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Under Armour verbietet Stripclub-Besuche auf Spesen

Sexclubs, Limousinen und Glücksspiel können beim Sportartikelhersteller nicht mehr auf Firmenkosten abgerechnet werden.

Frauen empfinden die Firmenkultur als «erniedrigend»: Under-Armour-Chef Kevin Plank.
Frauen empfinden die Firmenkultur als «erniedrigend»: Under-Armour-Chef Kevin Plank.
Steve Marcus, Reuters

Das E-Mail zeichnet kein besonders gutes Bild der Firmenkultur bei Under Armour: Mitarbeiter könnten neuerdings keine Besuche in Striplokalen mehr mit der Firmen-Kreditkarte bezahlen, heisst es darin. Das Unternehmen würde auch für gewisse weitere Spesen nicht mehr aufkommen: etwa für Limousinen oder Glücksspiel. Das schrieb der Finanzchef von Under Armour im Februar an die Mitarbeiter.

Das Mail liegt dem «Wall Street Journal» vor. Der Zeitung zufolge war es bei Under Armour jahrelang gang und gäbe, dass Führungskräfte mit Sportlern oder Mitarbeitern nach Firmenevents Stripclubs besuchten. Auch Gründer und Chef Kevin Plank sei dabei gewesen. Das Unternehmen habe die Kosten für diese Besuche oft übernommen, berichten Insider.

«Erniedrigendes» Umfeld für Frauen

Besonders beliebt sei bei Mitarbeitern der Scores Club in Baltimore, nahe dem Hauptquartier des Unternehmens, gewesen. Bei gewissen Besuchen hätten Under-Armour-Angestellte Hunderte Dollar auf Firmenkosten in dem Etablissement ausgegeben.

Die Praxis sei bezeichnend für das Arbeitsumfeld im Unternehmen, schreibt das «Wall Street Journal» und bezieht sich auf Berichte von über einem Dutzend Mitarbeiter, ehemaligen Angestellten und Führungskräften. Besonders Frauen beschrieben die Praktiken im Unternehmen als «erniedrigend». Gewisse männliche Führungskräfte hätten gegen Richtlinien verstossen, indem sie sich unangemessen gegenüber weiblichen Untergebenen verhalten hätten.

Go-go-Tänzerinnen an Firmenevent

Zu Firmenevents seien Frauen vor allem eingeladen worden, um männlichen Gästen zu gefallen, so die Quellen. Eine Veranstaltung wurde besonders erwähnt: Vor ein paar Jahren habe Chef Kevin Plank auf seiner Farm in Maryland anlässlich eines Pferderennens eine Party für Führungskräfte, Sportler und VIP-Gäste geschmissen. Obwohl Einladungen eigentlich nur an Topmanager gingen, wurden auch gewisse junge, gut aussehende Mitarbeiterinnen eingeladen.

Diese Praxis sei von den Organisatoren als «den Teich füllen» bezeichnet worden. Letztes Jahr seien zudem Go-go-Tänzerinnen mit kurzen Shorts und bauchfreien T-Shirts aufgetreten. Einige Gäste gaben an, sich nicht wohlgefühlt zu haben. Dieses Jahr fand die Party nicht statt.

«Problematisches Vermächtnis beendet»

Eine Sprecherin des Unternehmens teilte mit, die Berichte würden die «geschmackvolle Natur der jährlichen Party» anlässlich des Pferderennens nicht korrekt wiedergeben. Auch stellte sie klar, Chef Plank habe in Stripclubs keine Geschäfte gemacht oder Unternehmensgelder verpulvert. «Die Verwendung von Mitteln für Erwachsenenunterhaltung wird nicht toleriert», so die Sprecherin. Die Richtlinienänderung im Februar – dass Firmengelder also nicht für fragwürdige Zwecke eingesetzt werden dürften – habe ein problematisches Vermächtnis beendet.

CEO Plank teilte nach dem Bericht des «Wall Street Journal» mit: «Unsere Teamkollegen verdienen es, in einem respektvollen und ermächtigenden Umfeld zu arbeiten.» Bei Under Armour glaube man daran, dass es auf der Welt systematische Ungleichheiten am Arbeitsplatz gebe. Man werde diesen Moment nutzen, um den laufenden kulturellen Wandel zu beschleunigen. «Wir können und werden es besser machen», so Plank.

Bruder wegen sexuellen Fehlverhaltens gegangen

Plank ist Chef von Under Armour, seit er das Unternehmen im Jahr 1996 gründete. Aktuelle und ehemalige Führungspersonen berichteten, dass viele hohe Positionen im Konzern von Planks Freunden besetzt seien. Frauen teilten mit, dass sie das Gefühl hätten, keine Chance auf eine Beförderung zu haben.

Einer dieser vertrauten Personen war Planks Bruder Scott Plank. Er war hochrangige Führungskraft, bis er 2012 wegen Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens das Unternehmen verliess. Under Armour teilte damals mit, Scott Plank sei zurückgetreten, um sich auf ein Immobilienunternehmen und Philantrophie zu konzentrieren.

Branchenproblem

Under Armour ist bekannt für Sportbekleidung – auch in der Schweiz. Der Sportartikelhersteller galt lange als grösste Konkurrenz für die beiden Platzhirsche Nike und Adidas. Überholte das Unternehmen in den USA kurzzeitig sogar Adidas, lief es im letzten Jahr nicht mehr so rund. Vor allem auf dem Heimatmarkt brach das Wachstum ein. Trotz guter Entwicklung in anderen Märkten machte das Unternehmen 2017 so einen Verlust von 48 Millionen Dollar. Besonders das Freizeitsegment, auf das Nike und Adidas vermehrt setzen, hat Under Armour noch nicht erschlossen.

Auch andere Sportartikelhersteller mussten sich zuletzt mit ähnlichen Vorwürfen auseinandersetzen. Eine Gruppe ehemaliger Angestellter reichte Klage gegen Nike ein wegen Lohndiskriminierung und ungleicher Entwicklungsmöglichkeiten sowie wegen sexueller Belästigung. Frauen berichteten von einer toxischen Arbeitsumgebung.

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