Was Reisende jetzt wissen müssen

Reisebüros rufen ihre Kunden an, Swiss annulliert Flüge, unverwüstliche Schweizer bleiben in Florida: Der Hurrikan Irma beeinflusst auch den Tourismus.

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Der Hurrikan Irma hat die Karibikinseln hinter sich gelassen und nimmt Kurs auf die Südostküste der USA. Laut der UNO könnten in den nächsten Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Folgen des Sturms betroffen sein. Darunter sind auch zahlreiche Schweizer Touristen. Was sie jetzt wissen müssen.

Was passiert mit Touristen, die schon vor Ort sind?

In Florida befinden sich derzeit 73 Kunden des Reisekonzerns Hotelplan Suisse. «Wir klären mit ihnen individuell ab, wie sie vorgehen möchten», sagt Hotelplan-Group-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Einige wollten früher nach Hause zurückfliegen oder ihre Reiseroute anpassen. Andere wollten bleiben, vor allem Kunden, die über den Ferienhausvermittler Interhome gebucht hätten. «Sie waren oft schon mehrmals in Florida und wollen abwarten.» An Evakuierungsbefehle der Behörden müssten sich aber natürlich auch die Touristen halten. So seien am Mittwoch Kunden in Key West evakuiert worden, gestern in den Florida Keys sowie in Teilen von Miami. «Für sie suchen wir alternative Unterkünfte ausserhalb des Gefahrengebiets», sagt Huguenin.

Der Reisevermittler Tui hat 127 Gäste in der Karibik, die laut einer Sprecherin von Reiseleitern betreut und informiert werden. Kuoni versucht, die Gäste über Partner vor Ort in sichere Alternativhotels zu bringen. Falls das nicht möglich sei, «so bitten wir Gäste, die Anweisungen der Behörden vor Ort zu befolgen», sagt ein Sprecher.

Infografik: Turbulente Sturmmaschine über dem Atlantik Grafik vergrössern

Müssen gebuchte Flüge zwingend angetreten werden, trotz Sturm?

Bei Touristen, die für die nächsten Tage einen Flug in die betroffenen Gebiete gebucht haben, zeigt sich die Hotelplan-Gruppe kulant. Reisen nach Kuba, in die Dominikanische Republik oder auf die Bahamas mit Abflug bis und mit Sonntag können laut Huguenin kostenlos umgebucht oder storniert werden. Dasselbe gilt für Reisen nach Florida mit Abflug bis und mit Dienstag. Grundsätzlich halte man sich an die Angaben des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA). Es rät im Moment nicht generell von Reisen in die betroffenen Gebiete ab.

Auch der Reiseveranstalter Tui kommt seinen Kunden entgegen. Er bietet für Gäste, die eine Reise in die Dominikanische Republik oder nach Kuba mit Anreise bis und mit Sonntag gebucht haben, kostenlose Umbuchung in eine andere Destination oder Annullation der Reise an. Wer bis und mit Dienstag nach Florida reisen will, kann ebenfalls kostenlos umbuchen oder annullieren. Über Kuoni gebuchte Flüge können bis zum 10. September (Dominikanische Republik), 15. September (Florida) und 17. September (Key West) umgebucht oder annulliert werden.

Anders sieht es aus, wenn ein Flug auf eigene Faust gebucht wurde. «Solange der Flug durchgeführt wird, kann der Kunde in der Regel nicht davon zurücktreten», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands (SRV).

Die Airline Swiss hat ihre drei Flüge nach Miami zwischen Freitag und Sonntag gestrichen. Die Passagiere würden auf die nächstmöglichen Gelegenheiten umgebucht. Die Airline Edelweiss hat die Flüge von und nach Tampa vom Sonntag annulliert. Alle anderen Strecken bleiben bestehen. Seit Mittwoch bieten die Airlines der Lufthansa-Gruppe inklusive Swiss und Edelweiss eine einmalige kostenlose Umbuchung für Miami, Tampa, Orlando, Havanna und Punta Cana an.

Was passiert mit Touristen, die Ferien über ein Reisebüro gebucht haben?

Das hängt davon ab, ob sie über das Reisebüro eine Pauschalreise oder einzelne Leistungen vor Ort gebucht haben. «Bei der Pauschalreise kümmert sich der Veranstalter um alle Eventualitäten», sagt Reiserechts-Experte Rolf Metz. Kommt er zum Schluss, dass die Reise gefahrlos durchgeführt werden kann, kann der Tourist sie nicht einfach so stornieren. Falls das Reisebüro lediglich die Leistungen vor Ort vermittelt hat, hängt laut Metz alles von den Leistungserbringern ab, zum Beispiel den Hotels.

Und welche Regeln gelten für selbstständig gebuchte Reisen?

Falls Übernachtungen über eine Onlineplattform gebucht wurden und das Hotel wegen der Unwetter schliessen muss, schaltet sich möglicherweise die Plattform ein. Die Seite Expedia.ch zum Beispiel schreibt in ihren Geschäftsbedingungen zu Ereignissen wie Hurrikans, sie unternehme «alle zumutbaren Anstrengungen», um die Kunden zu informieren. Und sie werde ihnen «nach Möglichkeit eine alternative Unterkunft in einem anderen Hotel anbieten, mit mindestens der gleichen Sternekategorie und ähnlichen Dienstleistungen». Falls der Kunde das nicht wolle, werde Expedia sicherstellen, dass alle bezahlten Beträge zurückerstattet würden.

Hat der Kunde direkt bei einem Hotel gebucht, das geschlossen werden muss, bekommt er in der Regel sein Geld zurück. Das Problem dabei laut Metz: «Oft wurde die Übernachtung schon per Kreditkarte vorausbezahlt. Das Hotel muss das Geld also rückerstatten – was schwierig werden kann, wenn es längere Zeit geschlossen ist.»

Falls das EDA vom Besuch eines bestimmten Gebiets abrät, übernimmt die Reiseversicherung unter Umständen die Annullierungskosten. Im schlimmsten Fall muss der Tourist selber für die Kosten aufkommen – insbesondere, wenn er keine Reiseversicherung hat.

Video: So sieht Irma aus dem Weltall aus

Die internationale Raumstation überflog am Donnerstag zum dritten Mal Hurrikan Irma.

Erstellt: 08.09.2017, 17:26 Uhr

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