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Was die Migros Ungelernten künftig bezahlt

Neue Mindestlöhne bei der Migros: Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma gibt es ab nächstem Jahr hundert Franken mehr Lohn.

kpn
Erhalten jährlich ein Gespräch zum Lohn: Eine Migros-Angestellte an der Kasse.
Erhalten jährlich ein Gespräch zum Lohn: Eine Migros-Angestellte an der Kasse.
Keystone

Die Migros erhöht den Mindestlohn für alle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab 2014 um 100 Franken. Damit kann ein frisch angestellter 20-Jähriger ohne Berufslehre mit 3800 Franken im Monat rechnen, und das 13-mal im Jahr.

Insgesamt erhöht der Detailhandelsriese die Lohnsumme 2014 um 0,6 bis 1 Prozent, wie er nach Abschluss der diesjährigen Lohnverhandlungen mitteilte. Die Lohnerhöhungen erfolgen individuell und leistungsbezogen.

Die neuen Mindestlöhne für Angestellte mit Lehre sind je nach Lehrzeit abgestuft. Jemand mit der vierjährigen Ausbildung zur Detailhandelsfachperson erhält neu 4200 Franken im Monat. Nach dreijähriger Lehrzeit sind es 4000 Franken Anfangsgehalt und mit der zweijährigen Grundausbildung 3900 Franken.

Mitarbeitergespräch und Kriterienkatalog

Für die individuellen und leistungsbezogenen Lohnerhöhungen führt die Migros jährlich ein Gespräch mit jedem Mitarbeitenden durch, wie Mediensprecher Urs Peter Naef auf Anfrage erklärte.

Aufgrund der Katalogs «Führen, Entwickeln, Entlöhnen» werde der Mitarbeitende nach zehn objektiven Kriterien beurteilt und qualifiziert. Dabei gebe es sicher Angestellte, die leer ausgehen, fügte Naef an.

Weiter räumte er das landläufige Vorurteil aus, die Frau an der Migros-Kasse müsse zum Mindestlohn arbeiten. Kassiererinnen und Kassierer seien qualifizierte Leute mit viel Verantwortung. Und das schlage sich in ihrem Lohn nieder, erklärte Naef.

Die Lohnerhöhungen gelten für alle Angestellten, die dem Migros-Landes-Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind. Das sind nach Auskunft Naefs knapp über 60'000 Beschäftigte.

Ausgang Septemberteuerung

Als Referenzgrösse für die Lohnanpassung ziehen die Migros und ihre Sozialpartner jeweils die Septemberteuerung bei. Da die Preise in diesem Monat um 0,1 Prozent sanken, geht die Migros gemäss Communiqué davon aus, dass die Kaufkraft ihrer Mitarbeiter steigt. Wie die Migros in der Mitteilung weiter schreibt, stiegen die Löhne bei ihr seit 2002 inflationsbereinigt um 14,2 Prozent.

2013 hatte Migros die Lohnsumme um 0,5 bis 1 Prozent erhöht, dabei aber auf eine Anpassung der Mindestlöhne verzichtet. Ihre Sozialpartner sind die Landeskommission der Migros-Gruppe, der Kaufmännische Verband und der Metzgereipersonal-Verband der Schweiz.

Seit 2003 nicht mehr dabei ist die Gewerkschaft Unia, die neben anderen auch Detailhandelsbeschäftigte vertritt. Die Einheitsgewerkschaft hatte damals der von der Migros geforderten Friedenspflicht nicht beipflichten wollen.

Lohnerhöhungen bei der Konkurrenz

Auch die Konkurrenz des Orangen Riesen erhöht die Lohnsumme. Bei Coop steigt die Lohnsumme um 1 Prozent. Mindestens zwei Drittel des dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellten Personal sollten in Genuss der Erhöhung kommen, hiess es bei Bekanntgabe des Lohnabschlusses. Die Lohnerhöhung gilt auch für Angestellte mit Einzelverträgen.

Coop vereinbarte die Lohnanpassungen mit dem Kaufmännischen Verband Schweiz, der SYNA/OCST (Organizzazione Cristiano-Sociale Ticinese) und dem Verein der Angestellten Coop (VdAC). Die Unia-Delegierten ratifizierten das Resultat nicht. Neu ausgehandelt und um vier Jahre verlängert wurde bei Coop auch der GAV, dem 37'000 Angestellte unterstehen. Hier ist auch die Unia mit von der Partie.

Der deutsche Discounter Lidl zahlt seinen Angestellten in der Schweiz neu einen Mindestlohn von 4000 Franken. Bisher lag dieser bei 3800 Franken. Zudem passte er auch andere Lohnbänder nach oben an. Dadurch steigt die Lohnsumme um 2,5 Prozent.

Die Erhöhungen sind ebenfalls in einem GAV geregelt und treten schon ab Dezember in Kraft. Gewerkschaften kritisieren beim Lidl-Mindestlohn allerdings, dass die Angestellten ihn kaum erreichen können, denn ein Grossteil von ihnen sei nur in Teilzeit beschäftigt.

(SDA)

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