VW will Boni-Zahlungen zusammenstreichen

Im Streit um die Bonuszahlungen bei Volkswagen zeichnet sich eine Lösung ab. Der Vorstand wird wohl auf einen Teil seiner Prämien verzichten.

Die Boni sind nach dem Abgas-Skandal umstritten: Eine «VW»-Plakette hängt an einem Ast. (Archivbild)

Die Boni sind nach dem Abgas-Skandal umstritten: Eine «VW»-Plakette hängt an einem Ast. (Archivbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Volkswagen kürzt wegen des Abgas-Skandals die erfolgsabhängigen Bonuszahlungen für das Top-Management. Aufsichtsrat und Vorstand seien sich einig, dass angesichts der aktuellen Lage des Unternehmens ein Zeichen auch bei den Vorstandsvergütungen gesetzt werden müsse. Das sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person heute der Nachrichtenagentur Reuters.

Derzeit würden verschiedene Modelle diskutiert und abgestimmt. In der Konsequenz würde dies zu einer deutlichen Absenkung der variablen Zahlungen führen. Das gelte rückwirkend auch für Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der zuvor Finanzvorstand von Volkswagen war. VW äusserte sich nicht.

30-prozentige Kürzung angestrebt

Über die Höhe der geplanten Bonus-Kürzung machte der Insider keine Angaben. Konzernchef Matthias Müller soll einem Medienbericht zufolge eine 30-prozentige Kürzung angestrebt haben. Der zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nach zähem Ringen nun erzielte Kompromiss soll in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. April verabschiedet und im Geschäftsbericht am 28. April veröffentlicht werden.

Am Dienstag hatte zuvor der Vorstand über eine Senkung der Bonuszahlungen diskutiert. Dabei hatte man sich einem Insider zufolge auf Grundzüge einer Einigung verständigt.

Vorstandschef Müller dringt auf baldige Lösung des Streitthemas, weil er sonst einen weiteren Imageverlust für Volkswagen befürchten muss. Am Mittwoch will Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil den Landtag in Hannover über die Lage bei VW unterrichten. Es wird erwartet, dass er sich dabei auch zu den Bonuszahlungen äussert.

Niedersachsen fordert Komplettverzicht auf Boni

Das Land, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, fordert Insidern zufolge einen Komplettverzicht des Managements auf Boni.

Das Präsidium um Aufsichtsratschef Pötsch hatte zu Wochenanfang über die umstrittene Absenkung der Bonuszahlungen beraten, konnte sich aber nicht einigen. Das Thema ist kompliziert, weil die variablen Sonderzahlungen aus mehreren, teils langfristigen Komponenten bestehen.

Während eine Streichung der Boni für das abgelaufene Jahr Experten zufolge denkbar wäre, dürfte es bei dem auf vier Jahre angelegten langfristigen Anreiz (Long Term Incentive) schwieriger sein. Insidern zufolge pochten einige Vorstände darauf, dass diese Sonderzahlung nicht gekippt wird.

Volkswagen hatte im September zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte manipuliert zu haben. Angesichts der drohenden Strafen und Schadensersatzforderungen muss der Konzern Milliardensummen zur Seite legen und kräftig sparen.

Europas grösster Autobauer war deswegen im dritten Quartal erstmals seit vielen Jahren in die roten Zahlen geraten. Einige Analysten rechnen auch für das Gesamtjahr mit einem Verlust. Die VW-Arbeitnehmer müssen für 2015 auf die sonst übliche Gewinnbeteiligung verzichten. Sie erhalten stattdessen eine sogenannte Anerkennungsprämie, über deren Höhe derzeit verhandelt wird. (nag/sda)

Erstellt: 12.04.2016, 21:58 Uhr

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