USA verhaften Ex-Starbanker von Julius Bär

US-Ermittler haben bekannt gegeben, einen Milliarden-Geldwäsche-Ring ausgehoben zu haben. Mittendrin: Ein Banker aus der Schweiz.

Ein Geldwäscherei-Ring soll 1,2 Milliarden Dollar aus dem venezolanischen Öl-Staatskonzern abgezweigt haben: PDVSA-Mitarbeiter auf einer Bohranlage im Orinoco. (Symbolbild)

Ein Geldwäscherei-Ring soll 1,2 Milliarden Dollar aus dem venezolanischen Öl-Staatskonzern abgezweigt haben: PDVSA-Mitarbeiter auf einer Bohranlage im Orinoco. (Symbolbild) Bild: Reuters

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Amerikanische Fahnder haben am Dienstag einen langjährigen Banker von Julius Bär am Flughafen von Miami festgenommen. Matthias Krull war laut seinem Linkedin-Profil von 2007 bis Mai 2018 «Managing Director» von Julius Bär Panama. Im Juni engagierte ihn die Genfer Privatbank Gonet für ihre Bahamas-Niederlassung.

Laut einer Mitteilung des Justizministeriums werfen die USA dem 44-Jährigen vor, Teil eines Geldwäscherei-Rings zu sein, der 1,2 Milliarden Dollar aus dem venezolanischen Öl-Staatskonzern PDVSA abgezweigt hat. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

«Onboarding Star» der Julius Bär

Neben Matthias Krull, einem deutschen Staatsbürger, der früher auch bei der CS und der UBS gearbeitet hatte, sind sieben weitere Personen angeschuldigt, eine davon wurde auf Sizilien verhaftet. Die US-Justiz spricht von einem «Netzwerk von professionellen Geldwäschern», zu denen nebst PDVSA-Managern auch Mitglieder von venezolanischen Regierungskreisen gehören sollen.

Über Matthias Krull erschien kürzlich ein Artikel auf der Finanzplattform «finews.ch», in dem der Deutsche als «Onboarding Star» der Julius Bär bezeichnet wurde, der hohe Neugelder für die Schweizer Privatbank akquirierte. Ebenso soll er beste Beziehungen in die venezolanische Regierung gehabt haben. Laut seinem Linkedin-Profil war er für das «Set-up» eines Lateinamerika-Büros von Julius Bär zuständig.

Schweizer Banken mit fragwürdigen Venezuela-Kunden

Nur: Unter seinen Kunden sollen sich auch politisch exponierte Personen befunden haben, sogenannte PEPs, die unter Korruptionsverdacht stehen. Julius Bär ist deswegen in der Schweiz bereits im Visier der Finma. Zu den Problemkunden sollen auch Ex-Fifa-Funktionäre gehört haben. Laut NZZ führt die Aufsichtsbehörde deswegen ein Enforcementverfahren gegen die Privatbank.

Für die Finma sind aber auch andere Schweizer Banken mit fragwürdigen Venezuela-Kunden ein Thema. Ein Sprecher teilte dieser Zeitung bereits im Februar mit, man stehe im Fall PDVSA mit verschiedenen Banken in Kontakt und prüfe, ob diese das Aufsichtsrecht eingehalten hätten. Ebenso liefen bei der Finma mehrere Verfahren gegen Banken, bei welchen «auch das Verhalten im Zusammenhang mit PDVSA abgeklärt wird», sagt der Sprecher.

Neuer Arbeitgeber zieht Engagement zurück

Die Finma hat Kenntnis von der Verhaftung von Matthias Krull und steht mit Julius Bär «in diesem Kontext in Kontakt», wie sie auf Anfrage mitteilt. Die Bank selbst schreibt auf Anfrage, dass sie «vollumfänglich mit den Behörden» kooperiere, mehr könne sie zum laufenden Verfahren nicht sagen.

Ein Sprecher der Genfer Privatbank Gonet schreibt, die Vorwürfe hätten nichts mit dem Institut zu tun. Matthias Krull hätte seinen Job erst Ende Jahr antreten sollen. Ein Engagement komme nun angesichts der Neuigkeiten nicht mehr infrage.

Erstellt: 26.07.2018, 13:30 Uhr

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