Was Uniqlo und Federer gemeinsam haben

Der neue Sponsor des Tennisstars ist hierzulande kaum bekannt. Die Geschichte der japanischen Modemarke ist wechselreich und voller Rückschläge. Wie die des Ausnahmesportlers.

Roger Federer wurde als Weltstar engagiert und nicht als Schweizer. Uniqlo-Kleiderläden sind hierzulande noch nicht geplant. Foto: Sven Thomann (Freshfocus)

Roger Federer wurde als Weltstar engagiert und nicht als Schweizer. Uniqlo-Kleiderläden sind hierzulande noch nicht geplant. Foto: Sven Thomann (Freshfocus)

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Roger Federer und Tadashi Yanai, der Gründer und Chef der japanischen Modekette Uniqlo, haben einiges gemein: Beide sind in einer Disziplin zum Weltstar geworden, in der ihr Land zuvor nie grosse Erfolge hatte. Doch das war beiden nicht genug; sie wollten ihre Branche dominieren. Von Rückschlägen lässt sich Yanai so wenig beirren wie Federer. Vor 15 Jahren schrieb der heute 69-Jährige eine Autobiografie: «Ein Gewinn und neun Niederlagen». Im Jahre 2020 wolle er die «Nummer eins der Welt» sein, sagte er einst. Dazu hat er nun mit der Nummer eins der Tennisgeschichte eingespannt als Uniqlos globalen «Markenbotschafter». Der Tennisstar soll dafür jährlich 30 Millionen US-Dollar erhalten.

So wichtig wie die Ähnlichkeiten sind allerdings auch die Unterschiede: Yanai stammt aus der japanischen Provinz. Die Nummer 33 auf Bloombergs Liste der reichsten Menschen ist in Japan ein Aussenseiter. Er kritisiert den Industrieverband für seine Behäbigkeit. Er wagt viel und fürchtet sich nicht, Fehler zu machen. Das gilt in Tokio als unfein.

Reich und diskret

Den grossen Auftritt meidet er eher, strahlen sollen für ihn andere. Tennisstar Novak Djokovic etwa, der für Uniqlo warb, auch Nobelpreisträger Shuji Nakamura, der Erfinder des Blauen Lasers. Und nun Federer, «einer der grössten Champions der Geschichte», wie Yanai sagt. «Mein Respekt für ihn reicht über den Sport hinaus. Bei unserer Partnerschaft geht es nicht nur um Innovation auf dem Tennisplatz, sondern auch ausserhalb. Wir teilen das Ziel, die Welt besser zu machen.»

Yanais Vater betrieb im westjapanischen Städtchen Ube ein kleines Herrenmodegeschäft. Der Sohn studierte an der renommierten Waseda-Universität Wirtschaft und Politische Wissenschaften. Nach einem Lehrjahr bei der Supermarktkette Jusco stieg er mit 23 ins elterliche Geschäft ein. 1984 eröffnete er eine erste Filiale in Hiroshima, die er «Unique Clothing» nannte, abgekürzt wurde daraus «Uniqlo». 1991 benannte er die väterliche Firma in «Fast Retailing» um. So heisst die Holding bis heute, der ausser Uniqlo weitere Modelabels an­gehören. 1984 hatte Fast Retailing ein Aktienkapital von knapp 9 Millionen Franken – heute beträgt die Marktkapitalisierung mehr als 47 Milliarden. Der Aktienpreis hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Voriges Jahr setzte der Konzern mit mehr als 42 000 Angestellten umgerechnet mehr als 16 Milliarden Franken um.

Uniqlo wurde oft als «Japans Benetton» bezeichnet. Yanai hat auch Next, GAP, Zara und H & M als Vorbilder genannt. Inzwischen ist sein Unternehmen jedoch grösser als einige von ihnen. Und technologisch innovativer. Für die Marktforschung betreibt Uniqlo eine IT-Abteilung. «Wir produzieren nur, was die Kunden wollen», so Yanai. Ausserdem setzt Uniqlo auf neue Textiltechnologien. Etwa für «Heattech», ein Gewebe für den Winter, das den Körper anderthalbmal wärmer hält, oder für «Dry» für den Sommer: Dieser Stoff absorbiert den Schweiss schneller und bleibt trocken.


