Unerhört, dieser Namenswechsel

Wieso um alles in der Welt wird der TGV in Inoui umgetauft?

Der Vorzeige-Franzose unterwegs in der Schweiz: TGV in der Nähe von Gelterkinden BL. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Der Vorzeige-Franzose unterwegs in der Schweiz: TGV in der Nähe von Gelterkinden BL. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Inoui: Was für ein Zungenbrecher für Nichtfranzosen, was für ein Missverhältnis – vier Vokale und ein Konsonant. Und doch wird der TGV, der französische Hochgeschwindigkeitszug, bald so heissen: Inoui. Das wurde kürzlich bekannt.

Die Bahnbetreiberin SNCF besteht dabei darauf, dass man Inoui mit kleinem I am Anfang und grossem O schreiben soll (woran sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht hält). Denn das forciert eine Doppelbedeutung, welche Branding-Leute wohl grossartig finden, alle anderen aber blöd: Inouï – mit zwei Pünktchen auf dem hinteren I – heisst «unerhört», oui gleich «Ja» schwingt mit.

Ein nationaler Mythos

Die SNCF denkt bei der Umbenennung an die nahe Zukunft, in der ihr Monopol auf dem französischen Hochgeschwindigkeitszugnetz fällt. Bis dahin will sie neue Kunden binden, indem sie die Preise auffächert. Die TGV teilen sich deshalb in zwei Hauptlabels: die Inoui-Premiumzüge und die günstigeren Ouigo-Züge. So werden sie auch angeschrieben sein.

TGV werde als Gattungsbegriff bleiben, betont die SNCF. Im Internet hagelt es derweil Häme. Der TGV wurde nach seinem Start 1981 schnell zum Nationalmythos. Er steht für die Aufbruchstimmung der Mitterrand-Jahre. Er ist eine starke Marke – die jetzt ohne Not geschwächt wird. Dass die Kunden jahrelang grollen und sich schwer an die neue Bezeichnung gewöhnen, damit ist zu rechnen. Viele Schweizer reden ja auch nach wie vor von «Radio DRS», obwohl längst das Kürzel SRF gilt.

TGV ist als Wort rein beschreibend, es kürzt «train à grande vitesse» ab. Inoui ist ein Marketingausdruck, es lobt denselben Zug als «unerhört». Die Zugreisenden dürften SNCF den Namen jedes Mal um die Ohren hauen, wenn ihr Inoui sie enttäuscht. Sie werden twittern: «Unerhört, wie verspätet der Unerhört heute wieder einmal ist.»

Erstellt: 30.05.2017, 21:41 Uhr

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