Von der Luftmatratze zum Luxus-Penthouse

Airbnb führt eine Luxusklasse für Leute ein, die über die Plattform eigentlich die Nase rümpfen. Von der ursprünglichen Idee der Firma ist dabei nicht mehr viel übrig.

Blick aufs Meer: Unter Airbnb Plus gelistete Wohnung in Südafrika.

Blick aufs Meer: Unter Airbnb Plus gelistete Wohnung in Südafrika. Bild: Ali Killam

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Alles fing mit einer Luftmatratze an. Es war 2007 und in San Francisco fand eine Messe für industrielles Design statt. Die Freunde Joe Gebbia und Brian Chesky merkten, dass die Hotels im Umkreis der Messe ausgebucht waren – und investierten in drei aufblasbare Betten, die sie für 80 Dollar pro Nacht vermieteten. Der erste Gast war Amol Surve, ein Student, der sich kein Hotel leisten konnte, weil sein Geld bereits für die Konferenzteilnahme draufgegangen war. Es war der Anfang von Airbnb. 2008 wurde das Start-up gegründet.

Heute umspannt das Imperium von Chesky, mittlerweile Firmenchef der Plattform, die ganze Welt. Mit dem Ruhm kommt auch die Kritik: Immer mehr kommerzielle Anbieter trieben sich auf der Plattform herum, diese trage zur Wohnungsknappheit in Städten bei und treibe die Preise hoch, monieren viele. Von der ursprünglichen Idee, dass gastfreundliche Menschen überschüssigen Wohnraum an Alleinreisende vermieten, sei nicht mehr viel übrig.

Schnelles Wi-Fi, komfortable Bettwäsche

Airbnb richtet sich denn auch immer mehr an Reisende mit grösserem Budget und Ansprüchen. Diese Woche – zum zehnjährigen Jubiläum der Firma – hat die Plattform ein Konzept namens Airbnb Plus lanciert.

Das Konzept ist quasi die erste Klasse bei Airbnb. Reguläre Hosts müssen ihre Wohnungen weiterhin in der Economy-Klasse feilbieten. Das Konzept bleibt allerdings für alle dasselbe: Nutzer mieten Zimmer oder Wohnungen direkt bei Airbnb-Mitgliedern. Auf Airbnb Plus werden allerdings die exklusiveren Angebote mit einem höheren Standard gelistet. «Airbnb Plus ist für Leute, die Airbnb hassen», titelt denn auch das renommierte Reisemagazin «Condé Nast Traveler».

Hat mit ursprünglicher Luftmatratzenidee nicht mehr viel zu tun: Luxus-Airbnb-Angebot in Mailand.

Hosts müssen 100 Kriterien bezüglich Sauberkeit, Komfort und Design erfüllen, um mitmachen zu dürfen. Airbnb garantiert in den Angeboten einen gewissen Mindeststandard wie eine voll ausgestattete Küche inklusive Kaffeemaschine, Waschmaschine, schnelles Wi-Fi, hochwertige Bettwäsche. Die Angebote werden damit Hotels immer ähnlicher.

Design-Beratung und Fotografen-Service

Gastgeber müssen eine Gebühr von 149 Dollar zahlen, um ihre Wohnung über Plus anbieten zu dürfen. Mitarbeiter von Airbnb seien persönlich vorbeigekommen und hätten ihre Wohnungen inspiziert, sagt eine Teilnehmerin am Plus-Programm aus San Francisco gegenüber der Newsseite Cnet.com.

Dafür profitieren Nutzer laut Airbnb von einer besseren Sichtbarkeit auf der Plattform, Design-Beratung, einem professionellen Fotografen-Service und Zugang zu einem Premium-Kundendienst. Wer den erwünschten Standard noch nicht erreicht hat, aber dennoch bei Plus mitmachen will, kann sich bei Airbnb Hilfe holen: Der Anbieter will beim Design und der Ausstattung beraten.

Über Schweizer Seite buchbar

Teurer soll diese Luxuskategorie laut Chef Chesky nicht sein. Im Schnitt kosteten die Angebote unter 250 Dollar pro Nacht. Normale Airbnb-Angebote bewegen sich allerdings laut «Condé Nast Traveler» bei rund 100 Dollar pro Nacht.

Weitere Airbnb-Plus-Wohnung in Kapstadt.

Vorerst können über Airbnb Plus 2000 Unterkünfte in 13 Städten gebucht werden, darunter sind Mailand, Rom, London, Sydney, Barcelona oder Kapstadt. In der Schweiz sind noch keine Wohnungen aufgeführt, es können aber Airbnb-Plus-Unterkünfte über die Schweizer Seite gebucht werden.

Noch mehr Luxus

Wem das Airbnb-Plus-Angebot noch nicht reicht, für den hat Airbnb noch eine weitere luxuriöse Möglichkeit in petto: Ab diesem Frühjahr will die Plattform mit Beyond by Airbnb «einzigartige, massgeschneiderte Reisen» anbieten. Darunter seien die «exklusivsten Unterkünfte der Welt, einmalige Erlebnisse und erstklassiger Service», schreibt das Unternehmen.

Das Angebot folgt, nachdem Airbnb zuletzt die Luxus-Reise-Plattform Luxury Retreats übernommen hatte. Auch wenn Airbnb im Werbevideo von Airbnb Plus sowie Beyond persönliche Notizen der Gastgeber, bereitgestellte Guetsli für die Kinder und parat gemachtes Zmorge zeigt: Der ursprüngliche Geist von Airbnb ist verblasst.

Erstellt: 23.02.2018, 11:46 Uhr

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