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Während Monaten steht das Wachstum still

Die Schweiz muss mit einem frostigen Konjunkturwinter rechnen. Selbst eine kurze Rezession halten die KOF-Ökonomen für möglich.

Seit Ausbruch der Finanzkrise vor über einem Jahr lagen die Prognosen der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich stets am optimistischen Ende des Meinungsspektrums. Noch im Juni hielten die Zürcher Ökonomen ein Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,8 Prozent im nächsten Jahr für möglich.

Nun aber vollzieht die KOF einen drastischen Schwenker: Gerade mal 0,3 Prozent soll das hiesige Bruttoinlandprodukt 2009 real noch zulegen. Diese überraschende Ankündigung machte der KOF-Chef Jan-Egbert Sturm am Montag bei der Vorstellung der Herbstprognose seines Instituts (siehe Tabelle). Für dieses Jahr stellte er einen Zuwachs der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung von 1,9 Prozent in Aussicht, gegenüber einem bisher veranschlagten Plus von 2 Prozent.

Klimasturz in Europa . . .

Schon im Schlussquartal 2008 sowie im ersten Jahresviertel 2009 wird die Schweizer Wirtschaft laut KOF aber schrumpfen, wenn auch minim. Die gängige Definition für eine Rezession – zwei Quartale mit Minuswachstum in Folge – wäre damit erfüllt. Dennoch wollte Sturm das hässliche R-Wort nicht in den Mund nehmen, weil er für die zweite Hälfte des nächsten Jahres bereits wieder mit Schweizer Wachstumsraten von über 1 Prozent rechnet, und für das Gesamtjahr 2010 geht er von einem Plus von 1,5 Prozent aus.

Weshalb sah sich die KOF nun veranlasst, den konjunkturellen Ausblick für unser Land derart stark einzutrüben? Ausschlaggebend war der in den letzten Monaten zu beobachtende dramatische Stimmungseinbruch bei Konsumenten und Unternehmen in den europäischen Nachbarländern, von dem die Ökonomen richtiggehend überrumpelt wurden. Als Auslöser des Klimasturzes gilt aus Sicht der KOF primär der Inflationsschub, der zu Beginn dieses Jahres nach den Preissprüngen auf den Rohstoff- und Energiemärkten alle Konsumentenländer erfasste. Erst in zweiter Linie folgen die schwelende Finanzkrise und weitere Belastungsfaktoren wie die anhaltende Stärke des Euro und die Abkühlung der Weltwirtschaft.

Während die KOF-Ökonomen für die EU also auf kurze Sicht pessimistisch gestimmt sind und, wie im Fall der Schweiz, eine «technische Rezession» erwarten, geben sie sich mit Blick auf die USA recht gelassen. Für dieses und nächstes Jahr halten sie ein Wachstum der weltgrössten Wirtschaft von je um die 2 Prozent für möglich, wobei laut Prognose der Tiefpunkt im Schlussquartal 2008 erreicht wird und anschliessend eine stetige Erholung respektive Wachstumsbeschleunigung einsetzt.

. . . sorgt für Exportdämpfer

Diesen scharfen Gegenwind in Europa bekommt die Schweiz nun zu spüren: über die Exporte. Der während der letzten Jahre so zuverlässige Wachstumsmotor fällt im kommenden Jahr aus, erwartet die KOF doch lediglich eine Ausfuhrsteigerung von 0,9 Prozent. Und auch 2010 gehen ihre Ökonomen von einem negativen Aussenbeitrag aus, was bedeutet, dass das Wachstum der Importe in unser Land stärker ausfällt als das unserer Exporte.

Nicht besser siehts bei den Investitionen aus: Wegen des Dämpfers bei den Exporten erwartet die KOF in der Folge, dass die heimischen Unternehmen ihre Investitionspläne rasch zurückfahren. Mit den Ausrüstungsinvestitionen bricht somit ein zweiter Wachstumspfeiler weg. Als einzige Stütze für die konjunkturelle Dynamik verbleibt noch der Privatkonsum, der wesentliche Impulse aus der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte bezieht.

Vor diesem verdüsterten konjunkturellen Hintergrund ortet die KOF einen grösseren Spielraum für die Schweizerische Nationalbank (SNB), den Leitzins zu senken – zumal die Inflationsrate nach ihren Prognosen von 2,6 Prozent in diesem Jahr auf 1,5 respektive 1,3 Prozent in 2009/10 sinken wird. Die Ökonomen kalkulieren mit zwei Zinskürzungen der SNB um je 0,25 Prozentpunkte im Winterhalbjahr.

Unia: Kein Zurückstecken beim Lohn

Wenig Eindruck hinterlässt das neue Konjunkturszenario bei den Gewerkschaften. Die Unia sieht keinen Grund, von ihrer Forderung nach 4 bis 5 Prozent mehr Lohn abzurücken. Es wäre ja töricht, so ihr Sprecher Nico Lutz, beim Lohn zurückzustecken und damit noch den Privatkonsum als Konjunkturstütze zu gefährden. Lutz erinnerte ferner daran, dass sich die Lohnforderung an der «real erlebten» Teuerung und am «real erzielten» Produktivitätsfortschritt der Arbeitnehmer orientiere und nicht an einer Prognose.

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