Wenn Musik wie Wasser fliesst

Spotify-Gründer Daniel Ek bringt seinen Musikdienst an die Börse.

Führt das grösste Musik-Streaming-Portal der Welt: Spotify Gründer Daniel Ek. Bild: EPA/Xavier Bertral

Führt das grösste Musik-Streaming-Portal der Welt: Spotify Gründer Daniel Ek. Bild: EPA/Xavier Bertral

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Wirklich erfolgreiche Pioniere sind oft nicht die Ersten, die das Neue erkennen, sondern die Ersten, die es so umsetzen, dass es funktioniert. Auf die Idee einer virtuellen Musiktauschbörse, an der die Nutzer ihre Musikdateien teilen, war schon Sean Parker vor 18 Jahren gekommen. Zwei Jahre später musste er seinen Dienst Napster abschalten, weil die Plattenindustrie erfolgreich geklagt hatte. Die Empörung der Industrie war heuchlerisch; sie hat ihre Kunden jahrzehntelang mit überteuerten CDs und ihre Künstler mit unterbezahlten Gewinnen geschröpft.

In die Lücke stiess Daniel Ek, ein kahler ehemaliger Student aus Schweden. Er liess sich von David Bowies Prognose inspirieren, wonach Musik dereinst fliessen werde wie Wasser, also überall zu haben sein werde. Ek wuchs mit seiner alleinerziehenden Mutter in Stockholm auf. Als 16-Jähriger bewarb er sich erfolglos bei Google. 2006 mitbegründete er Spotify, der Name ist eine Verballhornung von «spot» und «identify».

Was Spotify von älteren Musikdiensten unterscheidet: Es verkauft seine Songs nicht, sondern lässt sie streamen. Man kann sie auch downloaden, aber nicht exportieren. Ausserdem kooperierte die Firma von Anfang an mit der Plattenindustrie. Spotify zahlt für seine über 35 Millionen aufgeschalteten Songs Milliarden Dollar an Lizenzgebühren. Dazu erhebt der Dienst, zumindest in der Prime-Variante, eine monatliche Gebühr von ungefähr 12 Franken.

Tidal entlöhnt Musiker besser

Nutzer können sich auf Spotify auch Playlists anhören oder eigene weiterverschicken, es gibt auch immer mehr Videos anzuschauen. Spotify hat gegenüber Apple Music den Vorteil, dass die Musik in deutlich besserer Klangqualität angeboten wird. Noch besser, nämlich in CD-Qualität, ist nur noch der von Musikern wie Jay-Z betriebene Musikdienst Tidal. Der ist allerdings doppelt so teuer, gerade weil er die Musiker besser entlöhnt.

Bis Ende 2017 hatte Daniel Ek, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, 159 Millionen Hörerinnen und Hörer aus 61 Ländern an sein Unternehmen gebunden, davon 71 Millionen zahlende. Apple Music als zweitgrösster Dienst kommt auf weniger als die Hälfte. So gesehen, müsste sich Ek auf den Börsengang freuen und müsste ihn die Börse mit grosser Freude erwarten. Dennoch widersprechen sich die Prognosen. Die einen Fachleute sagen Spotify einen raschen und steilen Anstieg voraus, auf dem Graumarkt wird seine Firma bereits mit 20 Milliarden Dollar bewertet. Andere reagieren skeptischer, weil Spotify immer noch hohe Verluste einfährt, 2017 waren es 1,5 Milliarden Dollar. Ausserdem weisen die Musikerinnen und Musiker zu Recht darauf hin, dass selbst die bekanntesten unter ihnen nicht angemessen an den Umsätzen der Firma beteiligt werden.

Daniel Ek kann das noch egal sein. Er sitzt am Hahnen, aus dem das Wasser fliesst.

Erstellt: 01.03.2018, 19:25 Uhr

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