Vassalli tritt zurück – Schwaller soll folgen

Doris Leuthard müsse Verwaltungsräte des Postkonzerns entlassen, finden Politiker von links bis rechts.

Rücktritt angekündigt: Verwaltungsrat für Risiko-Management Adriano Vassalli.

Rücktritt angekündigt: Verwaltungsrat für Risiko-Management Adriano Vassalli.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bis jetzt kamen Post-Präsident Urs Schwaller und die anderen Verwaltungsräte in der Postauto-Affäre ungeschoren davon. Nur Post-Chefin Susanne Ruoff sowie die gesamte Geschäftsleitung der Tochtergesellschaft Postauto mussten gehen. Gestern Abend dann ein weiterer Knall: Auch der für das Risiko-Management zuständige Verwaltungsrat Adriano Vassalli tritt frühzeitig zurück.

«Ich habe heute Frau Bundesrätin Doris Leuthard und die Mitglieder des Verwaltungsrates der Schweizerischen Post AG darüber informiert, dass ich auf die Generalversammlung vom 26. Juni 2018 hin als Mitglied des Verwaltungsrates der Schweizerischen Post AG und infolgedessen auch der Postfinance AG zurücktreten werde», schreibt Vassalli in einer persönlichen Erklärung.

Er habe sich diesen Schritt eingehend überlegt und ihn «im Interesse des Neuanfangs gefällt». Eigentlich hatte Vassalli sich mit dem Bundesrat geeinigt, im Frühjahr 2019 nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten.

Doch der Druck auf ihn wurde offensichtlich zu gross. Die Rufe nach seinem Rücktritt waren immer lauter geworden. «Es ist nicht akzeptabel, dass in der Postauto-Affäre nur die Geschäftsleitung zur Verantwortung gezogen wird», sagte etwa SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi. Die zuständigen Verwaltungsräte hätten ihre Pflicht genauso vernachlässigt.

Schwaller habe nur die Zeit vor seiner Ära untersuchen lassen

Dazu gehört für Aeschi auch Susanne Blank, die ebenfalls für das Risiko-Management zuständig war. «Herr Vassalli und Frau Blank müssen die Konsequenzen ziehen und zurücktreten», forderte Aeschi gestern. Tun sie das nicht freiwillig, «muss Bundesrätin Leuthard jetzt endlich Führungsstärke zeigen und sie entlassen». Vassalli ist dieser Forderung nun zuvorgekommen.

Aeschi geht noch weiter: Auch Post-Präsident Schwaller müsse zum Rücktritt gezwungen werden. Er habe ebenfalls Pflichten vernachlässigt. SP-Nationalrat Phi­lipp Hadorn doppelt nach: Schwaller habe nur jene Zeit untersuchen lassen, in welcher er selber noch nicht Post-Präsident war. «Das geht natürlich nicht.» Hadorn fordert, dass «die Jahre 2016 und 2017 ebenfalls restlos durchleuchtet werden». Dann zeige sich, ob Schwaller ebenfalls nicht mehr tragbar sei.

Vassalli und Blank attestieren die letzte Woche veröffentlichten Untersuchungsberichte, dass sie Warnungen nicht erkannt hätten. Die genaue Lektüre der Berichte zeigt aber inzwischen, dass sie die Warnungen offensichtlich aktiv ­ignorierten. In einer an sie adressierten Aktennotiz der internen Revision der Post steht, dass 2011 und 2012 bei Postauto im Bereich Ortsbus unerlaubte Umbuchungen von insgesamt 30 Millionen Franken stattgefunden haben.

Obwohl Adriano Vassalli im Verteiler der Aktennotiz aufgeführt ist, behauptet er, sie nicht ­bekommen zu haben.

Allerdings wurde am selben Tag, an dem die Aktennotiz verschickt wurde, die Frage an einer Sitzung des Verwaltungsratsausschusses besprochen, ob Ortsbusse buchhalterisch korrekt abgebildet werden. Blank und Vassalli waren anwesend. Zudem belastet der Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf die beiden schwer: Sie seien über die illegalen Umbuchungen im Bild gewesen.

Erstellt: 16.06.2018, 20:31 Uhr

Artikel zum Thema

So trickste Postauto in Liechtenstein

SonntagsZeitung Um im Nachbarland bestehen zu können, transferierte die Post Subventionsgelder – und soll auch die Arbeitsbedingungen der Chauffeure verschlechtert haben. Mehr...

Das Parlament muss ran

Leitartikel Wegen der Postauto-Affäre rollen bei der Post die Köpfe. Doch der Verwaltungsrat wird vom Bundesrat verschont. Das darf nicht so bleiben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...