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Spotify übertrifft auch unter Schweizer Flagge die Erwartungen

Der schwedische Streamingdienst wurde an der New Yorker Börse mit Schweizer Flagge begrüsst – und viel Geld.

Die New Yorker Börse hat die Schweiz mit Schweden verwechselt. (Bild: Twitter/Sven Carlsson)
Die New Yorker Börse hat die Schweiz mit Schweden verwechselt. (Bild: Twitter/Sven Carlsson)

Spotify feiert an der Wall Street doppelt Premiere: Die Aktien des Musikstreaming-Dienstes erschienen am Dienstag mit einem Eröffnungskurs von 165,90 Dollar auf den Kurstafeln – also rund einen Viertel höher als erwartet. Das Unternehmen wählte dabei den Weg über eine Direktplatzierung – ein Novum in der Geschichte der New York Stock Exchange (NYSE).

Zu Ehren des gewagten Gangs des schwedischen Unternehmens aufs Börsenparkett liess die NYSE zuvor ihre Fassade an der Wallstreet dekorieren. Unter einem gigantischen Banner mit dem Spotify-Logo hisste die NYSE neben zwei US-Flaggen zunächst auch irrtümlicherweise die Schweizer Fahne. Der Fauxpas wurde rasch bemerkt und behoben, die Schweizer Fahne wurde durch die schwedische ersetzt.

Anders als bei einem klassischen Börsengang wurden die Titel nicht vorab Investoren angeboten und anhand des Interesses ein Ausgabepreis ermittelt. Dadurch spart Spotify Millionen an Gebühren für Berater-Banken.

Der Debütkurs der schwedischen Firma errechnete sich aus Kauf- und Verkaufsorders nach Beginn des Börsenhandels an der Wall Street. Als Richtwert für Anleger hatte die NYSE den Referenzkurs für Spotify-Titel auf 132 Dollar festgesetzt.

Experten rechneten damit, dass die milliardenschwere Direktplatzierung im Falle eines Erfolges anderen, noch nicht börsennotierten Technologieunternehmen wie Uber und Lyft als Blaupause für ihre Neuemissionen dienen dürfte.

Spotify-Chef Daniel Ek spielte vorab die Bedeutung des Börsendebüts herunter. Es hebe das Unternehmen zwar auf die grosse Bühne, aber «es ändert nicht, wer wir sind, um was es uns geht und wie wir vorgehen».

Allzu hohe Erwartungen wollte Ek nicht wecken. «Ich habe keine Zweifel daran, dass es Aufs und Abs geben wird», schrieb der Schwede im Unternehmensblog. «Manchmal sind wir erfolgreich, manchmal straucheln wir.»

Kein Gewinn

Spotify, das weiterhin rote Zahlen schreibt, ist bereits weit gekommen. Das seit zehn Jahren am Markt befindliche Unternehmen aus Stockholm hält die grossen Technologiekonzerne wie Apple, Google und Amazon mit ihren Konkurrenzangeboten in Schach. Zudem ist es Spotify gelungen, den Wandel in der Musikbranche mitzugestalten.

Lange litt die Industrie darunter, dass immer weniger Menschen CDs kauften. Inzwischen kommen Marktschätzungen zufolge 60 Prozent aller Musikumsätze von Streamingdiensten, bei denen Nutzer Abonnements abschliessen, um Zugriff auf riesige Musikbibliotheken zu haben.

Der von der NYSE festgesetzte Referenzpreis für Spotify lag bei 132 Dollar je Aktie, womit das Unternehmen insgesamt mit 23 Milliarden Dollar bewertet wurde. «Gemessen am Handel auf dem Graumarkt sowie an Angebot und Nachfrage sollte dies ein fairer Preis sein», sagte ein Händler.

Bei einer Direktplatzierung fällt der übliche von Banken organisierte Preisbildungsprozess im Vorfeld weg, was eben auch für Volatilität sorgt.

Kein normales Unternehmen

Spotify sei kein gewöhnliches Unternehmen, begründete der 35-jährige Mitgründer Ek den speziellen Weg an die Börse, den an der NYSE bisher noch keiner gegangen ist. Es gab weder eine Werbetour bei Investoren, um die Aktien anzupreisen, noch eine Zeichnungsfrist oder einen Ausgabepreis. Das spart Zeit und Geld, ist aber auch riskant. Hinzu kam die Unsicherheit durch das zuletzt schwache Marktumfeld.

Technologiewerte gehören seit dem Datenskandal bei Facebook und der Kritik von US-Präsident Donald Trump an Amazon zu den grossen Verlierern. Allerdings deutete am Dienstag alles auf eine Erholung hin. Zum Handelsstart legte der Dow Jones 0,5 Prozent zu.

Spotify gehört nach Snap, Facebook und Alibaba zu den grössten Börsendebüts von Techkonzernen an der Wall Street der letzten Jahre. Das Debüt des weltgrössten Internet-Netzwerkes 2012 verlief – auch wegen technischen Problemen – mehr als holprig. Trotzdem hat der Konzern von Mark Zuckerberg seither seinen Börsenwert mehr als vervierfacht. Spotify hat beim Emissionserlös zunächst den Betrag von bis zu einer Milliarde Dollar als Platzhalter angegeben. Zum Vergleich: Facebook sammelte am Ende 16 Milliarden Dollar ein.

AFP/nag

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