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«Wegelin war erst der Anfang»

Mit dem Angriff auf die Bank Wegelin hätten die Amerikaner einen Präzedenzfall geschaffen, sagt Ex-UBS-Chef Oswald Grübel. Der Druck auf die anderen Banken steige.

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«Ein Präzedenzfall»: Oswald Grübel. (12. Mai 2011)
«Ein Präzedenzfall»: Oswald Grübel. (12. Mai 2011)
Keystone

Für den ehemaligen UBS-Chef Oswald Grübel kommt die Liquidation der St. Galler Privatbank nicht überraschend: «Das Ende der Bank Wegelin ist der Auftakt zu einem gross angelegten Angriff auf den Schweizer Finanzplatz», sagt Grübel zur Zeitung «Der Sonntag». «Den Amerikanern ist es mit der Wegelin gelungen, einen Präzedenzfall zu schaffen, an dem sich auch die Europäer künftig orientieren werden.»

Damit, folgert Grübel, steige auch der Druck für die übrigen zehn Banken an, die 2008 ebenfalls amerikanische UBS-Kundengelder übernommen haben. Dies bleibt nicht ohne Folgen: «Eine Lösung im Steuerstreit mit den USA dürfte diese Banken jetzt teuer zu stehen kommen.»

Für den früheren UBS-Chef hätte die jetzige Eskalation im US-Steuerstreit indes vermieden werden können: «Die Finanzmarktaufsicht hat den Ernst der Lage schlicht nicht erkannt.» Patrick Odier, Präsident der Bankiervereinigung, pocht derweil auf eine härtere Gangart gegenüber den USA, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Der Fall Wegelin zeige «die Dringlichkeit einer Lösung» auf.

Widmer-Schlumpf bedauert Verkauf

Die Schweizer Regierung hat die Aufteilung der Wegelin-Bank als Folge des US-Steuerstreits bedauert. Dies zeige wie notwendig es sei, schnell zu einer Einigung bei den Verhandlungen mit den USA zu kommen, sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Nur so könne verhindert werde, «dass andere Banken in ähnliche Situationen geraten», zitiert die «NZZ am Sonntag» die Bundesrätin.

Das US-Justizministerium wirft Wegelin Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor. Zehn weitere Banken stehen ebenfalls im Visier der amerikanischen Justiz, darunter Credit Suisse und Bank Bär. Die Amerikaner wollen Namen von mutmasslichen Steuersündern. Die Schweizer Banken können die Informationen nicht ohne weiteres herausgeben, da dies gegen Schweizer Recht und das Schweizer Bankgeheimnis verstossen würde.

Wegelin verkauft Grossteil des Geschäfts

Die Privatbank Wegelin & Co. hat den Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkauft. Die Teilhaber der ältesten Schweizer Privatbank reagieren mit diesem Schritt auf die drohende Klage aus den USA. Mit Ausnahme der US-Kunden werden sämtliche Geschäfte in die neu gegründete Notenstein Privatbank übertragen, wie die Wegelin Bank am Freitag mitteilte.

Besitzerin des neuen Unternehmens ist die Raiffeisengruppe. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Vermögenswerte der bisherigen Wegelin-Kunden in der Höhe von 21 Milliarden Franken werden vollumfänglich in die Notenstein Privatbank integriert. Auch die 700 Wegelin-Mitarbeitenden wechseln unter das Dach des neuen Finanzinstituts.

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