Warum der besseren Hälfte die Hälfte zusteht

Jeff Bezos’ Scheidung könnte sein Unternehmen gefährden, schreiben Medien. Dabei ist es genauso sehr Frau Bezos’ Unternehmen.

Gemeinsam waren sie stark, gemeinsam wurden sie reich: Jeff und MacKenzie Bezos auf einem Bild von 2010. Foto: Getty Images

Gemeinsam waren sie stark, gemeinsam wurden sie reich: Jeff und MacKenzie Bezos auf einem Bild von 2010. Foto: Getty Images

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Der Name Jeff Bezos ist untrennbar verknüpft mit der digitalen Revolution. Man kennt ihn als Amazon-Gründer, Tech-Milliardär, «Washington-Post»-Retter und reichsten Mann der Welt. Der Name MacKenzie Bezos hingegen war bis vor kurzem kaum jemandem ein Begriff. Das änderte sich schlagartig, als die beiden auf Twitter in einer gemeinsamen Erklärung bekannt gaben, sie würden sich nach 25 Jahren Ehe scheiden lassen.

Die Nachricht katapultierte den Namen MacKenzie Bezos in die globale Öffentlichkeit, meistens mit dem Zusatz, dass die Noch-Ehefrau von Jeff Bezos nach der Scheidung die reichste Frau der Welt sein könnte. Und der mehr oder weniger expliziten Befürchtung, wieder einmal könnten finanzielle Ansprüche einer Frau zerstören, was der Mann im Schweisse seines Angesichts aufgebaut habe.

Zwar ist zurzeit noch alles andere als klar, wie das gigantische Bezos-Vermögen dereinst aufgeteilt wird. Das unter anderem hängt davon ab, wo das Paar die Scheidung einreicht. Ansässig sind die beiden in Washington, wo das Gesetz im Scheidungsfall eine paritätische Teilung des in der Ehe erwirtschafteten Vermögens vorsieht. Deshalb gab der Scheidungs-Tweet denn auch Anlass für ins Kraut schiessende Spekulationen. Da er nach wie vor an der Spitze des Konzerns steht und Mehrheitsaktionär ist, könnte eine Scheidung sich auch dramatisch auf den Marktwert des Unternehmens auswirken – wenn etwa seine Aktien aufgeteilt würden. Das würde dann auch die Aktionäre betreffen.

Bemerkenswert an diesem Fall ist auch die Art und Weise, wie er in den Medien verhandelt wird. Der Sender CNBC schrieb: «Jeff Bezos’ Scheidung könnte die teuerste werden, die es je gab.» Bei Forbes hiess es: «Kann die baldige Ex-Frau von Jeff Bezos Amazon zerstören?» Zwar ist verständlich, dass sich Journalisten und Aktionäre die Frage stellen, wie ein solches Ereignis sich auf eines der wertvollsten Unternehmen der Welt auswirken wird.

Gemeinsam beschlossene Arbeitsteilung

Aber in den Fragen schwingen massig Vorurteile mit: Dass der Mann seine Frau auszahlen müsse, ohne dass sie dafür etwas geleistet hätte. Dass sie ihn so ungerechtfertigt um Vermögenswerte erleichtert. Damit implizieren die (meist männlichen) Journalisten, die Frau sei Trittbrettfahrerin des Erfolgs ihres Gatten und profitiere so von seinem Erfolg, ohne selbst etwas geleistet zu haben.

MacKenzie Bezos passt aber gar nicht in dieses Bild, im Gegenteil. Die heute 48-Jährige war nie nur das hübsche Anhängsel eines genialen Erfinders. Sie spielte von Anfang an eine Schlüsselrolle bei Amazon. Sie traf ihren Mann 1993 als 23-Jährige und heiratete ihn ein Jahr später, bevor sie zusammen nach Seattle zogen und Amazon in einer Garage gründeten. Sie arbeitete dort an seiner Seite, packte zusammen mit Jeff in die ersten Bücherpakete für den Versand an die Kundinnen und Kunden und handelte die ersten Verträge aus.

Später bekam das Paar drei Kinder und adoptierte ein viertes. Um alle kümmerte und kümmert sich hauptsächlich MacKenzie. Die Ehe der beiden war eine gemeinsame Unternehmung mit gemeinsam beschlossener Arbeitsteilung, jeder steuerte seinen Teil bei. Und deshalb hat jetzt auch MacKenzie Anspruch auf ihren Teil. Da sie eine ausgeprägte soziale Ader hat, ist gut denkbar, dass sie mit ihrem Geld bald Dinge anstellen wird, die ihren Namen für immer im kollektiven Gedächtnis verankern werden. MacKenzie Bezos hätte es verdient.

Erstellt: 13.02.2019, 06:52 Uhr

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