Umbau bei Postfinance trifft über 400 Mitarbeiter

Die Finanztochter der Post schliesst Callcenter und verkleinert Filialen. Die Eckpunkte des Abbaus.

Filialnetz vor Kürzung: Postfinance will Kundenzonen an 27 Standorten schliessen.

Filialnetz vor Kürzung: Postfinance will Kundenzonen an 27 Standorten schliessen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Abbaugerüchte gab es schon seit Wochen, nun liegen die Fakten auf dem Tisch: Die Postfinance plant einen umfassenden Umbau. Davon sind über 400 Stellen betroffen, das sind mehr als 10 Prozent des Personalbestands von zuletzt 4000. Es wird auch Kündigungen geben.

Ein Postfinance-Sprecher bestätigte die Eckpunkte des Umbau-Plans, über den der «Blick» berichtet hatte. «Ab heute starten dazu die Konsultationen mit den Mitarbeiter-Vertretern», so Sprecher Johannes Möri.

Der Plan umfasst vier Punkte: Automatisierung von Prozessen, Schliessung von Callcentern, Verlegung der Belegbearbeitung zur Swiss Post Solutions sowie Kürzungen im Filialnetz.

45 Jobs werden im Backoffice gestrichen

Beim Punkt «Automatisierung» geht es unter anderem darum, dass Postfinance ihren Kunden Belege wie Kontoauszüge nicht mehr per Post, sondern elektronisch in das E-Banking-Fach zustellen will. 1000 Mitarbeiter arbeiten derzeit in diesem Bereich. Hier will Postfinance den Angaben zufolge 45 Stellen einsparen. «Kündigungen sollen durch natürliche Fluktuation vermieden werden», erklärt Möri.

Punkt zwei des Umbauplans hat zum Ziel, Geld zu sparen durch die Reduzierung von Büroflächen. «Wir haben rund 12’000 Quadratmeter Flächen zu viel, das entspricht rund 1000 Büro-Arbeitsplätzen», so der Postfinance-Sprecher.

Konkret sollen die Callcenter in Kriens LU und Münchenstein BS zu Ende Juni 2018 geschlossen werden. Die Mitarbeiter bekommen einen Job im Callcenter in Zofingen AG angeboten. Rund 200 Mitarbeiter sind von dieser Massnahme betroffen und bekommen eine Änderungskündigung. Die neue Arbeitsstelle läge weniger als eine Stunde vom alten Standort entfernt, heisst es von Postfinance. Demnach wäre diese Versetzung zumutbar. Wenn ein Mitarbeiter die Versetzung nicht akzeptiert, so habe Postfinance das Recht, den Betreffenden fristgerecht zu kündigen, sagt der Postfinance-Sprecher.

Auch das Callcenter am Standort St. Gallen wird dichtgemacht und verschoben. Hier arbeiten bisher rund 58 Beschäftigte. «Ihnen wird ein Job in unserem Kontaktcenter in Netstal angeboten», so Sprecher Möri. Doch dieser Arbeitsort im Glarus liegt über eine Stunde vom alten Standort entfernt. Sollten Mitarbeiter mit ihrer Versetzung nicht einverstanden sein, haben sie das Recht, in einen Sozialplan aufgenommen zu werden, bei denen ihnen zum Beispiel eine Weiterbildung angeboten wird.

Umstrittene Auslagerung der Belegbearbeitung

Der dritte Punkt des Umbauplans betrifft die Belegverarbeitung - also jenen Bereich, der per Post eingesandte Zahlungsaufträge bearbeitet. Dort arbeiten derzeit 120 Postfinance-Leute. «Sie sollen zur Post-Tochter Swiss Post Solutions übertragen werden», sagt Möri. Die ersten zwölf Monate würden sie zu denselben Konditionen weiter beschäftigt. Danach seien Einbussen möglich.

Der vierte und letzte Punkt des Plans betrifft das Filialnetz der Postfinance. Von den 42 eigenen Filialen sollen bei 27 die Kundenzone geschlossen werden, in denen die Laufkundschaft einfache Bank-Aufträge abgeben kann. Der Grund: Kunden nutzen verstärkt digitale Kanäle, um ihre Bank-Geschäfte abzuwickeln. Wie viele Mitarbeiter hiervon betroffen sind, sei noch unklar. «Es wird hier aber keine Kündigungen geben», sagt Postfinance-Sprecher Möri.

Er machte keine Angaben dazu, wie viel Postfinance mit diesem Plan einsparen will. «Das ist kein Sparplan, sondern ein Transformationsprogramm», sagt Möri. Die eingesparten Gelder will Postfinance reinvestieren in Wachstumsbereiche, wie zum Beispiel das Anlagegeschäft.

Der Plan kommt nicht überraschend. Schon Anfang Monat hatte Postfinance-Chef Hansruedi Köng in der «SonntagsZeitung» Sparpläne angekündigt. «Ich gehe davon aus, dass aufgrund des digitalen Wandels bis ins Jahr 2020 gewisse Aufgaben wegfallen werden», hatte er gesagt. «Ich kann Entlassungen nicht ausschliessen.»

Negativzinsen nagen am Ergebnis

Postfinance galt lange als der Goldesel der Schweizerischen Post. Doch auch für die Finanztochter des gelben Riesen sind die Zeiten härter geworden. So nagen die Negativ-Zinsen am Zinsergebnis der Bank - der wichtigsten Einnahmequelle. Laut Köng schmilzt der Zinserfolg jedes Jahr um 60 bis 80 Millionen Franken.

Gleichzeitig hat sich das Kundenverhalten verändert: Statt in einer Filiale wickeln immer mehr Kunden Zahlungsaufträge über das Internet ab. Auch andere Banken wie zum Beispiel die Raiffeisen-Gruppen schliessen daher Filialen.

Die Gewerkschaft Syndicom hat bereits Widerstand gegen die Pläne angekündigt. «Das geht so nicht», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel zu sda. Vor allem die Auslagerung der Postfinance-Leute an die Swiss Post Solutions sorgt für Verärgerung, denn den Betroffenen drohten schlechtere Arbeitsbedingungen. Bei einem Wechsel zu einer Tochterfirma überstünden die Betroffenen nicht mehr dem bisherigen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Post, sondern einem «deutlich schlechteren» GAV, der unter anderem keinen Sozialplan mehr vorsieht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2017, 11:26 Uhr

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