweku Adoboli in London wieder in die Spur zu bringen.

Zunächst stellte die UBS Orcel dem Investmentbank-Chef Carsten Kengeter als Co-Steuermann zur Seite. Kengeter hatte als Chef des Investmentbankings den Milliardenverlust durch die illegalen Aktivitäten des Händlers Adoboli zu verantworten.

Der frühere UBS-Chef Oswald Grübel nahm infolge des Londoner Skandals den Hut. Nachdem Aktionäre auch den Rücktritt Kengeters gefordert hatten, wurde dieser einige Monate später abgesetzt und aus der Konzernleitung verbannt.

Rosskur umgesetzt

Orcel übernahm im Oktober 2012 alleine das Ruder. Gleichzeitig kündigte die Grossbank an, das Investmentbanking massiv zurückzustutzen und 10'000 Stellen zu streichen, ein Viertel davon in der Schweiz. So schloss die UBS beispielsweise den Handel mit komplexen Produkten auf eigene Rechnung, also jene Sparte, die in der Finanzkrise 2007/2008 die Grossbank mit Milliardenabschreibern an den Rand des Untergangs gebracht hatte.

Unter Orcel habe die Investmentbank einen kulturellen Wandel durchlaufen, schrieb die UBS ihrerseits am Dienstag in einem Communiqué. Er habe erfolgreich die Umsetzung des Geschäftsmodells mit geringeren Kapitalanforderungen vollzogen. Zudem habe er ein erstklassiges Ergebnis vor Steuern und eine Top-Eigenkapitalrendite erzielt. Dies sei mit konsequenter Kosten- und Ressourcendisziplin erreicht worden.

Glückwünsche von Ermotti

UBS-Chef Sergio Ermotti beglückwünschte Orcel zu seinem neuen Amt: «Ich möchte Andrea persönlich für die hervorragende Arbeit danken, die er bei der UBS geleistet hat. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet; und ich gratuliere ihm sowohl als Freund als auch beruflich zu seiner neuen Aufgabe und wünsche ihm alles Gute.»

Der Chefwechsel bei Santander kommt überraschend. Alvarez werde künftig die Führung bei Santander Spanien übernehmen, hiess es weiter. Er war seit Januar 2015 Chef des Gesamtkonzerns.

Orcel sei mit der Strategie und der Kultur von Santander vertraut, sagte deren Aufsichtsratschefin Ana Botin. Er war vor seiner Karriere bei der UBS für die Bank of America Merrill Lynch tätig, die - ebenso wie die UBS - die spanische Bank beraten hat. «Andrea hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eng mit uns zusammengearbeitet in der Entwicklung und Umsetzung unserer Strategie. Er versteht die Kultur von Santander und stimmt damit überein», sagte Botin.

Leitung aufgeteilt

Nun teilt die UBS den Chefposten bei der Investmentbank auf: Ab dem 1. Oktober würden Piero Novelli und Robert Karofsky die Leitung der Sparte übernehmen. Dabei werde sich Novelli vor allem um die Firmenkunden kümmern, während Karofsky sich auf die Investorenkunden konzentriere.

Novelli kehrte 2013 zur UBS zurück, für die er bereits von 2004 bis 2009 als Verantwortlicher für Fusionen und Akquisitionen gearbeitet hatte. Dazwischen war er für die japanische Bank Nomura tätig. Derzeit ist Novelli bei der UBS für die Firmenkunden verantwortlich.

Robert Karofsky kam 2014 zur UBS, wo er gegenwärtig der globale Leiter des Aktienhandels ist. Zuvor hatte er den Aktienhandel bei AllianceBernstein geführt. Er begann seine Karriere bei Morgan Stanley und wechselte 2005 zur Deutschen Bank. (anf/sda)

Erstellt: 25.09.2018, 19:26 Uhr

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