Keine Normalisierung der Lage

US-Präsident Donald Trump hat gar nicht im Sinn, sich mit den Europäern zu einigen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump beim gemeinsamen Auftritt vor dem Weissen Haus. (Video: Tamedia/Reuters)

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Die USA und die EU seien Verbündete und müssten zusammenarbeiten. Das erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gestern bei seinem Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Das ist mehr Hoffnung als Analyse der gegenwärtigen Situation.

Als Trump jüngst in Europa weilte, sprach er von den Europäern nicht als Verbündeten, sondern als Feinden. Und so führt er sich ihnen gegenüber auch auf. «Zölle sind das Grösste», hat er noch am Dienstag per Tweet verlauten lassen. Weil er diese einführt und mit massiven weiteren droht, so seine Einschätzung, reisen jetzt alle zu ihm und wollen mit ihm reden.

Junckers Besuch sieht der US-Präsident bloss als erfolgreiche Konsequenz seiner Aggression. Gewicht hatte insbesondere die Drohung, die Autoimporte aus Europa mit hohen Zöllen zu belegen. Das würde die Wirtschaft Europas sehr viel stärker treffen als die bisherigen Abgaben. Immerhin sollen diese Zölle vorerst vom Tisch sein – solange weiter verhandelt wird.

Trump hält Handelsdefizite für Verluste

Wiederholt hat der US-Präsident vor dem Treffen erklärt, er wäre sofort bereit, alle Zölle aufzugeben, wenn auch die Europäer alle bestehenden abschaffen würden. Juncker versprach, dahingehend zu wirken. Doch das ist nicht mehr als Politpropaganda. Vor allem wird es nichts an den Handelsdefiziten der Amerikaner (auch) gegenüber Europa ändern. Um die geht es Trump vor allem. Er hält sie für Verluste, obwohl sie bedeuten, dass die Amerikaner über ihren Verhältnissen leben.

Die hehre Absichtserklärung, die Trump und Juncker am Ende ihres Treffens abgegeben haben, bedeutet keine Normalisierung der Lage – nicht nur was die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA betrifft. «Wir verhandeln nicht mit einer Pistole am Kopf», hat der französische Finanzminister Bruno Le Maire im Vorfeld erklärt. Die passende Beschreibung zeigt, wie wenig es bedeutet, dass Trump die aufgeschreckten Europäer jetzt wieder Freunde nennt.

Erstellt: 25.07.2018, 22:28 Uhr

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