Und plötzlich war die Apple-Aktie 348 Prozent mehr wert

Um 13 Uhr wurde der Nasdaq-Handel gestern gestoppt. Dann ging das Chaos los, die Firmen-Werte spielten verrückt.

Händler an der New Yorker Börse: In der Nacht spielten die Kurse verrückt.

Händler an der New Yorker Börse: In der Nacht spielten die Kurse verrückt.

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Eigentlich sollte es auch für die Händler ein früher Feierabend werden – immerhin war es der Abend vor dem US-Nationalfeiertag des 4. Juli. Die Wallstreet schloss daher früher als sonst, schon um 13 Uhr wurde der Handel gestoppt. Doch kurz danach ging das Chaos los. Die Werte von Unternehmen, die an der Technologiebörse Nasdaq gelistet sind, spielten im nachbörslichen Handel plötzlich verrückt. Zu den betroffenen Firmen gehörten auch Apple, Amazon, die Google-Mutter Alphabet, Microsoft und Yahoo.

Aktien einer ganzen Reihe grosser Techfirmen – auch der Nasdaq selbst – wurden plötzlich mit demselben Preis von 123,47 Dollar gelistet. Damit war der Online-Spiel-Vertreiber Zynga kurzzeitig mehr wert als die Grossbank Goldman Sachs. Amazon und Google wurden mit Kursverlusten von über 80 Prozent angezeigt, Microsoft hätte mit dem Aktienpreis von 123,47 Dollar rund 80 Prozent an Wert hinzugewonnen. Der Wert anderer Aktien verdoppelte oder halbierte sich plötzlich, laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sah Apples Aktie zwischenzeitlich so aus, als sei sie um 348 Prozent gestiegen.

Wie sich schliesslich herausstellte, wurden die Preise auf der Seite der Börse Nasdaq selbst weiterhin richtig angezeigt, nur auf Finanzportalen wie Bloomberg, Thomson Reuters oder Google Finance standen die falschen Preise. Offenbar waren dort Testdaten, die eigentlich täglich von der Nasdaq ausgesendet werden, fälschlicherweise ins System geraten und wurden als real angezeigt. Von der Nasdaq heisst es denn auch laut der Zeitung «Financial Times», dass der Fehler nicht bei der Technologiebörse selbst liege. Die Portale hätten die Daten falsch übertragen. Bloomberg und Reuters haben sich dazu bisher noch nicht geäussert, laut Google habe ein Drittanbieter die Daten falsch ins System eingespeist.

Technische Fehler an Börsen gibt es seit einigen Jahren immer wieder. Im Juli 2015 etwa war die New Yorker Börse wegen technischer Probleme gezwungen, den Handel für fast vier Stunden einzustellen. Die Nasdaq hatte ein ähnliches Problem zwei Jahre zuvor.

Glimpflich ausgegangen

«Mich wundert, dass so etwas nicht öfter passiert», sagt etwa Finanzprofessor James Angel von der University of Georgetown zu Bloomberg. Die Komplexität der verschiedenen Systeme sei dazu verdammt, dass es hin und wieder zu solchen Fehlern komme. Der Fehler mit den Nasdaq-Daten sei dieses Mal sehr glimpflich ausgegangen. «Wir wollen, dass so etwas passiert, wenn die Börsen geschlossen sind», so Angel.

(laf)

Erstellt: 04.07.2017, 10:48 Uhr

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