An der Wallstreet geht die Angst vor den Demokraten um

Die Banker wehren sich nicht gegen eine Beschränkung ihrer Boni – denn bei einem demokratischen Wahlsieg 2020 droht ihnen grösseres Unheil.

Die Chefs der fünf grössten Wallstreet-Banken kassierten 2018 sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr – 31 Millionen Dollar waren es bei Jamie Dimon von J.P. Morgan Chase.

Die Chefs der fünf grössten Wallstreet-Banken kassierten 2018 sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr – 31 Millionen Dollar waren es bei Jamie Dimon von J.P. Morgan Chase. Bild: J. Scott Applewhite/Keystone

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Die US-Regulierungsbehörden planen Einschränkungen für die Bezahlung von Bankern. Das berichtet das «Wall Street Journal» in seiner heutigen Ausgabe. Ein Teil der mächtigsten Vertreter der Branche zeigt sich gemäss dem Bericht offen gegenüber dieser Absicht. Das liegt aber nicht daran, dass sie die Einschränkungen an sich begrüssen. Vielmehr befürchten sie Schlimmeres, sollte im Jahr 2020 Donald Trump im Weissen Haus von einem Demokraten abgelöst werden. Der gegenwärtige Linksrutsch in dieser Partei könnte bei einem Wahlsieg bedeuten, dass die Banker härter angefasst werden als unter Trump, der von den Regulierungen wenig hält.

Dass überhaupt verschärfte Kompensationsregeln ausgearbeitet werden müssen, ist ein Erfordernis des sogenannten Dodd–Frank-Gesetzes. Dieses wurde noch unter Präsident Barack Obama im Jahr 2010 in Kraft gesetzt und hat in Bezug auf die Banker vor allem zum Ziel, dass diese keine Anreize zum Eingehen grosser Risiken erhalten, die zwar kurzfristig hohe Gewinne ermöglichen, mittelfristig dem Unternehmen und der Allgemeinheit aber grossen Schaden zufügen.

Die neuen Regeln fordern daher Bonisysteme, die dem Management einen Anreiz geben, die Gewinne des Unternehmens nachhaltig zu steigern. Erreicht wird das etwa durch Halteperioden für zugewiesene Aktien der eigenen Bank und durch die Möglichkeit, dass das Unternehmen die Boni auch wieder zurückfordern kann.

Sechs Aufsichtsbehörden reden mit

Es liegt einerseits am bisherigen Widerstand der Banker, dass die in diesem Gesetz geforderten Regeln bis heute nicht umgesetzt wurden, andererseits aber auch am Umstand, dass ganze sechs Aufsichtsbehörden in den USA bei der konkreten Ausgestaltung mitreden. Eine davon ist die US-Notenbank Federal Reserve. Zwei Anläufe scheiterten noch in Obamas Amtszeit, ein dritter im Jahr 2016.

Der Entwurf von 2016 sah vor, dass die grössten Banken die Auszahlung von mindestens der Hälfte der Boni um vier Jahre aufschieben – und damit um ein Jahr länger, als das der Branchenpraxis entspricht – und dass die Bankmanager bis zu sieben Jahre nach der Gutschrift der Boni jene wieder zurückzahlen müssen, wenn ihr Handeln der Bank schadet oder wenn die Bank die Ergebnisse, die zu den Boni geführt haben, nach unten korrigieren muss. Der letzte Entwurf scheiterte vor allem daran, dass sich die Finanzbranche gegen eine breite Anwendung dieser Regeln gewehrt hat. Die Branche wollte, dass die Regeln auf das Topmanagement beschränkt bleiben.

30-Millionen-Gehalts-Grenze geknackt

Für die Betroffenen hält sich das Problem in Grenzen. Den Regulierungen ist die Branche teilweise bereits zuvorgekommen. Bei Goldman Sachs zum Beispiel werden die auf Aktien basierenden Boni auf drei Jahre verteilt ausgegeben, und die Titel dürfen fünf Jahre lang nicht verkauft werden. Grund für die Anpassungen ist aber nicht nur das Verhalten der Regulierungsbehörden, sondern auch der Druck der Aktionäre und ihrer Vertreter.

Die bisherigen Selbsteinschränkungen bei den Auszahlungsmodalitäten stehen zudem in einem Spannungsverhältnis zu den wieder deutlich angestiegenen ausbezahlten Summen. Jamie Dimon, CEO der Grossbank J.P. Morgan Chase, erhielt für das Jahr 2018 insgesamt 31 Millionen Dollar und ist damit der erste Bankmanager, der seit der Finanzkrise wieder die 30-Millionen-Gehalts-Grenze geknackt hat. Insgesamt kassieren die Chefs der fünf grössten Wallstreet-Banken sieben Prozent mehr als noch für das Jahr 2017.

Zu den Gehältern der Chefs der Schweizer Grossbanken ist bisher noch nichts bekannt. Sie werden erst mit der Veröffentlichung der Jahresberichte bekannt gegeben. Die Credit Suisse veröffentlicht ihren Bericht am 22. März, die UBS den ihren am 15. März.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.03.2019, 16:03 Uhr

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