Warum McDonald’s Facebook und Google nacheifert

Künstliche Intelligenz soll dem weltgrössten Hamburger-Konzern neuen Schub geben. Davon profitiert auch der Aargauer Küchenbauer Franke.

«Technologie ist ein entscheidender Faktor, um unser Wachstumsziel zu erreichen»: Küche von McDonald's.

«Technologie ist ein entscheidender Faktor, um unser Wachstumsziel zu erreichen»: Küche von McDonald's.

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«Die besten Pommes in der Branche, nun auch noch die besten Daten», schreibt ein User auf dem Karriereportal Linkedin. Der Kauf des israelischen Start-ups Dynamic Yield durch McDonald’s für 300 Millionen Dollar lässt aufhorchen. Das Unternehmen aus Tel Aviv ist kein Gastrobetrieb, sondern ein Technologieunternehmen, das Geld mit dem Sammeln und Auswerten von Daten für kundenspezifische Angebote verdient.

Personalisierte Angebote

Was hat McDonald’s mit dem grössten Zukauf der vergangenen zwanzig Jahre vor? Der Fast-Food-Riese will die Daten seiner Kunden nutzen, um das Geschäft anzukurbeln. Laut Steve Easterbrook, dem Chef von McDonald’s, sollen dazu mithilfe von Dynamic Yield im nächsten Jahr die Digitalanzeigen in den amerikanischen Drive-in-Restaurants angepasst werden, und zwar je nach Tageszeit, Wetter, Verkehrsaufkommen und Besucherandrang. Beispiel: Scheint die Sonne, wechselt die Leuchtreklame und schlägt den Passanten das Ice-Cream-Sortiment vor.

Später sollen die Gäste dann Menüvorschläge erhalten, die auf ihre persönlichen Vorlieben zugeschnitten sind. «Technologie ist ein entscheidender Faktor, um unser Wachstumsziel zu erreichen», erklärte Steve Easterbrook zur Übernahme.

McDonald’s testete die Technik von Dynamic Yield 2018 erstmals in mehreren US-amerikanischen Restaurants. Beim Fast-Food-Riesen wird immer häufiger an Bildschirm-Terminals in den Restaurants oder via Smartphone-App bestellt.

Aargauer Firma baut McDonald’s-Küchen

Die Digitaloffensive der Fast-Food-Kette ist Teil des grössten Umbaus der Unternehmensgeschichte. Dieser läuft unter dem Namen «Experience of the Future» (EOTF); weltweit werden das Essensangebot, Zubereitungsmethoden, Arbeitsabläufe und die Bedienung modernisiert.

Dafür werden auch die Küchen in den Filialen umgebaut. Davon profitiert eine Schweizer Firma: Die im aargauischen Aarburg ansässige Franke-Gruppe ist einer von zwei Anbietern, die weltweit McDonald’s-Küchen bauen. Rund die Hälfte der 38'000 Restaurants in über 100 Ländern werden von Franke modernisiert. Das Unternehmen hat bereits über 3000 Filialen des Schnellrestaurants erneuert.

Die umgebauten Lokale erhalten unter anderem digitale Menüanzeigen, Bestellterminals und Verbindungen zur Mobile-App. Entwickelt werden die Systeme ebenfalls von Franke - zusammen mit McDonald’s und Drittfirmen. Der Umsatz pro Gast sei in den Restaurants mit digitalen Bestellsystemen um bis zu 20 Prozent gestiegen, erklärte Franke-Inhaber Michael Pieper an der letztjährigen Medienkonferenz seines Unternehmens.

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McDonald’s zählt jeden Tag weltweit rund 68 Millionen Gäste. Wie viele davon bereits via Mobile-App bestellen, ist nicht bekannt. Die Zahl dürfte in den nächsten Jahren aber stark steigen. Fachleute sind überzeugt, dass darin für McDonald’s eine grosse Chance liegt. Denn Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Techriesen wie Google, Amazon und Facebook machen es vor und verdienen vor allem mit den Daten ihrer Kunden Geld. Wer auf Google nach einem neuen Staubsauger sucht, der erhält individuelle Onlinewerbung mit Staubsaugerangeboten.

Dieses Geschäftsmodell macht sich auch Dynamic Yield zunutze. «Amazon kann seinen Kunden passende Produkte empfehlen, Facebook kann den Mitgliedern exakt die Posts ausspielen, die sie sehen wollen», erklärte Liad Agmon, der Chef und Gründer von Dynamic Yield.

Prominente Kunden

Damit aus Daten individuelle Angebote entstehen, braucht es Softwareingenieure und Entwicklungsarbeit. Den meisten Firmen fehlen aber das Wissen und die Ressourcen dazu. Dynamic Yield entwickelt anhand von Datenmaterial Algorithmen für Drittfirmen. «Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, den Nutzern passgenaue Produkte zu empfehlen», erklärt Agmon. Kunden von Dynamic Yield sind unter anderem Ikea, Lacoste, Media-Markt und Prosieben.

Liad Agmon ist der Macher hinter Dynamic Yield. Der 43-Jährige gehört zu den bekanntesten Figuren der Start-up-Szene Israels. Agmon gründete bereits zwei Softwareunternehmen, die er jeweils nach wenigen Jahren verkaufte. 2012 startete er mit Dynamic Yield. Heute beschäftigt das Unternehmen 175 Mitarbeiter und zählt Niederlassungen in den USA, in Singapur und Deutschland.

Ende März verkündete Agmon seinen Mitarbeitern, dass McDonald’s sein Unternehmen gekauft habe. Die gesamte Belegschaft inklusive Management soll bleiben, der US-Burgerriese will Dynamic Yield als eigenständiges Tochterunternehmen weiterführen. Es soll auch künftig für andere Kunden Daten analysieren und aufarbeiten.

Die Anleger haben die Akquisition von Dynamic Yield freudig aufgenommen. Die Aktie von McDonald’s legt weiter zu, obwohl sie sich seit dem Start der Digitalstrategie bereits deutlich verteuert hat. McDonald’s sei auf dem besten Weg, ein Tech-Konzern mit angeschlossener Fast-Food-Küche zu werden, schwärmen Bankanalysten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.05.2019, 21:55 Uhr

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