Airbus könnte am A380 verzweifeln – wäre da nicht Emirates

Fluggäste lieben die grösste Passagiermaschine der Welt. Doch bei den Airlines sieht es anders aus. Wie geht es nun weiter?

Fahrwerk eines Airbus A380: Insgesamt 218 Flieger des Typs wurden bisher an 13 Fluggesellschaften ausgeliefert. Foto: Christian Charisius (Reuters)

Fahrwerk eines Airbus A380: Insgesamt 218 Flieger des Typs wurden bisher an 13 Fluggesellschaften ausgeliefert. Foto: Christian Charisius (Reuters)

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SQ345 und EK88 sind die Publikumshits auf der Zuschauerterrasse des Zürcher Flughafens. Gegen halb elf und halb drei heben die Flüge von Singapore Airlines und Emirates in Richtung ihrer Heimat Singapur und Dubai ab und sind für die Planespotter ein beliebtes Fotosujet. Auf beiden Flügen kommt der Airbus-Doppelstöcker A380 zum Einsatz. Nicht nur auf Spotter übt der Riesenflieger eine solche Faszination aus: Fluglinien, die ihn betreiben, schwärmen davon, dass Passagiere den A380 lieben wie kein anderes Flugzeug. Doch auch wenn Konsumenten den A380 lieben – bei den Airlines sieht es anders aus: Der Superjumbo verkauft sich nicht.

Infografik: So viele Superjumbos fliegen derzeit durch die Welt Grafik vergrössern

218 A380 hat Airbus in den vergangenen zehn Jahren an insgesamt 13 Airlines ausgeliefert – in den Büchern stehen noch Bestellungen für rund 100 weitere Flieger. Doch ob all diese Jets auch wirklich ausgeliefert werden, steht in den Sternen. Immer mehr Kunden wie die britische Virgin Atlantic oder die australische Qantas setzen zunehmend auf kleinere Flugzeuge, weil sie mit diesen flexibler planen können. Andere Kunden wie die indische Kingfisher oder die russische Transaero gingen inzwischen pleite, die Bestellungen sind obsolet. Einen Neukunden hat Airbus für den A380 seit Jahren nicht an Land gezogen.

«Wir glauben an unser Flaggschiff und daran, dass der A380 eine vielversprechende Zukunft vor sich hat.»

Tom Enders, Airbus-Konzernchef

Weil sich das Flugzeug so schlecht verkauft, musste der Hersteller auch die Produktion herunterfahren. Wurden zu Beginn des Programms vor rund zehn Jahren noch 30 Maschinen pro Jahr produziert, sind es inzwischen nur noch 1,7 Maschinen pro Monat, also etwas mehr als 20 pro Jahr. Ab 2018 werden es nur noch 12 Maschinen pro Jahr sein, 2019 gar nur noch 8.

Emirates ist wichtigste Kundin

Wäre da nicht eine wichtige Kundin, sähe die Bilanz für den Superjumbo katastrophal aus: Emirates hat mit Abstand die meisten A380 beim europàischen Flugzeugbauer bestellt. Am vergangenen Freitag nahm die Fluggesellschaft aus Dubai in Hamburg den 100. Flieger des Typs in Empfang, die Auslieferung von 42 weiteren, bereits bestellten Jets steht noch aus. Kein Wunder also, dass Airbus alles tut, um dem wichtigsten A380-Kunden zu gefallen.

Für die feierliche Zeremonie und Präsentation des 100. Fliegers war Scheich Ahmed bin Saeed al-Maktoum nach Deutschland gereist – er ist Vorstandsvorsitzender der Fluglinie. Dem Scheich ebenso wie dem ebenfalls angereisten Emirates-Präsidenten Tim Clark wurde denn auch ordentlich Ehre erwiesen.

«Emirates hat eine enorm wichtige Rolle bei der Entwicklung des A380 gespielt», so Airbus-Konzernchef Tom Enders bei der Veranstaltung zur Emirates-Führung. Kontinuierlich habe man gemeinsam weiter daran gearbeitet, den Flieger zu verbessern. «Es gibt kaum eine Airline oder eine Führungsetage einer Fluggesellschaft, die so mutig wie Emirates ist, was Investitionen wie die in den A380 betrifft», so Enders weiter.

Mehr Passagiere, höhere Reichweite

Auf Wunsch von Emirates und anderen Kunden hat Airbus auch noch einmal am A380 gewerkelt. Dank neuen Flügelspitzen – sogenannten Winglets – und baulichen Veränderungen in der Kabine soll der Riesenflieger mehr Passagiere fassen, eine höhere Reichweite aufweisen und weniger Treibstoff schlucken. A380 Plus heisst die verbesserte Version, die der Flugzeugbauer in diesem Sommer erstmals präsentierte. Im Inneren wurden unter anderem die Treppen verkleinert, um mehr Sitze einbauen zu können. Zudem sollen in einer Reihe elf Sitze stehen – so viele Plätze pro Reihe gibt es bisher noch in keinem Flugzeug.

Doch auch der A380 Plus brachte keine neuen Bestellungen ein – geschweige denn ganz neue Kunden. Da verwundert es nicht, dass in letzter Zeit in der Branche immer wieder über ein mögliches Ende des A380-Programms spekuliert wurde. Das weist Konzernchef Enders aber zurück. «Wir glauben an unser Flaggschiff und daran, dass der A380 eine vielversprechende Zukunft vor sich hat», so der Manager bei der Übergabe des Emirates-Fliegers. «Und ich glaube, dass wir den A380 auch noch in zehn Jahren produzieren werden.»

«Ich hoffe, wir schaffen das»

Sein Optimismus könnte auch mit einer anstehenden Bestellung zusammenhängen – die Schmeicheleien haben sich offenbar gelohnt: Man arbeite an einer nächsten Bestellung, hiess es von beiden Unternehmen. Die Gespräche liefen schon und scheinen weit fortgeschritten zu sein: «Ich hoffe, wir schaffen das», so der Emirates-Chef.

Auch den Zeitpunkt des Abschlusses deuteten die Manager an. «Ich bin nicht sicher, ob ich John in Rente gehen lasse, ohne dass er noch eine signifikante Bestellung vermelden kann», sagte Tom Enders grinsend zum Thema. «John», das ist John Leahy, der Verkaufschef von Airbus, der eigentlich Ende Jahr in Rente geht. Davor findet Mitte November noch eine grosse Luftfahrtmesse statt – in ­Dubai, der Heimat von Emirates.

Video: Supervogel in Schräglage

Bei dieser Landung will man nicht Passagier sein: Sturm Xavier stellte Anfangs Oktober einen A380 in Düsseldorf quer.

Erstellt: 05.11.2017, 20:48 Uhr

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