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Warum Schweizer Unternehmen spitze sind

Bloss ein Jahr nach der Krise legen viele Schweizer Konzerne wieder starke Zahlen vor. Sie überraschen damit ein Heer von Wirtschaftsexperten. Die wahren Gründe für den Erfolg.

Wieder gut unterwegs: Swatch, ABB und die UBS.
Wieder gut unterwegs: Swatch, ABB und die UBS.

Viele Schweizer Firmen haben auf die Kosten geachtet. Doch viel ausschlaggebender für den Erfolg sind die boomenden Schwellenländern. Dank einer rasch wachsenden Nachfrage schiessen die Zahlen jener Unternehmen in die Höhe, die eng von den Konjunkturzyklen abhängig sind. Strahlendes Beispiel ist der Uhrenkonzern Swatch Group.

Der Weltmarktführer, der vor kurzem seinen Patron Nicolas Hayek verloren hat, hat seine eigenen Rekorde übertroffen und erstmals in einem Halbjahr über drei Milliarden Umsatz erzielt. Swatch verkaufte Uhren und Schmuck besonders gut in China.

Erholung bei Autozulieferern

Von der Nachfrage aus Fernost profitieren auch Technologiekonzerne wie ABB oder Sulzer, bei denen wegen den spätzyklischen Märkten zwar Umsätze und Gewinne in den letzten Monaten noch einmal zurückgegangen sind, die aber besser gefüllte Auftragsbücher verzeichnen.

Das baufreudige China ist nach Einschätzung des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG auch für Infrastruktur- Zulieferer wie Georg Fischer, Hersteller von Röhrensystemen, ein wichtiger Markt.

Das Schaffhauser Unternehmen fasst auch mit seiner Autozulieferungssparte wieder tritt. Auch die Winterthurer Rieter, Herstellerin von Textilmaschinen und Auto-Komponenten, erholt sich von der schweren Absatzkrise, die sie 2008 und 2009 enorm erschüttert hatte.

Nicht zu viel Euphorie

Vor allzuviel Euphorie in der Auto-Branche warnt aber Roger Neininger, Geschäftsleitungsmitglied bei KPMG: «Die aktuellen Absatzzahlen in den wichtigsten europäischen Märkten liegen teils massiv unter Vorjahr, weil staatliche Massnahmen zur Förderung des Absatzes zurückgenommen wurden.»

Daher dürfte laut Neininger für die Autozulieferer China noch wichtiger werden. Vor allem kleinere Schweizer Firmen sollten sich seiner Meinung nach noch stärker auf jenem Markt positionieren, entweder eigenständig oder mit langjährigen, lokalen Partnern.

Motor Deutschland

Daneben sollte die Bedeutung des wichtigsten Handelspartners Deutschland nicht vergessen werden, mahnen Experten an. Die grösste europäische Volkswirtschaft ist im zweiten Quartal 2,2 Prozent gewachsen, die stärkste Rate seit der Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren.

Schweizer Produkte werden in Deutschland gebraucht, oder die Deutschen verarbeiten und exportieren sie weiter. Der deutsche Export gewinnt dank der Euro-Schwäche an Schwung, was sich als zusätzlichen Stimulus auch auf die Schweiz auswirkt, wie Janwillem Acket, Chefökonom der Zürcher Bank Julius Bär, feststellt.

Gute Kapitalbasis der Banken

Die Schwergewichte schlagen sich gut: Grundsolide wie eh und je sind die Zahlen von Nestlé. Der Nahrungsmittelriese hat aber auch nie wirklich stark unter der Krise gelitten, genauso wie die Pharmakolosse Novartis und Roche.

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) verfügen im Branchenvergleich über eine komfortable Kapitalbasis und sie hätten den Stresstest für Banken in der EU problemlos bestanden. Zudem sind sie wenig in Staatspapiere kritisch verschuldeter Länder investiert.

Während die CS schon wieder davonzieht, scheiden sich die Geister an der Beurteilung der UBS-Leistung. Die Investmentbank hat sich im zweiten Quartal zwar eindrücklich zurückgemeldet, doch äussern sich manche Beobachter weiter vorsichtig, etwa weil der milliardenhohe Geldabfluss noch immer nicht gestoppt ist.

Teure Saison für Versicherer

Abhilfe schaffen dürften die Reichen in Fernost: «In Asien, aber auch im Mittleren Osten wird die UBS neuen Reichtum schaffen», sagt der Genfer Analyst Jérôme Schupp.

Durchwachsen sind die Ergebnisse der Versicherer: Sie profitieren teils von guten Kapitalerträgen, müssen aber mehr für Grossschäden wie das Erdbeben in Chile oder die BP-Ölkatastrophe berappen. Immerhin ist beim Rückversicherer Swiss Re die grosse Krise wegen verfehlten investmentbankartigen Finanzmarktgeschäften wohl endgültig Geschichte.

sda Zélie Schaller und Marc Forster/bru

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