US-Gesundheitsbehörde geht gegen E-Zigaretten vor

Besonders Jugendliche sind in Gefahr, von E-Zigaretten abhängig zu werden. Auch in der Schweiz wird weitere Regulierung gefordert.

Anbieter von E-Zigaretten unter Druck: Raucher.

Anbieter von E-Zigaretten unter Druck: Raucher. Bild: Nam Y. Huh/Keystone

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E wie Epidemie: Als das betrachtet die US-Gesundheitsbehörde (FDA) E-Zigaretten. Es gebe «klare Anzeichen» dafür, dass der Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen das «Ausmass einer Epidemie» erreicht habe, sagte FDA-Chef Scott Gottlieb. Diese ebneten den «Pfad in die Abhängigkeit».

Die Behörde geht nun gegen den Verkauf der alternativen Zigaretten an Minderjährige vor. Hersteller haben 60 Tage Zeit zu beweisen, dass sie ihre Produkte nicht an Jugendliche verkaufen. Können sie das nicht belegen, droht die Behörde mit Folgen. So könnte sie den Verkauf von aromatisierten Produkten verbieten und zivil- oder strafrechtlich Anklage erheben, wenn Unternehmen Massenverkäufe über ihre Website zulassen.

131 Läden gebüsst

Bei E-Zigaretten wird kein Tabak verbrannt, sondern Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, verdampft. Diese gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Minze, Mango oder Crème brulée. Süsse Aromen kommen gut bei jungen Rauchern an – sind aber oft besonders ungesund. Forscher der US-Universität Rochester haben herausgefunden, dass vor allem Aromen wie Zimt, Vanille und Butter gesundheitsschädlich sein können, weil dafür bestimmte Chemikalien verwendet werden.

Die Mahnung der FDA richtet sich an die fünf grössten Hersteller Juul – der sich auch in der Schweiz etablieren will –, Vuse, MarkTen, blu e-cigs und Logic. Juul kontrolliert dem Marktforschungsinstitut Nielsen zufolge bereits 72 Prozent des US-Markts. Die FDA hat zudem 1100 Warnungen an Läden geschickt, darunter 7-Eleven und Walgreens, und 131 Läden wegen des Verkaufs von E-Zigaretten an Minderjährige gebüsst.

Klagen von Eltern

Über zwei Millionen Schüler würden regelmässig E-Zigaretten rauchen, sagte FDA-Chef Gottlieb. Und das, obwohl der Verkauf der Zigaretten an unter 18-Jährige seit 2016 verboten ist. Firmen wie Juul haben deshalb bereits Klagen besorgter Eltern am Hals. Juul-Zigaretten seien bei Schülern omnipräsent, steht in einer Anklageschrift. Der Firma wird zudem vorgeworfen, mit ihrem Marketing auf minderjährige Konsumenten abzuzielen.

Tatsächlich wirbt Juul besonders stark auf sozialen Netzwerken. Unter Hashtags wie #juulgang oder #juullife schwärmen junge Nutzer vom Gerät. Juul wehrt sich: Man ziele nicht auf junge Kunden ab, sondern wolle erwachsenen Zigarettenrauchern eine Alternative bieten. Nach den Drohungen der FDA teilte Juul mit, man werde mit den Behörden zusammenarbeiten: «Wir sind bestrebt, die Verwendung unseres Produkts durch Minderjährige zu verhindern, und wir wollen Teil der Lösung sein, indem wir E-Zigaretten aus den Händen junger Menschen heraushalten.»

Kein gesetzlicher Jugendschutz in der Schweiz

In der Schweiz gibt es derzeit noch keine rechtlichen Vorgaben zum Jugendschutz. Bei der Abgabe der E-Zigaretten ist weder das Abgabealter geregelt, noch bestehen Werbeeinschränkungen. Einzig der Kanton Wallis verbietet seit Juni den Verkauf von E-Zigaretten an Minderjährige. Im Kanton Zürich haben drei Kantonsräte eine entsprechende Motion eingereicht.

Zusätzlich rief das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) einen runden Tisch mit Vertretern der E-Zigarettenindustrie ins Leben. Dort habe man über einen gemeinsamen Codex diskutiert – setzt also auf Selbstregulierung.

Höherer Nikotingehalt

Die Langzeitfolgen von E-Zigaretten sind noch unbekannt. Sie gelten oftmals als weniger schädlich als Tabakzigaretten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht aber davon aus, dass die Risiken für Lungen- und Herzerkrankungen dennoch steigen.

Das Problem mit E-Zigaretten ist, dass sie Rauchern zwar helfen können, mit regulären Zigaretten aufzuhören. Sie beinhalten weniger Schadstoffe als diese, haben aber oft einen höheren Nikotingehalt, der süchtig macht. Das jugendliche Gehirn sei noch viel anfälliger für Abhängigkeiten, so die US-Behörde FDA.

Wie effektiv die Drohungen sind, wird sich zeigen. Rechtsexperten äussern gegenüber der «New York Times» Bedenken, dass sich die FDA in langwierige Rechtsstreitigkeiten verwickeln könnte, wenn sie tatsächlich Aromen verbieten oder Marketingeinschränkungen durchboxen wollte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2018, 17:39 Uhr

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