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Was die US-Banken richtig gemacht haben

Der EZB-Stresstest wird zeigen, wie gesund die europäischen Banken sind. Schon jetzt steht fest: Nach der Finanzkrise haben die Amerikaner vieles besser gemacht als die Europäer.

Zu schmerzhaften Massnahmen verdonnert: Filiale der Bank of America in New York. (Archivbild)
Zu schmerzhaften Massnahmen verdonnert: Filiale der Bank of America in New York. (Archivbild)
Keystone

Morgen verkündet die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse ihres Stresstests von 130 europäischen Banken (siehe Box). Er wird Auskunft darüber geben, wie es um die wichtigsten Geldhäuser Europas bestellt ist und ob sie für neue Krisenzeiten gerüstet sind. Unabhängig vom Ausgang dieses Tests schauen schon jetzt viele Experten bewundern über den Atlantik: Wie die USA ihre Banken nach der grossen Finanzkrise stabilisiert haben, gilt als vorbildlich.

Die Institute dort haben sich von den Folgen der Lehman-Pleite erholt und erwirtschaften wieder dicke Gewinne. Das Vertrauen ist zurück. Dazu beigetragen hat neben der Politik des billigen Geldes der Notenbank auch die Politik mit rigorosen Massnahmen und strengen Stresstests. Europa war da viel vorsichtiger - mit der Folge, dass viele Investoren den Banken immer noch nicht trauen. Das soll unter der neuen Oberaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) besser werden.

Nicht mehr lebensfähige Institute abgewickelt

Nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers setzte die US-Regierung den grossen Instituten die Pistole an die Brust und zwang sie, schnell viel neues Kapital aufzunehmen.

Wer sich Geld nicht am Markt beschaffen konnte, musste gigantische Staatshilfen akzeptieren. Zugleich forcierten die Amerikaner die Abwicklung von kleinen, nicht mehr lebensfähigen Instituten.

Gekoppelt haben die USA diese Massnahmen mit regelmässigen Stresstests, in denen sie die Schwachstellen der Banken aufdecken und deren Widerstandsfähigkeit bei neuen Krisen prüfen wollten. Dabei entdeckten die Aufseher teilweise gigantische Löcher. Bei der ersten Belastungsprobe im Frühjahr 2009 fehlten fast 75 Milliarden Dollar, davon fast die Hälfte bei der Bank of America. Diese Lücken mussten die Institute schnell stopfen.

Böse Überraschungen bleiben nicht aus

Seit der Krise schicken die USA ihre Banken jedes Jahr durch neue Härtetests. Böse Überraschungen bleiben dabei nicht aus. So mussten etwa Citigroup und Bank of America unangenehme Schlappen einstecken: Weil die Aufsicht deren Kapitalpuffer für zu dünn hielt, mussten die Institute Dividendenpläne zurückstellen.

Ein herber Schlag in einem Land, in dem Shareholder-Value - die Steigerung des Börsenwerts im Interesse der Aktionäre - ganz hoch gehängt wird. Doch die Kurse litten nur kurz, langfristig stieg das Vertrauen der Investoren.

Diesseits des Atlantiks ging die Politik wesentlich nachsichtiger mit den Banken um. Das hat auch damit zu tun, dass viele Institute riesige Bestände an Staatsanleihen halten. Wären sie gefallen, hätte das die Schuldenkrise noch einmal verschärft. So galten die bisherigen Stresstests als viel zu lasch. Deshalb schlägt den europäischen Geldhäusern bis heute grosses Misstrauen an den Märkten entgegen. Nun soll es die EZB endlich richten.

SDA/fko

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