Vertrauen ist ein kostbares Gut

Sowohl die Autobauer als auch die Behörden haben im Abgasskandal Fehler zu korrigieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Welchen Angaben können Autokäufer noch trauen? Seit Gewissheit darüber herrscht, dass nicht nur VW bei Abgasmessungen geschummelt hat, sondern auch andere Autobauer zumindest zu Tricks gegriffen haben, um Abgaswerte zu beschönigen, stellt sich diese Frage unweigerlich. Gerade bei Kaufkriterien, die sich nicht oder nur schwer selber prüfen lassen, sind Konsu­menten den Informationen der Hersteller ausgeliefert. Wie viel Benzin verbraucht ein Fahrzeug? Wie viel Dreck strömt aus dem Auspuff? Stimmen die Angaben dazu nicht, ist der Käufer, dem solche Kriterien bei der Marken- und Modellwahl wichtig waren, der Gelackmeierte. Nach dem Abgasskandal muss sich die Autoindustrie nicht wundern, wenn Vorschriften verschärft und Kontrollen verstärkt werden.

Der Konsument und Bürger muss sich aber auch auf die Behörden verlassen können. Diese müssen gewährleisten, dass Vorschriften und Grenzwerte auch tatsächlich eingehalten werden. Im Skandal rund um die verfälschten Abgaswerte haben die staatlichen ­Zulassungs- und Kontrollinstitutionen allerdings alles andere als eine gute Figur abgegeben. Bisweilen ­entstand der Eindruck, die Ämter seien verlängerte Arme der Autokonzerne.

Was nun erwartet werden darf, ist eine schonungslose Aufklärung. Die Konsumenten haben genug vom Etikettenschwindel. Sowohl die Autobauer wie auch die Behörden müssen auf den Tisch legen, was Sache ist. Werden jetzt Manipulationen respektive das vorsätzliche Ausnützen von Schlupflöchern weiter verheimlicht, dürfte das Vertrauen der Konsumenten definitiv verspielt sein.

In einer immer komplexer werdenden Welt ist Vertrauen ein kostbares Gut. Nicht nur die Autoindustrie müsste daher grösstes Interesse daran haben, ihm Sorge zu tragen, sondern jedes Unternehmen, das eine Ware oder eine Dienstleistung verkaufen will. Denn der Konsument ist täglich darauf angewiesen, dass er Verkaufsversprechen und Packungsangaben trauen kann. Egal, ob es sich dabei um Abgaswerte von Autos handelt, um die Herkunftsdeklaration bei Lebensmitteln oder um die Laufzeit von Handyakkus.

Erstellt: 22.04.2016, 22:17 Uhr

Artikel zum Thema

Update für eine halbe Million Autos

In Deutschland zeigt ein Bericht, dass viele Autos auf der Strasse Abgasgrenzwerte überschreiten. 630'000 Fahrzeuge werden nun zurückgerufen. Mehr...

VW soll für Abgas-Skandal 16,4 Milliarden Euro zurückstellen

In Wolfsburg berät der VW-Aufsichtsrat über umstrittene Boni und die Bilanz im vergangenen Jahr. Der Autohersteller steuert auf den grössten Verlust seiner Geschichte zu. Mehr...

VW und US-Behörden einigen sich im Abgas-Skandal

VW hat sich mit den US-Behörden im Streit um geschönte Diesel-Abgaswerte geeinigt. Das teilte ein Bundesrichter in San Francisco mit. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Durchgestartet als alleinerziehende Mutter

Geldblog Sind Genossenschafts-Investitionen sicher?

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...