Weko genehmigt Übernahme von Goldbach durch Tamedia

Der Zürcher Medienkonzern hat von der Wettbewerbskommission grünes Licht erhalten.

Grünes Licht: Tamedia-CEO Christoph Tonini (r.) bespricht sich mit Jens Alder, VR-Präsident der Goldbach Group. (22. Dezember 2017)

Grünes Licht: Tamedia-CEO Christoph Tonini (r.) bespricht sich mit Jens Alder, VR-Präsident der Goldbach Group. (22. Dezember 2017) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Nach einer vertieften Prüfung sei den Übernahmen ohne Auflagen oder Bedingungen zugestimmt worden, teilte die Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) am Donnerstag mit. Der Vollzug der Goldbach-Übernahme erfolge innerhalb der nächsten zehn Börsentage, heisst es in einer separaten Mitteilung der Goldbach Gruppe. Auch dem Zusammenschluss der AZ Medien mit der NZZ wurde die Genehmigung erteilt.

Nach Abschluss des Verfahrens werde Tamedia die verbleibenden Minderheitsaktionäre entschädigen und die Goldbach Group dekotieren. Christoph Tonini, CEO von Tamedia, erklärt im Communiqué: «Wir freuen uns über den positiven Entscheid der Weko. Damit ist die letzte wesentliche Hürde für die erfolgreiche Übernahme der Goldbach Group übersprungen.» Die Goldbach Group wird vom bestehenden Management am bisherigen Hauptsitz in Küsnacht ZH eigenständig weitergeführt. CEO Michi Frank nimmt als zusätzliches Mitglied Einsitz in der Unternehmensleitung von Tamedia.

Mit der strategischen Partnerschaft wolle die Mediengruppe Tamedia – zu der auch dieses Medium gehört – und die Vermarkterin Goldbach ihre Stellung im Schweizer Werbemarkt stärken und gleichzeitig das Auslandsgeschäft, insbesondere in den Nachbarländern Deutschland und Österreich, ausbauen, heisst es weiter in der Medienmitteilung.

Bedenken der Weko

In Bezug auf die Medienzusammenschlüsse der AZ Medien und des Verlagshauses NZZ äussert die Weko jedoch gewisse Bedenken. Es bestünden Anhaltspunkte, dass die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens in den Lesermärkten eine marktbeherrschende Stellung begründe oder verstärke. Dies betreffe insbesondere die Tageszeitungen in den Gebieten Solothurn und Aargau sowie den Zeitschriften-Werbemarkt im Bereich Gebäudetechnik.

Zudem gebe es Anhaltspunkte für eine gemeinsame Marktbeherrschung mit der «Basler Zeitung» im Lesermarkt für Tageszeitungen im Gebiet Basel sowie mit der Tamedia-Gruppe und der Ringier-Gruppe im Lesermarkt für Sonntagszeitungen.

Allerdings sei nicht zu erwarten, dass die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens den beteiligten Unternehmen die Möglichkeit der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs auf den genannten Märkten eröffnet. Nach dem Zusammenschluss verblieben weiterhin starke Konkurrenten wie Tamedia und Ringier, so die Weko weiter. Zudem führe der Zusammenschluss auf dem Markt für Sonntagszeitungen zu keiner relevanten Änderung der Wettbewerbssituation.

Startzeitpunkt von CH Media noch offen

Der genaue Startzeitpunkt des Zusammenschlusses von AZ Medien und NZZ ist laut einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag offen. Das Datum werde zu gegebener Zeit kommuniziert. An der neuen Aktiengesellschaft CH Media werden beide Unternehmen zu gleichen Teilen beteiligt sein. Mit 480 Millionen Franken Umsatz und über 2000 Mitarbeitenden erreicht CH Media rund zwei Millionen Menschen und gehört damit zu den grössten Medienunternehmen in der Deutschschweiz.

Der neue Verwaltungsrat wird von AZ-Besitzer Peter Wanner präsidiert. Jörg Schnyder, Finanzchef der NZZ-Gruppe, wird Vizepräsident. CEO des neuen Unternehmens wird Axel Wüstmann, derzeit CEO der AZ Medien. Die publizistische Leitung übernimmt Pascal Hollenstein, der im Moment die Regionalmedien der NZZ publizistisch leitet.

Gewerkschaften fordern strengere Regeln

Die Gewerkschaften kritisierten den Entscheid der Weko, den Zusammenschluss der AZ Medien mit der NZZ zu genehmigen. Sie warnten davor, Arbeitsstellen abzubauen und fordern strengere Regeln bei künftigen Übernahmen im Medienbereich. Die Weko sei ein «zahnloser Tiger im Mediendschungel» und dürfe nur «rein wettbewerbliche Aspekte» prüfen, kritisiert der Journalistenverband Impressum in einer Mitteilung. Solle die Weko im Medienmarkt in Zukunft überhaupt noch eine Rolle spielen, müssten die Hürden gesenkt werden.

Gefordert sieht Impressum vor allem den Gesetzgeber. Es sei an ihm, das Recht so anzupassen, dass die Weko auch sozial schädliche Auswirkungen von Wettbewerbsbeschränkungen verhindern könnte.

Für die Mediengewerkschaft Syndicom zeigt der heutige Entscheid, dass die Medienkonzentration ein gefährliches Ausmass angenommen habe. In Zukunft komme die Berichterstattung in weiten Regionen von der Ostschweiz, über die Zentralschweiz bis ins westliche Mittelland aus der Hand eines Unternehmens, betonte die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Nach Ansicht von Syndicom braucht es nun ein Bekenntnis zur Sicherung der Arbeitsstellen der rund 2000 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Stellenetat müsse weitestgehend beibehalten werden, fordert Syndicom-Vizepräsidentin Stephanie Vonarburg.

Verlegerverband zufrieden

Die Verleger begrüssen in einer kurzen Stellungnahme den Entscheid der Weko. «Die Medienbranche ist auf möglichst viel Spielraum angewiesen, sich im Strukturwandel optimal zu organisieren», erklärt Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien auf Anfrage.

Als Hauptkonkurrenten müsse die Weko vor allem die US-Firmen Google und Facebook in ihre Evaluation nehmen. Diese beiden Plattformen schöpften knapp zwei Milliarden Franken aus dem Schweizer Werbemarkt ab, ohne dass Geld in eine publizistische Leistung zurückfliesse. Zu weiteren Fragen wollte sich der Verlegerverband nicht äussern.

(fal/sda)

Erstellt: 16.08.2018, 12:33 Uhr

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