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Was Stadler Rail mit dem Ende des deutschen Bergbaus zu tun hat

Die deutsche Kohle-Stiftung RAG ist an Stadler Rail und der Schweizer Pharmafirma Siegfried beteiligt.

Ende einer Epoche: Im Ruhrgebiet wird bald keine Steinkohle mehr gefördert. Die Region rüstet sich für die Zeit danach.
Ende einer Epoche: Im Ruhrgebiet wird bald keine Steinkohle mehr gefördert. Die Region rüstet sich für die Zeit danach.
Marcel Kusch, Keystone

Ihre Tage sind gezählt. Ende 2018 werden die letzten Steinkohlenbergwerke in Deutschland schliessen. Auch die heute noch aktiven Werke in Bottrop und Ibbenbüren werden dann stillgelegt. Im Ruhrgebiet endet damit eine zweihundertjährige Epoche. Die Kohle prägte dort das Leben von ganzen Generationen. Doch mit dem Schliessen der Betriebe ist es nicht getan. Über Jahrzehnte hinweg müssen in der Region die Folgen des Bergbaus aufgefangen werden.

Um das Geld dafür aufzutreiben bewirtschaftet eine dafür eingesetzte Stiftung ein 17 Milliarden Euro schweres Vermögen. Die RAG-Stiftung soll ihr Geld vermehren, aber dafür keine allzu grossen Risiken eingehen. Dafür setzt die Stiftung zunehmend auf Beteiligungen in der Schweiz. Im Sommer berichtete die «Handelszeitung», dass die RAG-Stiftung ihren Anteil beim Thurgauer Bahnbauer Stadler Rail auf 10 Prozent ausbaut. Dieser Tage gab die Stiftung bekannt, dass sie ihren Anteil am Aargauer Pharmazulieferer Siegfried auf ebenfalls fast 10 Prozent erhöht.

RAG-Stiftung ist Stadler-Aktionär

Stadler Rail und die RAG-Stiftung verbindet viel. Stadler-Aktien werden fast ausschliesslich von der Familie Spuhler und den Mitarbeitern der Firma gehalten. Die RAG-Stiftung ist der einzige externe Aktionär. Werner Müller, der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister, sitzt im Verwaltungsratvon Stadler und auch im Vorstand der RAG-Stiftung. Die Immobilientochter der Stiftung war es, die laut «Handelszeitung» Stadler Rail das Land für einen neuen Standort verkaufte. Der Schweizer Bahnbauer wird dort 25 Millionen Euro investieren und soll bis zu 40 Arbeitsplätze schaffen.

Die RAG-Stiftung ist aus dem Energiebetrieb Ruhrkohle entstanden. Die Stiftung hält die Mehrheit am Spezialchemie-Unternehmen Evonik. Hinzu kommen Investments auf der ganzen Welt. Diese sollen eine Rendite abwerfen. Denn die Stiftung muss laut eigenen Angaben ab 2019 jährlich 220 Millionen Euro ausgeben, um die sogenannten Ewigkeitsaufgaben zu erledigen. Das bedeutet vor allem, den durch den Bergbau beeinflussten Wasserhaushalt der Region auszugleichen.

Stiftung verdient 400 Millionen Euro

Nur schon das Auspumpen des Grundwassers aus den Gruben kostet jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag. So soll dafür gesorgt werden, dass sich das Grubenwasser nicht mit dem Trinkwasser vermischt. Zudem muss die Stiftung auch dafür sorgen, dass das Wasser gereinigt wird.

Es sieht derzeit gut aus, dass der Stiftung das gelingt. Im letzten Jahr erwirtschaftete sie einen Überschuss von gegen 400 Millionen Euro. Doch das Geld fliesst nicht nur in die Aufarbeitung der Altlasten. Die Stiftung unterstützte im letzten Jahr auch Bildungs- und Kulturprojekte,wie etwa einen Dokumentarfilm über das Ende des Kohlebergbaus. Insgesamt flossen bereits rund 30 Millionen Euro in solche Vorhaben. Die RAG-Stiftung erhofft sich davon neue Impulse für die Zukunft der Region. Bis dahin will sich die Region aber würdig von der Kohle verabschieden. (jb)

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