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Vom Smartphone-Star zum Randprodukt

Einst waren Staatsoberhäupter, Topmanager und Popstars nach ihm süchtig. Der Blackberry beherrschte als Smartphone lange Zeit den Markt. Nun will die kriselnde Firma über ein Drittel der Belegschaft entlassen.

ami
Verhaltene Reaktion: Im Januar stellte der Konzern noch eine aufgepeppte Variante seines Betriebssystems namens Blackberry 10 vor.
Verhaltene Reaktion: Im Januar stellte der Konzern noch eine aufgepeppte Variante seines Betriebssystems namens Blackberry 10 vor.
Keystone

US-Präsident Barack Obama gehörte zu ihnen, und auch Popstar Madonna. Die Diva bekannte einmal, nicht ohne ihren Blackberry des gleichnamigen Herstellers aus Kanada neben dem Kissen einschlafen zu können. Und Obama gestand, zu den Millionen Anbetern zu gehören, die sich kaum beherrschen können, fieberhaft auf der kleinen Tastatur herumzutippen.

Doch die guten Zeiten der kanadischen Firma sind längst vorbei, Konkurrenten wie Apple oder Samsung haben mit iPhone und anderen Smartphones den Markt an sich gerissen. Der Marktanteil von Blackberry brach von mehr als 20 Prozent im Spitzenjahr 2009 äusserst dramatisch auf nun noch lediglich 1,5 Prozent ein, wie Analyst Mike Walkley von Canaccord Genuity sagt. Angesichts eines drohenden Riesenverlustes von bis zu einer Milliarde Dollar im zweiten Quartal zog Blackberry jetzt die Notbremse.

4500 Entlassungen

Am Freitagnachmittag, inmitten froher Wochenendstimmung, liess der Hersteller die Bombe platzen und kündigte an, 4500 Mitarbeiter und damit mehr als 40 Prozent seiner globalen Belegschaft zu entlassen. Damit sollen die Betriebskosten bis zum ersten Quartal 2015 um die Hälfte gesenkt werden, weltweit wird der Fabrikant künftig noch 7000 Menschen beschäftigen. Auch der erwartete Quartalsumsatz von 1,6 Milliarden Dollar dürfte weit hinter den drei Milliarden Dollar zurückbleiben, mit denen Experten laut dem Finanzdienst Factset gerechnet hatten.

Ein Grossteil des erwarteten Quartalsverlustes geht auf Abschreibungen für nicht verkaufte Smartphones zurück. Angesichts all dieser Schreckensnachrichten, die Blackberry am Freitag verkündete, brach die Aktie prompt um 23 Prozent ein. Sie ging schliesslich mit einem Verlust von 17 Prozent oder 8.72 Dollar je Titel aus dem Handel.

«Das Ende von Blackberry, wie wir ihn kennen»

Die Devise für die Zukunft soll nun heissen: Fokus auf Geschäftsleute, die zur treuesten Kundschaft des Blackberry gezählt werden. So plant das Unternehmen, nur noch zwei hochwertige Geräte sowie zwei Einstiegsmodelle für das Business-Segment anzubieten. «Das ist das Ende von Blackberry, wie wir ihn kennen», sagt Colin Gillis vom Finanzdienstleister BGC in New York. «Das ist ein grosser Schwenk: Sie bauen die halbe Belegschaft ab und wollen ein Nischenplayer werden und sich auf Unternehmen konzentrieren.» Nüchternen Blicks sagt Gillis auch, dass er nicht mehr erwarte, irgendeine Anzeige von Blackberry im Fernsehen zu sehen.

Stattdessen könnte das schuldenfreie Unternehmen aus Waterloo in Ontario jetzt interessant werden für Käufer, meint der Analyst: «Möglicherweise entsprach die eine oder andere der angekündigten Massnahmen den Wünschen von Interessenten. Schliesslich will niemand eine Firma kaufen und dann gleich verkünden müssen, die Hälfte der Mitarbeiter zu feuern», meint Gillis.

«Wir setzen die schwierigen, aber notwendigen Massnahmen, die wir heute verkündet haben, um, um unsere Position in einem immer reiferen und immer härter umkämpften Markt zu behaupten und wieder Gewinne machen zu können», teilte der deutsche Blackberry-Chef Thorsten Heins mit. Im August hatte der Fabrikant gesagt, einen Selbstverkauf zu erwägen. Der Konzern gründete inzwischen ein Sondergremium, um alle Optionen zu prüfen.

Verhaltene Reaktion auf Blackberry 10

Mit seinem gleichnamigen Smartphone, das erstmals 1999 erschien, schwang sich Blackberry einst zum führenden Anbieter der Geräte auf, die sich vor allem bei Managern grosser Beliebtheit erfreuen. Dann kam Apple 2007 mit dem iPhone. Seitdem ist Blackberry durch Produkte seines kalifornischen Rivalen sowie Android-basierte Geräte anderer Konkurrenten wie Samsung weitgehend abgehängt worden.

Zwar brachten die Kanadier im Januar eine aufgepeppte Variante ihres Betriebssystems namens Blackberry 10 heraus, die der Marke ein frischeres und jüngeres Image verpassen sollten. Doch der Markt reagierte verhalten, und Blackberry hinkte weiter seinen Rivalen hinterher.

Der Fabrikant, früher unter dem Namen Research in Motion bekannt, war einst der teuerste börsennotierte Konzern Kanadas mit einem Marktwert von 83 Milliarden Dollar. Das war im Juni 2008. Der Kurs der Aktie brach jedoch von mehr als 140 Dollar auf nun weniger als neun Dollar ein. Der Niedergang des Konzerns erinnert an jenen von Nortel, einem anderen kanadischen Technologiegiganten, der sich 2009 bankrott erklären musste.

Schon 2012 gab es Entlassungen

Schon 2012 hatten 5000 Mitarbeiter von Blackberry ihren Hut nehmen müssen. Von den verbliebenen Beschäftigten leben Tausende in Waterloo, einer Universitätsstadt 90 Autominuten von Toronto entfernt. Dort scheint jeder jemanden zu kennen, der für die Firma arbeitet. Anwohner sagen, sie hätten über den Konzern in den vergangenen Jahren eher im Flüsterton gesprochen.

«Unsere Gedanken sind bei denen, die ihre Arbeit verloren», teilt Kanadas Industrieminister James Moore mit. «Das ist immer ein Grund zur Sorge für unsere Regierung.»

(SDA)

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