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Weko büsst CD-Hersteller

3,5 Millionen Franken müssen die Schweizer Tonträgerhersteller bezahlen. Sie haben laut der Wettbewerbskommission Parallelimporte behindert. Die Hitparade soll aber sauber sein. Das Reglement ist nun öffentlich.

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Abgeschotteter Markt: Kunden in einem Musikgeschäft. (Archivbild)
Abgeschotteter Markt: Kunden in einem Musikgeschäft. (Archivbild)
Keystone

3,5 Millionen Franken Busse wegen Behinderung von Parallelimporten muss IFPI Schweiz, der Dachverband der Ton- und Tonbildhersteller, bezahlen. Das hat die Wettbewerbskommission (Weko) entschieden. Vom Vorwurf der Hitparaden-Manipulation wurde der Verband aber entlastet.

Bei der Untersuchung der Hitparaden-Listen habe die Kommission einen einzigen Fehler gefunden und der sei schon in der Folgewoche korrigiert worden, sagte Weko-Präsident Vincent Martenet der Nachrichtenagentur sda. Auch die Aufnahmebedingungen in den Verband, in dem die sogenannten «Major Labels» wie Sony, Warner oder EMI den Ton angeben, sowie dessen für Radios kostenpflichtige Bemusterungsplattform MPN verletzten kein Kartellrecht, teilte die Weko mit.

IFPI hat gemäss eigenem Communiqué alle Behinderungen von Parallelimporten «unverzüglich korrigiert». Ausserdem hat der Verband ein umfangreiches Reglement über die Erstellung der offiziellen Schweizer Hitparade auf ihre Homepage gestellt.

Mehrfach abgesicherte Neutralität

Dort ist unter anderem nachzulesen, dass die Media Control AG im Auftrag von IFPI «nach anerkannten Regeln der Marktforschung und wissenschaftlichen Erkenntnissen» die Statistik ermittle.

In der Chartskommission, die die «Neutralität der Offiziellen Schweizer Hitparade sicherstellt», hat IFPI nur einen von drei Sitzen. Die beiden anderen Mitglieder stellen die Schweizer Interpretengenossenschaft und Swissperform. Ein unabhängiger Kontrollbeauftragter verhängt bei Missbräuchen Sanktionen.

Das Reglement sei nicht geändert worden, betonte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es sei nur transparent gemacht worden.

«Moralischer Sieg»

Für Shigs Amemiya vom digitalen Musikvertrieb iMusician, welcher den Ball ins Rollen gebracht hatte, ist der Weko-Entscheid ein «moralischer Sieg», wie er der sda sagte. Die Dinge hätten sich zweifellos zum Besseren verändert.

Sein Betrieb iMusicians, dem die Mitgliedschaft im IFPI versagt wurde, werde aber keinen weiteren Antrag auf Aufnahme stellen. IFPI hatte iMusicians mit der Begründung abgelehnt, das Unternehmen, das Künstlern und Künstlerinnen ermöglicht, ihre Musik digital im Netz zu vertreiben, sei kein Produzent. Im digitalen Zeitalter eine veraltete Ansicht, meint Amemiya, «in so einem Verband haben wir nichts zu gewinnen».

Grosse kommen Kleinen etwas entgegen

Lukas Weiss, Präsident der Unikom, ein Zusammenschluss von 18 Lokalradiosendern, hat wie Amemiya eine gewisse Entspannung im Umgang der marktbeherrschenden Major Labels mit kleinen Mitspielern beobachtet.

Er ist zuversichtlich, dass IFPI-Mitglieder künftig ihre Produkte auch auf der Unikom-Bemusterungsplattform stellen und so die finanzschwächeren Sender nicht mehr nötigen, sich ihre Musik von der IFPI-eigenen MPN teuer besorgen müssen. Ausserdem gibt er zu, dass die MPN-Tarife mittlerweile «relativ attraktiv» seien.

Gestört am Weko-Verfahren hat ihn aber, dass sich die Kommission ausschliesslich mit IFPI an den Tisch gesetzt habe. «Strange investigation», findet auch der gebürtige Australier Shigs Amemiya.

(SDA)

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