Video: Roger im neuen Kleid

Ungewohnt neu auf dem Tennis-Court: Federer tritt nicht mehr im Nike-Look auf sondern trägt jetzt Uniqlo.


Uniqlo zieht die Japaner an. Mit Preisen, wie man sie sich in der Schweiz gar nicht vorstellen kann. Viele Japaner schauen deshalb immer erst bei Uniqlo, wenn sie neue Klamotten brauchen. Jeans für 25 bis 35 Franken, ein Hemd für 25, ein Blazer für 60 Franken. Und man sieht den Kleidern nicht an, wie günstig sie sind. Yanai hat seine eigenen Leute in den Fabriken in China, Vietnam und anderen Ländern, in denen er produzieren lässt – Gerüchten zufolge auch in Nordkorea. Zudem engagiert er berühmte Designer. Jil Sander etwa und neu Tomas Maier.

In Japan betreibt Uniqlo derzeit 832 Läden. In optisch minimalistischem Design, offen und grell erleuchtet, schüchtern sie die Kunden nicht ein wie Tokios Edelboutiquen. Am Eingang stapeln sich Einkaufskörbe wie im Supermarkt; da die Preise so tief sind, nimmt man hier noch einige Paar Socken mit, dort noch ein T-Shirt.

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Doch Japans Konsum stagniert seit 25 Jahren. Uniqlo hat der Konkurrenz zwar viel Wasser abgegraben. Doch um weiterzuwachsen, so Yanai schon vor 20 Jahren, wolle er ins Ausland expandieren. Zwischen 2001 und 2003 eröffnete Uniqlo 23 Läden in England, 16 mussten wieder schliessen. «Wir sind in Grossbritannien, in China und in den USA gescheitert», sagte Yanai einmal. Doch er weigerte sich aufzugeben. Im zweiten Anlauf konzentrierte sich Uniqlo zuerst auf Asien – und aufs Internet. Damit schlug Uniqlo ein.

Erst allmählich richtete Yanai seinen Blick wieder nach Europa und auf die USA. In Deutschland hat Uniqlo seit 2014 fünf Läden eröffnet, in Frankreich 25. Auch in Russland, Belgien und Spanien ist Uniqlo schon präsent, Schweden, Holland und Dänemark folgen. Schweiz-Pläne hat Uniqlo bisher keine angekündigt. Roger Federer ist für Yanai eher Weltstar als Schweizer.

Erstellt: 04.07.2018, 20:35 Uhr

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Kritik am Ausrüster

Näherinnen warten auf ihr Geld

Die Aufmerksamkeit um Roger Federers neuen Ausrüster Uniqlo nutzen die Nicht­regierungsorganisationen Public Eye und die Clean Clothes Campaign, um auf einen Streitfall aus Indonesien aufmerksam zu machen. Demnach warten seit 2015 rund 2000 entlassene Arbeiterinnen, die für Uniqlo und andere Ketten Kleidung genäht hatten, auf 5,5 Millionen Doller Entschädigung. Sie hatten im Jahr 2000 ihre Jobs verloren, weil Auftraggeber ihre Bestellungen abrupt einstellten. Die Fabrik Jaba Garmindo ging pleite, im Insolvenzverfahren wurde den Näherinnen eine Entschädigung zugesprochen. Doch davon seien 5,5 Millionen Dollar noch offen. Public Eye rief in einem News­letter Leser dazu auf, den Tennisstar per Mail auf den Fall aufmerksam zu machen: «Roger Federer würde weinen, wenn er wüsste, wie sein neuer Sponsor geschäftet.» (Red)

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