Der Credit Suisse das SKA-Logo weggeschnappt

Eine Zürcher Finanzfirma hat den alten Namen der Credit Suisse schützen lassen. Sie hat mit der Marke Kreditanstalt viel vor.

Massenphänomen: Die Schweizerische Kreditanstalt liess 1977 800'000 SKA-Mützen verteilen.

Massenphänomen: Die Schweizerische Kreditanstalt liess 1977 800'000 SKA-Mützen verteilen. Bild: Keystone

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Drei Buchstaben dominierten Strassen, Schlittelhänge und Skipisten. Die Marke SKA war im Winter 1977 omnipräsent. Mit ihrer weiss-rot-blauen Mütze, auf der ihr Name und ihr Logo prangten, hatte die Schweizerische Kreditanstalt SKA einen Marketingcoup gelandet. 800'000 Exemplare der Kopfbedeckung aus Acryl waren verteilt worden. Sie fanden reissenden Absatz und sassen schon bald auf den Köpfen ganzer Schweizer Schulklassen.

Die Mütze wird noch heute im Internet und in Hipster-Shops als Kult-Accessoire gehandelt. Schon bald wirbt sie jedoch nicht mehr für die Grossbank, die sich inzwischen Credit Suisse nennt. Denn die Firma Fischer & Co Beteiligungen aus Erlenbach ZH hat die Marke am 1. Juni neu ins Markenregister eintragen lassen, wie die «Handelszeitung» berichtet. 2014 war der Schutz ausgelaufen. Die Beteiligungsgesellschaft schnappte sich nicht nur den Namen, sondern gleich auch das ehemalige Logo sowie die Abkürzung SKA, die vor vierzig Jahren auf den schweizerischen Kinderköpfen prangte. Auch der Name Schweizer Kreditanstalt wurde gesichert.

Credit Suisse prüft den Fall

Hinter dem Antrag von Fischer & Co steht die Schweizer Kredit AG mit Sitz in Zürich. Sie will nach eigenen Angaben Kunden «auf diskrete Art und Weise Zugang zu Finanzierungslösungen und Krediten bieten», wie sie selbst auf ihrer Webseite schreibt. Geschäftsführer Chris Moos bestätigt den Schritt: Die Firma sei mit dem Ziel gegründet worden, innerhalb von drei bis fünf Jahren einen Marktanteil im Konsumkreditmarkt Schweiz von rund 10 Prozent zu erreichen.

Dies entspricht einem Kreditvolumen von mehreren 100 Millionen Schweizer Franken. Aktuell hat die Schweizer Kredit AG Kredite von über 50 Millionen Franken ausgegeben und über 125 Millionen Franken Franken an Kreditanfragen bearbeitet, so Moos gegenüber dem Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Schweizer Kredit AG beabsichtige laut dem Firmenmitgründer zudem, sich in naher Zukunft in Schweizer Kreditanstalt AG umzubenennen. Die Vorprüfungen im Handelsregister sei bereits erfolgt. Sollte das gelingen, wäre die SKA wieder auferstanden.


Das Logo, das nun neu ins Markenregister eingetragen wurde – es ist das frühere Logo der Credit Suisse, das 1977 auch auf den Mützen zu finden war.

Die Credit Suisse wurde vom Coup der kleinen Finanzfirma überrascht. Viel will sie dazu aber noch nicht sagen. «Wir schauen uns die Hintergründe der Markeneintragung an, um eine mögliche Verwechslung zu vermeiden», erklärt ein Sprecher lediglich. Ob man rechtliche Schritte gegen die neue Eigentümerin ergreifen wird, lässt der Finanzriese offen.

Swiss und UBS machen es anders

Noch ist das Gesuch von Fischer & Co beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum hängig und damit noch nicht abschliessend bewilligt. Die Einspruchsfrist läuft noch. Fakt ist aber, dass die Credit Suisse es einfacher hätte haben können. Sie hat es 2014 unterlassen, den Markenschutz zu erneuern, als er ausgelaufen war. Offenbar hatte die Grossbank damals keinen Bedarf mehr für den historischen Namen gesehen. Sie hatte ihn 1996 aufgegeben.

Anders ging die Swiss vor, die vor einer ähnlichen Ausgangslage stand. Die Fluggesellschaft kaufte 2009 die Markenrechte ihrer Vorgängerin Swissair aus dem Nachlass. Sie tat es nicht, weil sie den einst klingenden Namen wieder irgendwann einmal aufleben lassen will. «Wir wollen in erster Linie verhindern, dass andere Airlines den Namen verwenden können», erklärte damals ein Swiss-Sprecher. Auch die UBS hält den Schutz für die Namen ihrer Vorgängerinstitute Schweizerischer Bankverein und Schweizerische Bankgesellschaft weiterhin aufrecht.

PS: Noch eine andere ehemalige Marke der Credit Suisse steht zur freien Verwendung: Der Schutz des Namens Schweizerische Volksbank – ein Geldinstitut, welches die CS 1993 geschluckt hat – ist ebenfalls 2014 ausgelaufen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.06.2017, 15:06 Uhr

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