Zum Hauptinhalt springen

Warum die Schweiz hier hergestellte Uhren importiert

Die Schweizer Uhrenhersteller kaufen ihre eigenen Produkte zurück. Das hat mit den Eigenheiten des Markts für Luxusartikel zu tun.

Adrian Sulc
Nicht alle finden einen Käufer: Unverkaufte Uhren werden zurück in die Schweiz geschickt.
Nicht alle finden einen Käufer: Unverkaufte Uhren werden zurück in die Schweiz geschickt.
Gaetan Bally, Keystone

Die Uhrenbranche steht an einem Wendepunkt. Zwei Jahre lang sind die Exporte geschrumpft, nun steigen sie langsam wieder. Im ersten Halbjahr 2017 konnten die Schweizer Hersteller ihre Verkäufe ins Ausland um 0,1 Prozent erhöhen, wie die Zollverwaltung gestern bekannt gab. Nur im Juni war es aber bereits ein Plus von über 5 Prozent.

Doch nicht nur die Exporte, auch die Importe von fertigen Uhren sind gestiegen. Dabei handelt es sich zwar auch um Stücke ausländischer Hersteller wie ­Fossil, Guess oder Casio. Doch wertmässig sind zwei Drittel dieser Importe Schweizer Uhren. Dies weil Hersteller wie Richemont nicht verkaufte Modelle wieder in die Schweiz holen und dies beim Zoll entsprechend deklarieren müssen.

Die Zollverwaltung hat die Zahl der Rücksendungen für Redaktion Tamedia ausgewertet: In der ersten Jahreshälfte betrug deren Wert 650 Millionen Franken. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden Uhren für 9,5 Milliarden Franken exportiert. Die Rücknahmen betragen also fast 7 Prozent der Verkäufe. Vor zwei Jahren machten die Rücknahmen im Vergleich zu den Exporten erst 5 Prozent aus.

Wer eine Uhr für 10'000 Dollar kauft, soll das Gefühl haben, in eine Wertanlage investiert zu haben.

Der Grund für die Wiedereinfuhren ist einfach. Während man überzählige Massenware einfach mit Rabatt verkaufen kann, wäre dies bei Luxusartikeln ein schwerer Fehler. Denn wer eine IWC für 10'000 Dollar oder eine Patek Philippe für 50'000 Dollar kauft, soll das Gefühl haben, in eine Wertanlage investiert zu haben – so sicher wie ein Goldbarren. Bietet ein Händler die Uhr plötzlich mit 20 oder 30 Prozent Rabatt an, ist diese Vorstellung zerstört. Aus demselben Grund ist es für die Uhrenbranche auch heikel, mit Preissenkungen auf Währungsschwankungen zu reagieren. Dadurch müssen aber auch währungsbedingte Preiserhöhungen gut durchdacht sein, um bei der nächsten Schwankung nicht wieder die Preise senken zu müssen.

Ausweiden und einschmelzen

«Die Rücksendungen sind kein neues Phänomen», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands Schweizerischer Uhrenindustrie. «Es ist wichtig, dass man den Vertrieb unter Kontrolle hat.» Denn die Uhrenkonzerne schreiben den unabhängigen Händlern zwar die Preise vor. Doch die Schweizer können kaum verhindern, dass überzählige Uhren mit grossen Rabatten an Mitarbeiter, Stammkunden oder über Internetplattformen verkauft werden. Deshalb bieten sie den Juwelieren die Rücknahme der Ware an.

In der Schweiz angekommen, werden die unverkauften Luxusuhren – der Aufwand lohnt sich nur bei teureren Modellen – ausgeschraubt. Die Uhrwerke können in neuen Modellen verbaut werden, die Gehäuse werden eingeschmolzen.

Für den Anstieg bei den Uhrenexporten im ersten Halbjahr sind China und Grossbritannien verantwortlich. In Fernost werden nach einer Phase des schwachen Wachstums und nach einer gross angelegten Anti-Korruptions-Kampagne wieder deutlich mehr Schweizer Uhren verkauft. In Grossbritannien sind die Preise dank dem schwachen Pfund äusserst attraktiv, was auch viele Touristen zum Uhrenkauf verleitet hat. Gleichzeitig leiden aber die Schweizer Uhrenhändler in den Tourismusdestinationen, wie auch André Hirschi, Präsident des Verbands der Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte, sagt. Für die Forderung, die Preise wegen des starken Frankens zu senken, hätten die Hersteller kein Gehör gehabt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch